Tag 3: Gspon – Saas Fee – Grächen


Eckdaten zum heutigen Tag

Originalplanung

Die Originalplanung für unsere heutige Etappe bestand aus zwei Etappen:

  • Gspon – Saas Fee
  • Distanz: 17 km
  • Aufstieg: 900 m
  • Abstieg: 1000 m
  • Laufzeit: 05.50 h
  • Saas Fee – Grächen
  • Distanz: 20 km
  • Aufstieg: 1250 m
  • Abstieg: 1450 m
  • Laufzeit: 09.00 h

Mit unserer Planung für den gesamten Tag lagen folgende Werte zugrunde:

  • Gspon – Saas Fee – Grächen
  • Distanz: 37 km
  • Aufstieg: 2150 m
  • Abstieg: 2450 m
  • Laufzeit: 14.50 h

Link zur Übersicht: 2026 – Alpenpässeweg Teil 2 (6 Tage)

Unsere Ergebnisse

Anhand unserer Tracker haben wir folgende Durchschnittswerte erzielt:

  • Gspon – Saas Fee
  • Startzeit: 06.50 Uhr
  • Ankunftszeit: 11.05 Uhr
  • Distanz: 18 km
  • Aufstieg: 930 m
  • Abstieg: 1030 m
  • Laufzeit: 04.15 h
  • Anzahl Schritte: 15’000
  • Tempo: 14.14 min/km
  • Saas Fee – Grächen
  • Startzeit: 11.10 Uhr
  • Ankunftszeit: 16.35 Uhr
  • Distanz: 21 km
  • Aufstieg: 1630 m
  • Abstieg: 1810 m
  • Laufzeit: 05.25 h
  • Anzahl Schritte: 15’000
  • Tempo: 15.51 min/km
Komoot Daten

Gspon – Saas Fee

Saas Fee – Grächen

Tagesbericht

Morgens um 06.00 Uhr klingelten unsere Wecker wieder sehr früh. Aber wie bereits gestern erklärt, befürchteten wir eine lange Laufzeit und wollten dann doch zu einer vernünftigen Zeit in Grächen eintreffen. Also blieb uns nichts anderes übrig, als dem Weckruf Folge zu leisten und die restlichen Sachen zusammenzupacken und die letzten Vorbereitungen zu treffen. Den Grossteil hatten wir bereits gestern Abend erledigt, da wir da ja ausreichend Zeit hatten. Trotzdem liessen wir uns genügend Zeit und liessen uns überhaupt nicht aus der Ruhe bringen.

Nachdem wir unsere Gesichter, Arme und Beine mit Sonnencrème, sowie weitere Extremitäten mit Zaubersalbe eingeschmiert hatten, waren wir auch schon bereit für die heutige Etappe. Fourchi war dabei etwas schneller und holte deshalb kurzerhand die vorbereiteten Lunchpakete, damit wir diese kurz im Zimmer verdrücken konnten. Dabei beliessen wir es jeweils bei einem Sandwich und einem Drittel Gurke, den Apfel und das zweite Sandwich packten wir ein für eine spätere Verpflegung – gewichtstechnisch haben wir ja in der Zwischenzeit schon ausgiebig Süssigkeiten konsumiert und dann liegt ein kleiner Gepäckzuschlag schon drin.

Nachdem wir den richtigen Ausgang gefunden und unseren Schlüssel in einer Kiste wunschgemäss deponiert hatten, hielten wir Ausschau nach einer passenden Stelle für die heutige Challenge.

Heute entschieden wir uns dafür, diese gemeinsam zu absolvieren. Inspiriert von den norwegischen Fussballfans versuchten wir uns in ein paar Ruderschlägen. Haude trug allerdings das belgische Trikot – kein Plan was er sich dabei überlegt hat. Aber egal, Fourchi hatte das mit dem Rudern so ziemlich gar nicht im Griff, aber lustig war es auf jeden Fall.

Vielleicht noch zur Erklärung (oder als Ausrede), weshalb es bei Fourchi dermassen unkoordiniert aussah: Wir trugen ja beide den Rucksack, aber Haudes Rucksack hatte Bodenkontakt. Und jedes Mal wenn Fourchi sich nach vorne zog, wurde er vom Gewicht des Rucksacks sogleich wieder nach hinten runtergezogen und konnte die Balance somit nicht halten. Klar kann man sagen, Fourchis Bauchmuskeln sind zu schwach – aber probiert es doch mal selber.

Danach marschierten wir um 06.50 Uhr tatsächlich los – etwas später als erhofft, aber das war für uns völlig okay. Wir stiegen kurz ein paar Meter ab und liessen Gspon rasch hinter uns, bevor dann auch schon der erste sanfte Anstieg startete.

Irgendwie hatten wir vergessen, heute das Morgenvideo zu drehen. Haude kam aber dann doch noch selber darauf und möchte gerne die folgende Botschaft an euch richten:

Gut zwei Kilometer lang konnten wir einem breiteren Wanderweg folgen und legten dabei bereits gute Höhenmeter zurück. Haude wollte diese Erkenntnis mit Fourchi teilen und nur wenige Sekunden später taucht ein Wegweiser auf und ihr könnt dreimal raten, wohin dieser uns führen würde…

Richtig, es kam eine Verzweigung nach links den Berg hinauf. Es wurde also für uns wieder etwas steiler, aber irgendwie konnten wir das im Moment gut verkraften, da wir uns über tierische Begegnungen freuen durften. Einerseits war da eine Herde von Walliser Schwarznasenschafen, anderseits konnten wir aufgrund der frühen Stunde auch ein paar Wildtiere sehen. Das Reh hat es nicht auf die Kamera geschafft, das bleibt in unseren Köpfen, aber das Gemsi hat Haude (dank Nutzung der Zoom-Funktion, dieses schlaue Kind) tiptop auf ein Video gekriegt wie es munter am Berg herumhopst.

Nach diesem kleinen tierischen Exkurs (es folgt noch ein weiterer), fokussieren wir uns wieder auf unsere heutige Wanderroute. Es wurde also etwas steiler und dann möchten wir mal einen Blick auf einen Bachübergang werfen. Den Anfang macht Fourchi mit einem verschmitzten Lächeln auf dem Gesicht. Man weiss nicht so recht, ob er einen Plan hat, aber jedenfalls ist er ohne Probleme auf die andere Seite gekommen.

Und danach folgt Haude mit seinem 3-Phasen-Plan. Zuerst überlegt er, dann bereitet er sich vor, und dann kommt der dynamische Sprung, um trockenen Fusses das andere Ufer zu erreichen:

Wir setzten unseren Aufstieg fort und nach der anfänglichen Steilheit (wo Fourchi Haude immer mal wieder ein wenig ziehen lassen musste), wurde es später wieder etwas flacher. Nach ca. 01.15 Stunden hatten wir dann auch schon den höchsten Punkte dieser Etappe auf 2276 m.ü.M. erreicht. Leider gab es dazu keinen Wegweiser oder eine Bezeichnung und so legten wir einfach eine kurze Pause ein und schritten danach weiter voran.

Wir ihr auf den Bildern erkennen könnt, war es noch eher dunkel und wir bewegten uns hauptsächlich im Schatten. Da es letzte Nacht auch noch ausgiebig geregnet hatte, waren also sowohl die Steine als auch die Gräser und Sträuche im Rand der Wanderwege ziemlich durchnässt. Und sie liessen es sich nicht nehmen, uns jeweils einen Teil ihrer Nässe in unsere Schuhe abzugeben. Wir haben dieses Phänomen schon auf unseren früheren Wanderungen beschrieben und es als „unangenehm“ bezeichnet. Zudem wurden wir heute auch an weiteren Stellen des Körpers nass, wenn beispielsweise ein Baumstrauch etwas zu tief hing und wir uns nicht ausreichend ducken konnten (oder wollten). Das führte jedenfalls dazu, dass wir trotz dem wunderbaren Wetter schon rasch sehr nasse Schuhe und Socken hatten – das riecht dann doch stark nach Blasen bei einem solch weiten Weg…

Irgendwie scheinen wir beide ein „Problem“ mit Brücken zu haben. Auf jeder Brücke müssen wir den anderen jeweils fotografieren… Deshalb gibt es hin und wieder diese Brückenfotos.

Wie dem auch sei, nach ungefähr zwei Stunden Laufzeit haben wir dann einen riesigen Stein mit einem Wegweiser erreicht und uns da erneut kurz mit Getränken versorgt.

Nun begann auch schon der Abstieg in Richtung Saas Grund, und dieser startete mit einer weiteren tierischen Begegnung: Pferden.

Kurze Zeit später bewegten wir uns zwischen den Häusern auf rutschigen Wegen weiter abwärts, als wir plötzlich einen Rasensprenger in nicht allzu weiter Ferne erkannten. Und wie es der Zufall so wollte, reichte dieser bis zum Wanderweg und wir hatten keine Chance auszuweichen – wir wurden also auch noch davon zusätzlich durchnässt. Das ist aber natürlich kein Vergleich zu den nassen Gräsern und Sträuchern, welche unsere Schuhe quasi geflutet haben.

Und dann hat sich auf diesem Abstieg auch noch etwas an unserer Sturzstatistik geändert. Nach Fourchis Sturz gestern zog Haude souverän nach und rutschte auf einer der vielen grossen rutschigen Steine weg, landete seitwärts glücklicherweise auf seinem Rucksack und zog somit keine Schäden davon. Nach diesem Schock blicken wir auf die nächste Brücke, das hilft sicher.

Ja und weil heute sonst nichts Grosses passiert ist, können wir euch auch noch von einem kleinen Fauxpas bei der Navigation erzählen. Und zwar dachte Haude, dass er der einzigen Signalisation eines Wegweisers nach unten folgen müsste. Fourchi war da etwas kritisch und konsultierte die App. Und tatsächlich mussten wir oben weiterlaufen. Das war halb so wild, aber trotzdem zählen wir den zum Hashtag #verlaufen.

Wir waren also immer noch auf dem Abstieg nach Saas Grund, welcher für unsere Verhältnisse einer der „schlechteren“ Abstiege war. Die Wege waren teilweise ordentlich zugewachsen und aufgrund der Nässe wirklich schwierig zu begehen. Wir liessen uns aber davon nicht beirren, bis wir einen anderen Wanderer antrafen, welcher soeben erst gestartet war. Er erkundigte sich nach unseren Plänen und zeigte uns dann auf der Gegenseite, dass wir da noch durchlaufen werden von Saas-Fee nach Grächen. Wir konnten nicht wirklich einen Wanderweg auf der Gegenseite in der Felswand erkennen, aber rückblickend können wir mit gutem Gewissen sagen: Dieser Mann hatte recht.

Zum ersten Mal in unserer Wanderzeit waren wir dann auch froh, als endlich mal eine asphaltierte Strasse begangen werden konnte. Dabei merkten wir aber, wie unsere Füsse bereits im Wasser schwammen – bei jedem Schritt hörte man ein „pflatsch“.

Der weitere Abstieg verlief dann aber ohne grosse Vorkommnisse und nach einer kurzen Passage auf der Strasse fanden wir uns rasch wieder auf Waldwanderwegen, welche wunderschön waren und auch nicht mehr so steil erschienen.

Ah Moment, eine Begegnung müssen wir noch erwähnen. Und zwar haben wir plötzlich eine riesige Wandergruppe angetroffen, welche wohl von Saas Grund aus gestartet war – aber wir konnten uns beim besten Willen nicht vorstellen, dass diese noch bis nach Gspon wandern würden. Die waren alle ausser Atem und bewegten sich gefühlt in Zeitlupentempo. Haude taufte sie auf den Namen: Wandergruppe Lueg ins Land.

Mittlerweile zeigte Fourchis Uhr eine Wanderzeit von knapp drei Stunden, aber Saas Grund war schon mal in Sicht. Wir setzten unseren Abstieg fort und durften dabei noch wirklich schöne Waldwege begehen, bevor wir dann auch noch unter einem Skiauffangnetz passieren durften.

Unten angekommen navigierte Fourchi gekonnt souverän durch Saas Grund, wo wir auf einmal wieder sehr vielen Menschen und gewöhnlichem Verkehr begegneten. Das fühlt sich auf unseren Wanderungen immer wieder wie ein Kulturschock an, weil wir uns so an die Ruhe gewöhnt sind. Jedenfalls fanden wir problemlos unseren Weg und schon bald wanderten wir dem Fluss Saaser Vispa entlang (leider hatte niemand von uns während dieser Phase Lust ein Foto zu schiessen, es war da unten wirklich sehr warm), bevor wir dann einen wunderschönen Camping zu sehen bekamen. Da waren wir etwas neidisch, dass alle Menschen da so chillen konnten – und uns stand noch ein seeehr strenges Restprogramm bevor.

Und dieses strenge Restprogramm startete mit dem Kapellenweg in Richtung Saas Fee. Klingt ja völlig nicht anstrengend, war es aber absolut und wir hatten beide unsere liebe Mühe, diesen Aufstieg zu meistern. Übrigens würde auch ein Postauto zwischen Saas Grund und Saas Fee verkehren – aber wen juckts…

Das war jetzt wirklich das erste Mal am heutigen Tag, dass uns Schweisstropfen von der Stirn abperlten und wir mussten feststellen, dass wir wohl nochmals eine Pause einlegen müssen. Und so legten wir kurz vor der Laufzeit von vier Stunden (das war unsere Ankündigung für die erste Etappe) vor einer der insgesamt 15 Kapellen eine kurze Pause ein und verpflegten uns hier erstmals mit Riegeln und Süssigkeiten.

Es fehlte nun nicht mehr viel und wir bissen uns durch, bis wir dann nach etwas mehr als vier Stunden gegen 11.00 Uhr in Saas Fee einmarschierten, uns den Weg zum relevanten Wegweiser suchten und dort letztendlich das ersehnte Zielfoto von Teil 1 der heutigen Etappe schiessen konnten.

Leider hatten wir unser Ziel knapp verpasst und wussten, dass jetzt ja erst der leichte Teil unserer heutigen Etappe abgeschlossen war. Da wir uns erst kurz vorher verpflegt hatten, liefen wir kurze Zeit später auch schon wieder los und nahmen somit die 20 Kilometer nach Grächen in Angriff.

Zunächst wanderten wir dabei über den riesigen Parkplatz (da Saas Fee komplett autofrei ist) vor dem Dorf, bevor wir dann noch durch Saas Fee selber weiterwanderten und dabei die eine oder andere ganz schöne Ferienwohnung bestaunen konnten.

Zu diesem Zeitpunkt steckten wir auch tatsächlich ein wenig in einem Loch. Zwar war fast die halbe Arbeit erledigt, aber wir hatten Respekt vor der anstehenden langen Etappe mit exponierten Stellen und waren doch auch schon etwas müde nach der über vierstündigen Wanderung mit über 1000 Höhenmetern. Entsprechend schleppend legten wir die erste Kilometer zurück, bis wir dann auf eine breite Schotterstrasse kamen, wo es ähnlich wie zu Beginn ab Gspon sanft aufwärts ging und wir so die ersten 2.5 Kilometer zurücklegen konnten.

Aber auch diese schöne Phase fand leider rasch ein abruptes Ende und so fanden wir uns in einem steilen Aufstieg durch den Wald wieder. Es war temperaturmässig wärmer geworden und so waren wir froh, dass grosse Teile der Wanderwege durch Wälder verliefen. Haude ist dabei aufgefallen, dass wir in diesem Jahr sehr viele Lärchen zu sehen bekommen – diese Erkenntnis hat er heute zum dritten Mal mit Fourchi geteilt und deshalb teilen wir sie jetzt auch mit euch.

Nach ungefähr einer Stunde mussten wir dann auch schon unsere erste kurze Verschnaufpause einlegen, um uns getränketechnisch zu versorgen. So langsam aber sicher begann der Kampf zwischen Kopf und Körper, wo der Kopf sagt „Hey, wir müssen noch weiterlaufen“ und der Körper den Wunsch äussert „lass uns mal hier bleiben“. Es war noch nicht sonderlich problematisch, aber erste Anzeichen waren zu erkennen.

Sobald wir die Baumgrenze erreicht haben, wurde der Weg vermeintlich flacher und glich von der Topografie zunächst sehr der gestrigen Wanderung, als wir grosse Teile so zurücklegen konnten.

Aber schon bald stellte sich heraus, dass diese heutige Etappe von Saas Fee nach Grächen technisch um ein Vielfaches anspruchsvoller ist und wir wirklich den Kopf bei der Sache haben müssen. Natürlich war der Weg herrlich und wir konnten immer wieder das Panorama bestaunen und auf der anderen Seite des Tals unseren Startpunkt in Gspon beobachten (das war schon eindrücklich, wie weit wir auch heute wieder gekommen sind). Aber der Fokus musste präsent sein – und dessen waren wir uns trotz fortschreitender Müdigkeit bewusst.

Es folgten spannende Passagen, wo wir einen Tunnel durchqueren durften (aufgrund von häufigen Steinschlägen wurde dieser gebaut) und wo es immer wieder ein ständiges Auf und Ab gab. Dieses ständige Auf und Ab war ziemlich heftig, weil sowohl Aufstiege als auch Abstiege äusserst steil und eben halt auf einem schmalen Wanderweg zu bewältigen waren.

Kurz bevor wir die Wanderzeit von zwei Stunden erreichten, stiessen wir auf die ersten exponierten Passagen, welche mit Drahtseilen gesichert waren. Für uns stellten diese keinerlei Probleme dar und auch kleine Leitern konnten unser Voranschreiten kaum bremsen.

Gleich danach folgte noch eine riesige Geröllha(u)de, welche wir gerne noch vor der nächsten Pause passieren wollten. Dabei kreuzten wir auch noch eine Trailrunnerin und vier weitere Wanderer – ansonsten gab es nicht wirklich viele Begegnungen mit anderen Wanderern. Die Geröllhaude war sehr anspruchsvoll, aber sehr gut markiert, damit man den Markierungen folgen konnte. Trotzdem war Trittsicherheit gefordert und hohe Konzentration über mehrere Minuten.

Danach stand die wohlverdiente Pause nach zwei Wanderstunden an. Hier genehmigte sich Haude die Hälfte seines zweiten Sandwiches sowie den Apfel, während sich Fourchi mit einem Apfel begnügte – er hatte null Bock auf ein Sandwich. Natürlich hatten wir auch wieder ein herrliches Panorama, das wir euch nicht zeigen… Stattdessen seht ihr Haude in seiner Pausenposition.

Das Anlaufen nach einer Pause wurde jetzt immer wie schwieriger, weil auch die Füsse schon gut schmerzten. Wir waren uns nicht sicher, ob sich nun aufgrund der Nässe in den Schuhen schon neue Blasen gebildet haben, jedenfalls fühlte sich alles total schwer an. Also setzten wir unseren starken Kopf ein und schritten weiter voran. Es blieb ein ständiges Auf und Ab – technisch sehr anspruchsvoll mit teils riesigen Tritten, welche schwierig zu bewältigen waren. Und immer schön entlang der Felswände auf schmalen Wegen.

Trotz der Schwierigkeiten beim Anlaufen entschieden wir uns dann nach 03.30 Stunden Laufzeit auf Höhe von Rote Biel für eine weitere Pause. Der alleinstehenden Holzbank konnten wir schlichtweg nicht widerstehen und so setzten wir uns dahin, tranken fleissig weiter und verpflegten uns erneut mit Süssigkeiten bzw. Fourchi mit einem Power-Gel.

Eine letzte Schlüsselstelle möchten wir euch jetzt noch spezifisch zeigen, weil es für uns auch ein Novum war. Und zwar sollten wir relativ einfach eine kleine Geröllhaude überqueren (ja der Fehler mit -haude statt -halde zieht sich durch). Jedoch war da das Geröll alles andere als fest und so ging Fourchi voran und hatte grösste Mühe, da irgendwie durchzukommen. Mit seiner linken Hand stützte er sich ab und stiess immer wieder einige Steine die Haude hinunter. Das war schon tricky und auch Haude hatte danach seine liebe Mühe bzw. gesunden Respekt vor der Aufgabe. Aber wir sind beide unversehrt mit einer neuen Erfahrung auf der anderen Seite angekommen.

Danach hielten wir immer wieder Ausschau nach der Hannigalp, wir waren schon über 13 Kilometer gelaufen und beinahe 4 Stunden seit Saas Fee unterwegs. Aber hinter jedem Felsen kam ein weiterer Felsen hervor und das war jedes Mal ein kleiner Stich ins Herz. Wir wussten, dass das Ziel näher kommt, aber die Beine wurden auch immer schwerer und die Energiereserven liessen langsam aber sicher auch nach.

Da kam es uns super gelegen, dass wir vor uns Wanderer entdeckten, welche wir dann innert kürzester Zeit ein- und überholt hatten. Das war ein ziemlich grosser Motivationsschub und so hielten wir ein hohes Tempo, trotz weiterhin technische anspruchsvollen Auf- und Abstiegen. Und so langsam aber sicher wurde das Gelände flacher, die Hannigalp konnte also nicht mehr weit sein.

Wuhuuuu, da war sie endlich. Und wir waren suuuuper in der Zeit. Haude stellte noch kurz die Frage, ob wir für ein Süssgetränk einkehren wollen. Fourchi verneinte vehement und wollte nur noch runter – der Abstieg von einer Stunde sollte noch drinliegen. Unsere Trinkvorräte waren übrigens allesamt aufgebraucht, bis auf einen letzten halben Liter Wasser von Haude (den haben wir dann später beim Abstieg auch noch getrunken).

Nachdem wir am Gondeli ebenfalls vorbeigelaufen sind (Haude versuchte es Fourchi auch noch schmackhaft zu machen, aber keine Chance bei diesem sturen Kopf), begann der letzte Abstieg von gut 3 Kilometern über steile Schotterstrassen. Wir kämpften uns durch, den Grossteil des Abstiegs bewältigten wir sogar im Laufschritt (dies entlastet unsere Beine besser, auch wenn es hart ist, wenn wir schon am Limit sind).

Und so kamen wir scho nach einer guten halben Stunde weit unten in Grächen an und hatten dabei so einige andere Wanderer oder Touristen überholt (Haude hatte gar noch Zeit sich auf französisch über sein Belgientrikot zu unterhalten). Da bewegten wir uns auf den letzten Metern dann auch noch auf der Route für kleine Helden.

Kurze Zeit zuvor sind wir auch noch einem Wegweiser nach Schüpfheim begegnet. Haude fühlte sich verpflichtet, auch dies in einem Foto festzuhalten und somit gehört das auch noch in unseren Blog:

Und dann endlich war es soweit. Fourchi hatte bereits sein Handy gezückt, um auf direktem Weg in die heutige Unterkunft zu navigieren. Zuvor liefen wir aber noch auf das Ärztezentrum zu und wir überlegten uns schon kurz, ob wir da nicht direkt hineinstürmen wollten…

Fourchi kriegte aber die Kurve, bog links ab und wenige hundert Meter später sind wir beim Chez BeNi angekommen, was für ein grossartiges Gefühl nach all diesen Strapazen am heutigen Tag.

Insgesamt waren wir nicht ganz 10 Stunden unterwegs und sind somit kurz nach 16.30 Uhr deutlich früher als angenommen in Grächen angekommen (ungewollter Reim…).

Ja und dann sollte ja nochmals gerudert werden… Fourchi entledigte sich umgehend seiner Schuhe und seiner Socken und dann konnte nochmals gerudert werden, diesmal aber ohne Rucksack. Nehmt es uns nicht übel, dass es immer noch etwas lustig anzuschauen ist, immerhin hatten wir bis da fast 40 Kilometer über 2500 Höhenmeter zurückgelegt.

Danach konnten wir gleich weiter zum Check-In, wo wir wiederum alle Formalitäten klären konnten. Unser Zimmer konnten wir dann direkt beziehen und das ist hier wirklich sehr schön. Wir konnten unsere Stinkewäsche auf dem Balkon aufhängen, uns eine warme Dusche genehmigen und einfach ankommen und uns ausbreiten.

Haude hat dann auch noch die Bestellung für das Frühstück ausgefüllt, damit wir dieses morgen um 07.00 Uhr bereits konsumieren können.

Und dann war es auch schon ziemlich bald 18.00 Uhr und wir begaben uns fürs Abendessen wieder nach unten. Beim Treppensteigen merkte man uns die Strapazen sicher gut an, aber es hat auch schon schlimmer ausgesehen. Für das Abendessen hatten wir einen tollen Platz draussen auf der Terrasse und wurden sehr liebevoll betreut. Zur Vorspeise gab es dann einen leckeren Salat aus dem hauseigenen Garten mit Avocado, Orangen, Tomaten und Walnüssen. Das war schon ein Highlight.

Und danach folgte zum Hauptgang ein Teller mit 14 (!) Momos, welche wir uns teilen durften. Leider haben wir nicht alle geschafft und mussten deren vier Stück zurücklassen (Haude schaffte 6 Stück, Fourchi nur deren 4).

Zum Dessert folgte noch Vanilleglace mit warmen Beeren (also quasi eine heisse Liebe) und auch das war nochmals sehr lecker. Es fehlte uns absolut an nichts und als wir dann vor dem Hochgehen noch nachfragten, ob wir die Getränke (Fanta, Cola und Wasser) auch noch begleichen könnten, entgegneten die Gastgeber „geht aufs Haus“. Echt grosszügig – vielen Dank.

Danach gingen wir wieder hoch ins Zimmer und mussten den Blog schreiben, welcher nun deutlich länger geworden ist, als es geplant war. Aber immerhin keine technischen Schwierigkeiten. Kurz vor 21.00 Uhr hat Haude dann noch einen Elite Whisky vorbereitet und einmal mehr wunderbar inszeniert.

Was für eine Aussicht!

Fazit

Mit der heutigen Killeretappe haben wir die Halbzeit unserer diesjährigen Wanderung erreicht. Und das war heute wirklich ein Kampf mit dem inneren Sauhund. Insgesamt haben wir auch etwas mehr als die angegebene Distanz zurückgelegt, zudem wurden für uns mehr Höhenmeter getrackt. Damit kommen wir heute auf folgendes Ergebnis:

  • 39 Kilometer
  • 2560 Höhenmeter aufwärts
  • 2840 Höhenmeter abwärts

Das ständige Auf und Ab auf dem Höhenweg zwischen Saas Fee und Grächen hat vermutlich zu diesen zusätzlichen Höhenmetern geführt und das war für uns auch wirklich hart.

Wir können beide Etappen wärmstens empfehlen, jedoch separat und nicht so wie wir es heute gemacht haben. Zudem empfehlen wir für die Etappe von Saas Fee nach Grächen ausdrücklich gutes Wetter – wenn es da noch nass gewesen wäre, dann wäre das echt nochmals eine Spur anspruchsvoller oder gar unmachbar geworden.

Auf unsere Leistung heute sind wir sehr stolz. Trotz der körperlichen Beschwerden haben wir uns durchgekämpft und nie locker gelassen. Wir haben nur sehr wenig miteinander gesprochen, aber gegen das Ende der Etappe war zu spüren, dass wir uns gegenseitig vermehrt nach dem Wohlbefinden des Anderen erkundigten – so soll es doch auch sein.

Es ist sicherlich die eine oder andere Blase dazugekommen, die Beurteilung machen wir aber erst morgen. Fourchis Knie hat die Etappe heute gut überstanden und war nicht sonderlich schmerzhaft. Auch hier wird die Nacht zeigen, wie gut sich das wieder regenerieren kann.

Ausblick

Morgen steht mit einer einzigen Originaletappe vermeintlich eine einfache Aufgabe vor uns. Allerdings hat es diese einzelne Etappe von Grächen nach Gruben in sich. Ganze 22 Kilometer und beinahe 2000 Höhenmeter gilt es zurückzulegen.

Wir gehen davon aus, dass wir realistischerweise ca. 7 Stunden für diese Wanderung benötigen werden. Wenn wir also wieder gleich frühmorgens aufbrechen (obwohl wir das Frühstück auf 07.00 Uhr bestellt haben, sind wir noch nicht sicher, ob wir schon dann losgehen wollen) und nichts Unerwartetes passiert, sollten wir im Verlauf des Nachmittags in Gruben eintreffen.

Nach der harten gestrigen Etappe kommt uns diese „vermeintliche“ Erholung gelegen und wir hoffen doch sehr, dass es sich ein bisschen erholsam anfühlen wird.

Wir wünschen euch einen tollen Start in euer Wochenende und freuen uns schon sehr, euch morgen wieder von unseren Abenteuern zu berichten…


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