Anreise: Ich kam, sah und Binn


Anreise

Jetzt ist es also definitiv so weit… Es gibt kein Zurück mehr, denn jetzt sind wird wirklich in Binn… Und morgen steht die erste Etappe an…

Wir verbrachten beide einen gemütlichen Morgen zuhause und konnten noch die letzten Vorbereitungen abschliessen. Und deshalb entschieden wir uns dann, mit dem Zug um 13.00 Uhr ab Luzern nach Binn zu reisen.

Spontan haben wir uns noch für ein sogenanntes „Weg-Ponetli“ entschieden, also ein Bier für unterwegs. Aber wir möchten auch gleich klarstellen, dass es „nur“ ein Radler war – da scheiden sich ja bekanntlich die Geister, ob das jetzt als Bier gelten soll oder nicht. Völlig egal, die Freude in Haudes Gesicht beim Aufmarsch mit den beiden Weg-Ponetli sucht seinesgleichen.

Nun kann man sich fragen, woher Haudes Freude rührt. Fourchi behauptet, dass sein Anblick Haude dermassen verzückt, dass er sich seine Freude nicht mehr verkneifen kann. Ein Geständnis von Haudes Seite ist bis dahin noch ausstehend.

Wir suchten uns anschliessend einen Platz in der 1. Klasse, weil wir bereits vor langer Zeit eine Spartageskarte für die 1. Klasse gekauft haben. Es war nicht sonderlich viel los und so hatten wir unsere Ruhe und konnten unsere ersten Gespräche führen. Diese drehten sich um ganz unterschiedliche Themen, weil wir uns auch schon längere Zeit nicht mehr gesehen haben – und so hatten wir doch ein wenig Nachholbedarf.

Nun legen wir den Fokus aber gerne auf die für die Wanderung und insbesondere für euch relevanten Gespräche. So haben wir uns unter anderem über die Vorbereitung auf die diesjährige Wanderung unterhalten. Während Haude seine neuen Schuhe auf ausländischem Terrain in Sizilien eingelaufen hat, beschränkte sich Fourchi nach Ablauf der diesjährigen Fussballsaison auf alternative sportliche Aktivitäten – primär Padeltennis. Eine grosse Wanderung (wie beispielsweise die Pilatuskette) kann in diesem Jahr keiner von uns vorweisen.

Haude leidet aktuell noch ein wenig an Schmerzen an der rechten Achillessehne, deren Herkunft er aber nicht genau eruieren konnte. Jedenfalls fühlt er sich zu 95.5% fit und denkt nicht, dass ihn diese Beschwerden einschränken werden. Einzig beim Anlaufen verspürt er ein schwaches Ziehen, welches sich dann aber mit der Zeit verflüchtigt.

Fourchi hingegen erfreut sich bester Gesundheit und hat kein paar neue Socken dabei – alle seine Socken sind alt, aus seinen Fehlern hat er schliesslich gelernt. Also beste Voraussetzungen für ein erfolgreiches Unterfangen.

Im Rahmen der Zugfahrt von Luzern nach Bern haben wir zudem noch eine Situation miterlebt, welche wir mit euch teilen möchten. Häufig stehen die SBB oder deren Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter in der Kritik wegen fehlender Kulanz und fehlendem Verständnis. Neben uns sitzten zwei Touristen, welche sich ein Ticket aus der 2. Klasse gekauft hatten. Die Zugbegleiterin erklärte ihnen in aller Ruhe und gutem Englisch, dass dies die 1. Klasse sei und sie hierfür einen Klassenwechsel kaufen müssen. Zudem erläuterte sie den beiden Touristen, woran sie die entsprechenden Klassen erkennen, damit der Fehler nicht nochmals passieren würde. Letztendlich bezahlten die zwei Touristen den Aufpreis für den Klassenwechsel und alle waren zufrieden.

In Bern mussten wir dann ein erstes Mal umsteigen und bewegten uns von da an in Richtung Brig. Während dieser Zugfahrt gönnte sich Fourchi noch einen kleinen Powernap, während Haude sein Handy zückte und Spiele spielte. Wir führten nach der letztjährigen Wanderung noch Diskussionen, ob dieses Jahr wieder Pokémon gespielt wird oder nicht. Nun möchten wir diese Frage an euch stellen: Mit welchem Spiel ist Haude bei der Zugfahrt (und dann vermutlich auch im Verlauf der Wanderung) beschäftigt?

  • A) Pokémon
  • B) Sudoku
  • C) Fruit Ninja
  • D) Golf

Die Auflösung des Rätsels folgt am Ende des heutigen Blogbeitrags.

Nachdem wir nun gut zwei Stunden unterwegs waren, sind wir in Brig angekommen. Als wir da ausgestiegen sind, wurden wir von der Hitze fast erdrückt – das war echt unangenehm heiss. Da sind wir dann auch wieder am Spiegel aus dem Vorjahr vorbeigelaufen und natürlich musste auch da wieder ein Foto her.

Danach durften wir noch einige Zeit auf dem Bahnsteig mit Warten verbringen, bevor dann die Matterhorn Gotthard Bahn eintraf. Und hier war es jetzt leider auch nicht mehr ganz so angenehm mit der Klimatisierung. Deshalb waren viele der Fenster geöffnet und als wir dann den einen oder anderen Tunnel durchqueren mussten, sind uns beinahe unsere Ohren abgefallen, weil die Schienen dermassen übel quietschten. In Übereinstimmung mit den anderen wenigen Passagieren der 1. Klasse entschieden wir uns, alle Fenster zu schliessen und lieber zu schwitzen, als uns diesen ohrenbetäubenden Lärm auszusetzen.

Trotz aller Probleme hatten wir es natürlich weiterhin lustig und viel zu lachen. An solch kleinen Dingen merken wir immer wieder, dass das Kind in uns weiterlebt – na könnt ihr es auch erkennen, weshalb Fourchi hier so herzhaft lachen muss?

Wir haben uns übrigens auch schon über das nächste Jahr unterhalten… So ganz beiläufig hat Fourchi vorgängig schon mal die übrigen Etappen analysiert und zusammengefasst. Wenn wir mit denselben Parametern rechnen (Distanz, Höhenmeter, Laufzeit), dann würden 8 Tage ausreichen, um die übrigen Etappen ab Arolla zu absolvieren. Das ist aber definitiv noch Zukunftsmusik – aber auf der Anreise lässt sich das immer so leicht sagen.

Unser Zug von Brig nach Fiesch hatte leider etwas Verspätung und das Postauto von Fiesch nach Binn war sehr eng getaktet (nur 3 Minuten Zeit zum Umsteigen). Fourchi erkundigte sich deshalb beim Zugbegleiter, ob der Anschluss in Fiesch wohl warten würde – dieser zeigte sich vorsichtig optimistisch, wollte aber nichts versprechen.

Nach der Ankunft in Fiesch sind wir also wie die Wilden (ehrlich gesagt nicht ganz so wild…) aus dem Zug gestürmt und haben uns schnellstmöglich zum Postauto begeben – und tatsächlich stand es noch da. Kurze Zeit später fuhr es dann auch schon los und es ging also nun hoch nach Binn.

Einmal mehr waren wir zutiefst beeindruckt von den Fahrkünsten des Chauffeurs. Diese enge Strasse hinauf nach Binn ist ohnehin schon eine grosse Herausforderung, geschweige denn mit einem solch grossen Postauto. Kurz vor 16.30 Uhr sind wir dann in Binn angekommen und Haude konnte seine ersten Dehnübungen absolvieren (in Erinnerung an ein Foto aus dem letzten Jahr). Das sieht wirklich äusserst dynamisch aus.

Ankunft in Binn

In diesem Jahr wird definitiv Haude das Zepter bei der Navigation übernehmen. Fourchi war sich schon nicht mehr sicher, wo das Hotel Ofenhorn liegt und wollte schon die Brücke überqueren. Aber Haude hatte alles im Griff und nach keinen 5 Minuten sind wir im Hotel angekommen. Im Vergleich zum Vorjahr fühlten wir uns bei der Ankunft körperlich superfit, aber emotional war das Gefühl mit dem Vorjahr natürlich nicht zu vergleichen.

Beim Check-In durfte Fourchi einmal mehr die Rolle des Administrators übernehmen und das Formular ausfüllen. Wir klärten die Rahmenbedingungen und begaben uns in unser Zimmer. Dieses war nicht mehr ganz so schön wie noch im Vorjahr, aber völlig okay um da einmal zu übernachten. Danach begaben wir uns auch schon nach unten in den Garten und genehmigten uns einen kleinen Snack. Fourchi begann derweil bereits mit dem heutigen Blog, welcher bis hierhin doch schon ziemlich umfangreich geworden ist.

Kurze Zeit später konnten wir uns auch direkt das Abendessen genehmigen. Hierfür mussten wir uns nicht mal von unserem Tisch entfernen, weil Haude das Namensschild beim Aufstellen erkannt und kurzerhand auf unseren Tisch getauscht hat – dieses Schlitzohr…

Das Abendessen war ein wahrer Schmaus: Klassischer 3-Gänger mit einem leckeren Salat zur Vorspeise (nicht auf Fotos festgehalten), Vegi mit Linsentätschli (Fourchi) bzw. Fleisch mit Brasato vom Weiderind (Haude) als Hauptspeise und einer tollen Vanille-Crème-brûlée zum Abschluss. Wir arbeiten also fleissig an unseren Kalorien, welche wir voraussichtlich in den nächsten Tagen wieder verlieren werden…

Nach dem Abendessen haben wir uns dann wieder auf unser Zimmer zurückgezogen, den Blog finalisiert und uns mit dem Elite Whisky auf den heutigen WM-Halbfinal zwischen Spanien und Frankreich vorbereitet. Wir haben unterschiedlich getippt und etwas unterschiedliche Erwartungen, also wird nach dem Spiel einer von uns vielleicht etwas besser schlafen. Der andere könnte sich noch einen Schluck mehr vom Elite Whisky gönnen, was dann auch Haudes Packung zusätzlich erleichtern würde. Aber wir wollen mal nicht übertreiben. Der neue Whisky ist übrigens wirklich saulecker, das hat Fourchi gut ausgewählt (auch wenn dabei die Flaschenform das relevante Kriterium war und nicht der Geschmack).

Körperliche Verfassung

Wie schon erwähnt ist Haude noch leicht eingeschränkt (nicht zu verwechseln mit dem fiesen „beschränkt“) wegen seiner Verletzung an der rechten Achillessehne. Seine 95.5% sollten aber ausreichen, denn in den bisherigen Jahren zeichneten sich praktisch immer sehr rasch neue Probleme ab (z. B. riesige Blasen, Schienbein-, Hüft-, Fussbeschwerden, kaputte Knie und und und). Wir wollen es wirklich nicht verschreien, aber wir sind uns bewusst, dass wir unsere Körper in den nächsten Tagen wieder einer besonders grossen Belastung aussetzen werden und sich diese wohl in irgendeiner Form bei uns beschweren werden.

Verbleibt also noch die Frage nach dem diesjährigen Kampfgewicht… Hier können wir es einfach machen: Beide treten exakt mit demselben Gewicht wie noch im Vorjahr an, was heisst:

  • Haude: 73 kg
  • Fourchi: 76 kg

Ausblick und Abschluss

Kommen wir nun noch zu unserer grössten Sorge: das Wetter. Es war jetzt über eine Woche lang wirklich wunderprächtig sonnig und heiss und nun beginnt das Wetter sich zu verändern. Es sind viele Gewitter angesagt, aber leider wusste nicht einmal Thomas Bucheli von Meteo so genau, wo sich diese wann entladen werden. Das sind leicht suboptimale Voraussetzungen für unsere langen Wandertage an exponierten Lagen in den Walliser Bergen.

Deshalb haben wir auf unserer Hinreise auch immer wieder das Niederschlagsradar auf Meteo konsultiert und mögliche Szenarien diskutiert (sorry, das haben wir euch bisher vorenthalten, aber es ist einfacher, das alles hier zusammenzufassen – seid uns nicht böse).

Wir müssen also die beste Lösung dafür finden, dass wir morgen die 36 km von Binn über Rosswald bis zum Simplon Hospiz gefahrenfrei zurücklegen können. Uns stehen dabei 2500 Höhenmeter bevor und entsprechend gehen wir von einer Wanderzeit um 9 Stunden aus. Die Wetterprognose zeigt aktuell Gewitter in unseren Gebieten ab ca. 16.00 Uhr. Allenfalls kann es auch schon früher einen kurzen Regenschauer geben, dieser sollte aber nicht von Gewittern begleitet sein und wäre daher für uns unproblematisch.

Aus diesem Grund haben wir uns direkt bei unserer Ankunft im Hotel erkundigt, ob es die Möglichkeit für ein früheres Frühstück als 07.00 Uhr gäbe. Diese Möglichkeit besteht in der Form, dass uns heute Abend bereits eine kleine Platte kaltgestellt wird, welche wir dann am Morgen abholen und konsumieren können (im Zimmer oder später dann unterwegs).

Und das ist also nun auch ungefähr unser Plan: Wir werden um 06.00 Uhr aufstehen und direkt das Frühstück konsumieren, damit wir so gegen 06.30 Uhr loslaufen können. Wenn alles nach Plan läuft und nichts Unvorhergesehenes passiert oder Petrus sich mal wieder einen Spass mit uns erlauben will, dann sollten wir vor den heftigen Gewittern im Simplon Hospiz eintreffen.

Aber natürlich werden wir die Lage weiterhin eng beobachten, sowohl direkt am Himmel als auch über entsprechende Apps. Nach der ersten Teiletappe in Rosswald hätten wir sicher auch nochmals die Möglichkeit umzudisponieren, was wir aber nicht hoffen.

Es ist für uns aktuell sehr aufregend und wir sind aufgrund der Wettersituation etwas angespannter als sonst. Aber sobald wir morgen losmarschieren und in den Flow kommen, wird sich das rasch legen und wir verfolgen dann unser jeweiliges Tagesziel – also unversehrt bis zum Simplon Hospiz zu gelangen.

Ah und jetzt hätten wir doch beinahe noch die Auflösung des Rätsels vergessen. Tatsächlich sind die Antworten A) Pokémon und B) Sudoku korrekt. Haude hat sich an beidem versucht, aber es ist schon eine leichte Tendenz hin zu Pokémon zu erkennen, weil er da seine Trainerfähigkeiten ausleben kann. Wir werden es auf jeden Fall weiterbeobachten.

Gute Nacht ihr Lieben, wir sind dann mal weg…


Eine Antwort zu „Anreise: Ich kam, sah und Binn“

  1. Avatar von Tag 1: Binn – Rosswald – Simplon Hospiz – Elite on Trail

    […] 15. Juli 2026 Alpenpässeweg Teil 2, Wanderung #gewitter, #hagel, #nopainnogain, #regen, #stolz, #verlaufen «Anreise: Ich kam, sah und Binn […]

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