Eckdaten zum heutigen Tag
Originalplanung
Die Originalplanung für unsere heutige Etappe bestand aus zwei Etappen:
- Meiringen – Grindelwald
- Distanz: 23 km
- Aufstieg: 1500 m
- Abstieg: 1050 m
- Laufzeit: 07.45 h
- Grindelwald – Lauterbrunnen
- Distanz: 20 km
- Aufstieg: 1200 m
- Abstieg: 1400 m
- Laufzeit: 06.40 h
Unsere Ergebnisse
Anhand unserer Tracker haben wir folgende Durchschnittswerte erzielt (während der grossen Pause haben wir den Tracker gestoppt):
- Meiringen – Grindelwald
- Startzeit: 08.00 Uhr
- Ankunftszeit: 14.15 Uhr
- Distanz: 25 km
- Aufstieg: 1600 m
- Abstieg: 1150 m
- Laufzeit: 06.00 h
- Anzahl Schritte: 29’600
- Tempo: 14.03 min/km
- Grindelwald – Lauterbrunnen
- Startzeit: 14.30 Uhr
- Ankunftszeit: 17.15 Uhr
- Distanz: 11 km
- Aufstieg: 1100 m
- Abstieg: 150 m
- Laufzeit: 02.30 h
- Anzahl Schritte: 13’300
- Tempo: 13.39 min/km
Tagesbericht
Sagen wir es mal so: Der heutige Tag stand nicht unter sonderlich guten Voraussetzungen und das würde sich dann auch durch den ganzen Tag ziehen. Aber beginnen wir von vorne…
Gestern Abend hat Fourchi von seinem geschätzten Chef noch eine Nachricht erhalten mit Glückwünschen zum bisher geleisteten und dem Tipp, dass warmer Whisky gegen Fiebrigkeit helfen würde. Unter normalen Umständen würde Fourchi die Aussagen seines Chefs immer in Frage stellen, aber jetzt wusste er es halt nicht besser und so weckte er Haude nach Erhalt dieser Nachricht nochmals auf (ja, Haude war schon am schlafen). Haude befolgte die Anweisung, öffnete den Whisky, trank ein kleines Glas davon und ging sich ganz vorbildlich nochmals die Zähne putzen. Nach dieser Prozedur legte er sich wieder hin und schlief weiter.
Wie ihr an diesem kurzen Absatz sehen könnt, hören wir sehr wohl auf eure Inputs, welche uns so zahlreich erreichen (ausser wir wissen es besser). Deshalb möchten wir euch auch nochmals von tiefstem Herzen danken, dass ihr unserer Reise folgt und uns immer wieder aufmuntert. Das können wir wunderbar gebrauchen und es hilft uns wirklich. Dies zeigte sich auch bei Haude, welcher sich nach dem Aufwachen dann tatsächlich besser fühlte. Somit ein offizielles Dankeschön an Fourchis Chef.
Okay, leider gibt es ja in diesem Wandererduo auch noch den lieben Fourchi, welcher sich bekanntlicherweise seit einiger Zeit mit sich verschlimmernden Fussschmerzen herumschlägt. Und in der letzten Nacht wurden die Schmerzen immer schlimmer, sodass Fourchi nur wenige Stunden schlafen konnte. Entsprechend war die Situation beim Antritt zum Frühstück nur wenig erfolgsversprechend, aber ganz sicher amüsant zum Zuschauen, wie sich Fourchi die Treppe hinunter zum Buffet bewegte. So bot sich Haude spontan als Serviermädchen an und Fourchi musste nur ein mal zum Buffet humpeln.

Wie ihr sehen könnt, gab es auch im Hotel Victoria wirklich ein lecker-schmecker Buffet und Haude kam zudem in den Genuss eines Rühreis mit Speck. Anschliessend verkrochen wir uns wieder in unser Zimmer, nahmen letzte Vorbereitungen vor und packten unsere Sachen ein. Da gibt es jetzt doch mal wieder etwas zu erwähnen. Und zwar hatte Haude gestern ja sein Fusspuder für andere Zwecke missbraucht (die Sache mit der Po-Ritze). Heute morgen packte er wieder sein Puder und verabschiedete sich ins Bad mit den Worten: „Ich geh mal mein Füdli pudern.“ Okay, Frauen gehen sich mal die Nase pudern, Haude macht das halt etwas anders…
Als das Füdli wieder auf Vordermann war, schmeissten wir uns noch in die Regenklamotten. Der Regen war zwar nicht mehr so stark wie noch in der Nacht, aber es lohnte sich trotzdem, zumal für den ganzen Tag eher regnerisches Wetter vorhergesagt wurde. Nach dem Checkout standen wir also vor dem Hotel mit Fourchi, der eigentlich gar nicht laufen konnte. Wir legten die ersten Schritte zurück und Haude merkte an, dass der Laufstil von Fourchi nicht sonderlich rund aussieht. Fourchi entgegnete ganz trocken, dass er heute mal so beginnt, wie er sonst die Etappen beendet. Aber natürlich war das Ganze schon sehr schmerzhaft.
Wir starteten also unsere erste Etappe im Berner Oberland, nachdem wir zuvor bereits die Ostschweiz und jetzt auch die Zentralschweiz hinter uns gelassen haben. Als erstes Teilziel definierten wir mal die grosse Scheidegg und somit den ersten Pass dieser Etappe. Doch irgendwie trafen wir keine Wanderwegweiser an mit diesem Ziel, geschweige denn die Via Alpina Route 1 Markierung. Ohje, wir hatten uns also tatsächlich das zweite Mal verlaufen, und das genau an einem solchen Tag, wo schon vieles nicht zusammenpasste (Wetter, körperliche Verfassung, Länge der bevorstehenden Route). Gemerkt haben wir das übrigens erst, nachdem wir bereits 2 Kilometer in die falsche Richtung gelaufen sind. Haude hat die Karte nochmals beigezogen und dann haben wir entschieden, alles wieder zurückzulaufen, um auf die richtige Route zu gelangen. Und quasi nach einer Stunde Laufzeit seit dem Startschuss in Meiringen um 08.00 Uhr waren wir wieder zurück auf der Route und hatten praktisch noch keine Strecke der heutigen Etappe zurückgelegt. Hätte man sicher besser machen können…
Bei regnerischem Wetter begann der Aufstieg Richtung grosse Scheidegg und wir legten ein etwas dezenteres Tempo ein. So konnte Fourchi sich besser überlegen, auf welchen Stein er seinen schmerzenden Fuss setzt, um nicht noch zusätzliche Schmerzen ertragen zu müssen. Und dies stellte sich als das genau richtige Vorgehen heraus, weil Fourchi das auf diese Weise durchhalten konnte. Schon bald haben wir dann den Reichenbachfall erreicht – ihr wisst schon, diese Geschichte mir Sherlock Holmes. Natürlich knipsten wir da auch noch kurz ein Foto (es war wirklich imposant und extrem laut) und setzten dann unseren Aufstieg fort.

Der Aufstieg insgesamt war sicherlich keiner der besonders schweren Art. Es gab zwar immer wieder längere Stücke, bei denen es teilweise steil bergauf ging. Aber dann gab es auch wieder flachere Passagen in einem herrlichen Landschaftsbild, auch wenn wir vom Bergpanorama wegen den Nebelschwaden praktisch nichts sehen konnten. Aber hin und wieder kitzelte doch die Sonne in unserem Gesicht, das wars aber auch schon (besser für Fourchi, welcher sich optimistisch nicht mit eingecremt hatte).



Was uns jedoch nicht besonders gut gefallen hat, war die ständige Überquerung der asphaltierten Strasse bzw. die teilweise langen Passagen, die wir darauf zurücklegen mussten. Hinzu kam noch, dass da ständig Postautos verkehrt sind und da ist die Versuchung natürlich gross, irgendwann auch einmal einfach einzusteigen. Aber wie wir auf dem folgenden Bild sehen können, läuft Fourchi gekonnt arrogant am angehaltenen Postauto vorbei und hat dabei nur Augen für den Wanderweg (okay, das ist jetzt gelogen, aber egal).

Ja gut, und irgendwann waren wir dann plötzlich auch schon oben auf der grossen Scheidegg. Genauer gesagt nach einer Laufzeit von gut 04.30 Stunden (inkl. unserem Umweg) hatten wir also den ersten Pass des Tages erreicht. Und für die Statistik: Fourchi war als Erster oben. Vermutlich hatte Haude einfach ein schlechtes Gewissen und liess Fourchi dieses Mal den Vortritt.


Wir legten dann eine kurze Pause ein und Fourchi erkundigte sich, ob wir jetzt das Postauto nach Grindelwald nehmen wollten, weil wir ja mit dem Umweg doch auch wieder einige Körner verpulvert haben. Aber dummerweise war das Postauto nur wenige Minuten vor unserer Ankunft losgefahren und wir hätten eine Stunde ausharren müssen. Es war neblig, windig, etwas regnerisch und echt kühl. Zudem hatten wir beide beim Aufstieg geschwitzt und diese Kombination birgt Gefahren. Deshalb haben wir uns dann nach 15 Minuten entschieden, dass wir den Abstieg in Richtung Grindelwald in Angriff nehmen.
Das lief soweit alles ziemlich reibungslos ab, obwohl die äusseren Bedingungen schwierig waren. Die Wege waren ordentlich durchnässt und somit meist glitschig. Zudem mussten wir auch hier wieder zahlreiche Male die asphaltierte Strasse begehen und das ist halt einfach nicht ganz so toll. Und entsprechend war da auch wieder das eine oder andere Postauto (zum Beispiel jenes, welches wir hätten nehmen können von der grossen Scheidegg, wenn wir eine Stunde gewartet hätten) zu sehen und insbesondere zu hören. Wir haben mitgezählt: 8-Mal durften wir das Dreiklanghorn aus der Entfernung hören. Ist nicht ganz so cool, wenn man es von draussen hört… Aber das war ja unsere eigene Entscheidung und entsprechend hilft da alles Jammern nichts.


Und dann nach etwas über 5 Stunden Laufzeit eröffnet sich uns der Blick auf Grindelwald. Wir waren dem Zielort der heutigen Originaletappe schon ganz nah auf die Pelle gerückt und nach insgesamt 6 Stunden um 14.15 Uhr erreichen wir Grindelwald, wo wir uns dann natürlich mal eine gehörige Pause gönnen. Diesbezüglich sind wir überhaupt nicht anspruchsvoll. Wenn wir nicht mehr mögen, halten wir Ausschau nach einem Bänkli zum Sitzen. Aber normalerweise ist das nicht besonders häufig der Fall und so setzen wir uns irgendwo auf den Boden und jeder macht es sich auf seine Art mit seinem Rucksack bequem (dann hat er auch mal wirklich noch einen Nutzen).


Nun stellten wir uns natürlich noch die Frage, wie wir weiterfahren wollten. Die Zeit war dank unseres Umwegs doch schon ordentlich fortgeschritten und unsere Körper waren auch schon ziemlich strapaziert. Wer sturköpfig und blauäugig mischt, der wandert dann halt einfach mal noch weiter… Also nach 6 Stunden und 25 zurückgelegten Kilometern rafften wir uns nochmals auf und nahmen die kleine Scheidegg ins Visier, ihrerseits mit ca. 04.30 Stunden Laufzeit ausgeschildert. Unser Ziel war es, die halbstündig fahrende Zahnradbahn um 17.12 Uhr auf der kleinen Scheidegg zu erwischen, um dann um 18.00 Uhr in Lauterbrunnen einzutreffen.
Und so bewegten wir uns langsam durch Grindelwald hindurch und es gefiel uns nicht wirklich, wieviele Touristen mit ihren Kameras durch die Strassen flanierten. Also nichts wie raus aus diesem Getümmel und rasch wieder zu den Wanderwegen ab Grindelwald Grund. Uns standen noch 10 km und etwas über 1000 Höhenmeter bevor. Dabei hatten wir auch wieder zahlreichen Versuchungen zu widerstehen, weil da natürlich eine Zahnradbahn hochfährt und es auch noch den Eiger Express mit den coolen Gondeln gäbe.


Wir widerstanden auch hier und los gings also den Berg hinauf. Und das war dann doch schon krass. Ein extrem steiler Aufstieg über schmale asphaltierte Wege, um möglichst rasch die Höhenmeter zu gewinnen. Haude schlug ein horrendes Tempo an und Fourchi konnte nur mühselig folgen. Aber nur so hatten wir die Chance, unsere avisierte Zahnradbahn auch tatsächlich zu erreichen. Wir schwitzten uns wirklich die Seele aus dem Leib, legten nur ganz wenige Pausen ein und so näherten wir uns in grossen aber schweren Schritten der kleinen Scheidegg. Insgesamt überquerten wir die Zahnradbahnlinie deren 5-Mal… Es gibt Schöneres…
Haude und Fourchi kamen an ihre körperlichen Grenzen und wir mussten in Alpiglen auf etwas mehr als der Hälfte des Weges eine Pause einlegen und unsere Zuckervorräte aufstocken. Haude schletzte einen halben Liter Rivella runter; Fourchi tat es ihm gleich mit einem Citro. Und nach einem stärkenden Riegel ging es auch schon wieder weiter, denn die Zeit drängte.
Auf den letzten Kilometern konnten wir zwar ein relativ hohes Tempo halten, aber wir hatten keine Energie mehr, um noch einen Zacken zuzulegen und so drohten wir die angestrebte 17.12 Uhr Zahnradbahn nach Lauterbrunnen zu verpassen. Eigentlich hatten wir sie schon abgeschrieben, als wir in schweren Schritten gegen 17.14 Uhr auf dem „Bahnhof“ der kleinen Scheidegg eintrafen. Aber da stand doch noch eine Zahnradbahn… Haude prüfte und fand heraus, dass das unsere Bahn war (Fourchi meinte, dass sie um 17.12 Uhr losfährt, richtig wäre aber 17.14 Uhr gewesen). Also setzen wir zu einem Sprint über die letzten 80 Meter an und tatsächlich liess sich die Tür noch öffnen.
Total erleichtert und völlig zerstört setzten wir uns nahe der Türe hin und dann fuhr die Zahnradbahn auch schon los (natürlich war sie überfüllt mit Touristen). Na jetzt hat‘
s dann am Ende doch noch gepasst und total erschöpft tranken wir unsere Wasservorräte leer und nahmen weitere Energie in Form von Riegeln auf. Jetzt konnten wir endlich die Beine strecken, nachdem wir die kleine Scheidegg ab Grindelwald innerhalb von 02.30 Stunden erreicht hatten.

In Lauterbrunnen angekommen mussten wir nur noch 500 m zu unserer heutigen Unterkunft Chalet Rosa zurücklegen, wobei wir jedoch wiederum eine touristische Flaniermeile durchquerten. Es gefiel uns immer noch nicht und wir freuen uns auf die Ruhe bei der Überquerung der weiteren Alpenpässe.

Im Chalet angekommen durften wir unsere Englisch Sprachkünste wieder auspacken, weil wir von der Gastgeberin so begrüsst wurden. Ein paar kleine Instruktionen und schon waren wir in unserem kleinen Zimmer und konnten endlich die pflotschnassen Sachen ausziehen, frisch duschen und dann mit der Entspannung loslegen. Fast…
Da fehlte ja noch das Abendessen… Und da wir ein Bed & Breakfast gebucht haben, mussten wir hierfür nochmals raus. Fourchi konnte nicht mehr und so stellte sich Haude zur Verfügung, im naheliegenden Pub einen Snack zu holen, welchen wir dann im Zimmer verdrücken könnten. Einmal mehr vielen Dank Haude.
Nach gefühlt einer Stunde Abwesenheit kehrte Haude vom Pub zurück (es lag wirklich direkt nebenan) und in den Händen trug er zwei verführerische Schnitzelbrote. Diese waren dann auch echt sehr lecker und innert kürzester Zeit lagen da nur noch kleine Brotresten. Wieso aber hatte Haude so lange gebraucht? Das hängt sicherlich mit der Küche im Pub zusammen, aber es war da auch gerade noch eine Live Band am Aufbauen. Und Haude liebt Live Musik in Pubs. Der Soundcheck dauerte aber extrem lange und so führte er sich danach nur noch drei Songs zu Gemüte, bevor er sich wieder zurück zu Fourchi begab.
Fazit
Als wir mit den heutigen Etappen loslegten, hätten wir nie gedacht, dass es tatsächlich wie geplant ablaufen würde. Okay, wir haben uns noch verlaufen, aber sonst lief alles nach Plan.
Es war heute der mit Abstand strengste Tag unserer bisherigen Wanderung. Wir sind insgesamt 08.30 Stunden gewandert, haben zwei Alpenpässe überquert und dazwischen einen steilen Abstieg bewältigt. Hinzu kommt natürlich die zurückgelegte Distanz von insgesamt 36 Kilometern. Entsprechend zerstört sind jetzt unsere Körper und es gilt, diese möglichst rasch wieder auf Vordermann zu bringen.
Auf unsere heutige Leistung sind wir entsprechend sehr stolz und wir hoffen, dass wir auch in den letzten 5 Tagen ähnlich starke Leistungen abrufen können.
Eingespart haben wir heute mit dem Auslassen des Abstiegs von der kleinen Scheidegg nach Lauterbrunnen übrigens rund 8 Kilometer Distanz, ca. 1200 Höhenmeter Abstieg und schätzungsweise 02.30 Stunden Laufzeit. Wenn man die beiden Originaletappen einzeln absolviert, wären es wirklich sehenswerte Touren, welche sich wunderbar in diesem einen Tag zurücklegen lassen.
Ausblick
Morgen wir das Wetter wieder schöner bzw. es wird echt heiss. Und mit dem Aufstieg auf die Sefinenfurgge steht ein zermürbender Kampf bevor. Es handelt sich aber um eine einzige Etappe mit dem Zielort Griesalp, wo wir dann übernachten werden.
Wir sind uns noch nicht ganz sicher, ob wir eventuell die Gondel von Lauterbrunnen nach Mürren nehmen werden, um uns die ersten 5 Kilometer und rund 700 Höhenmeter vom Aufstieg zu sparen. Es gab auch noch einen Hangrutsch auf dieser Strecke, weshalb wiederum eine Umleitung signalisiert ist, welche nach einigen Zusatzkilometern riecht. Diese haben wir aber schon an unserem Tag 3 (Elm – Linthal) zurückgelegt.
Aber ansonsten schauen wir auch morgen wieder, wie sich unsere Körper über Nacht erholt haben und wünschen insbesondere Fourchi, dass sein Fuss keine weiteren Schmerzen und schlaflosen Nächte bereitet.

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