Idee
Nach dem grossen Erfolg aus dem letzten Jahr, als wir die Via Alpina Schweiz innerhalb von 12 Tagen von Vaduz nach Montreux bewandert haben, waren wir schon bald wieder auf der Suche nach einer neuen Herausforderung für das Jahr 2023.
Wiederum hat Fourchis bessere Hälfte – Ursi – eine interessante Wandertour entdeckt und sogleich teilweise absolviert. Dabei handelte es sich um den Tell Trail.
Fourchi sah darin eine interessante Herausforderung und setzte sich erstmals mit den aufgeführten Etappen auf Luzern Tourismus auseinander. Beim ersten Anblick kam natürlich sogleich die Frage auf, ob dieser Trail überhaupt genügend anspruchsvoll ist:
- 8 Tagesetappen
- 156 Wanderkilometer
- 7126 Höhenmeter
- 6 Berge
- 11 Seen

Der Fernwanderweg startet beim Telldenkmal in Altdorf und führt entlang der Via Suworow über den Chinzigpass durch das Wängital ins Muotatal. Von dort transportiert einen die steilste Standseilbahn zum autofreien Dorf Stoos. Die anschliessende Gratwanderung vom Klingenstock zum Fronalpstock ist ein echtes Bijoux. Über die Schwyzerhöhe geht es hinunter nach Brunnen an den Vierwaldstättersee. Die dritte Etappe führt schliesslich über den Gätterlipass nach Rigi Kaltbad. Per Zahnradbahn nach Vitznau und anschliessend geniesst man eine erholsame Schifffahrt nach Luzern. Wer weiterwandern möchte, wandert gleich via Fräkmünt auf den Luzerner Hausberg Pilatus. Nach der Talfahrt mit der weltweit steilsten Zahnradbahn nach Alpnachstad führt die Tour nach Stans, wo es per Seilbahn hoch hinauf aufs Stanserhorn geht. Die Wanderung über die neu erschlossene Gratwanderung nach Grafenort und schliesslich Engelberg, gehört zum Highlight des Tell-Trails. Ab Engelberg absolviert man die beliebte 4-Seen-Wanderung und verlängert die Strecke bis zum geografischen Mittelpunkt der Schweiz: auf die Älggialp. Über den Brünigpass wandert man zum Lungerersee, wo man die letzte Etappe auf den Gipfel des Brienzer Rothorns annimmt. Der Tell-Trail endet nach der Talfahrt im Dorf Sörenberg.
Interessant, aber im Verhältnis zur Via Alpina wirkt das tatsächlich nicht besonders anspruchsvoll. Zudem werden da etwas zu viele unterschiedliche Bahnen beschrieben, wo wir doch zum Wandern auf den Weg gehen wollen und nicht um Bahn zu fahren…
Terminfindung
Aber Haude und Fourchi haben in diesem Jahr ohnehin keine 12 Tage Zeit, um eine grosse Tour zu absolvieren. Für die Terminfindung hatten wir uns ziemlich rasch wieder auf Ende Juni / Anfang Juli geeinigt. Doch da kamen uns dann zwei Termine dazwischen, welche quasi unser maximales Zeitfenster markierten:
Auf der einen Seite heiratet Fourchis Bruder Stefan am Samstag, 24. Juni 2023 seine Mya im Wallis und auf der anderen Seite besucht Haude am Sonntag, 2. Juli das Konzert von Coldplay in Zürich. Damit Fourchi die Hochzeit in vollen Zügen geniessen kann und Haude wenigstens eine kurze Erholungspause vor dem Konzert einlegen kann, haben wir deshalb unsere Wandertage fixiert:
- Sonntag, 25. Juni abends – Anreise
- Montag, 26. Juni – erster Wandertag
- Samstag, 1. Juli – letzter Wandertag
Wer zählen kann, ist im Vorteil: Somit haben wir also 6 Wandertage zur Verfügung, um eine möglichst herausfordernde Tour zu absolvieren.
Tell Trail
Angenommen wir kürzen die 8 Tagestour auf 6 Tage und verzichten entgegen der Planung auf der Homepage auf fast alle Transporte mit der Bahn… Da ergibt sich doch tatsächlich eine interessante Tour mit heftigen Etappen, also ganz nach unserem Geschmack. Aber nochmals zurück zur Originalplanung, wie der Tell Trail eigentlich angedacht ist:
| Etappe | Start | Ziel | Wanderzeit | Strecke | Aufstieg | Abstieg |
| Etappe 1 | Altdorf | Mutatal | 05.30 h | 18 km | 560 m | 1468 m |
| Etappe 2 | Mutatal | Brunnen | 05.00 h | 16 km | 400 m | 915 m |
| Etappe 3 | Brunnen | Luzern | 05.00 h | 16 km | 840 m | 430 m |
| Etappe 4 | Luzern | Stans | 08.00 h | 10 km | 1650 m | 360 m |
| Etappe 5 | Stans | Engelberg | 10.00 h | 25 km | 1500 m | 2380 m |
| Etappe 6 | Engelberg | Älggialp | 06.00 h | 20 km | 560 m | 1160 m |
| Etappe 7 | Älggialp | Lungern | 06.00 h | 18 km | 440 m | 1390 m |
| Etappe 8 | Lungern | Sörenberg | 05.00 h | 15 km | 1170 m | 480 m |
In dieser Planung sind diverse Bahnen enthalten, welche sowohl die Laufzeit als auch die Strecke und die Höhenmeter beträchtlich reduzieren. Und wer uns von der Via Alpina noch kennt, weiss, dass wir Bahnen nur in Notsituationen in Betracht ziehen. Leider ist aber aufgrund der Informationen auf Luzern Tourismus nicht ohne weitere Recherchen ersichtlich, wie sehr sich oben genannte Werte beim Verzicht auf die Bahn verändern.
Tell Trail à la Elite
Also versetzten sich Fourchi und Haude in ihre Studienzeit zurück und recherchierten wie die Weltmeister, um möglichst realistische Werte für eine aussagekräftige Planung zu ermitteln. Und um ehrlich zu sein, wirkten die Laufzeiten und Distanzen mit den Höhenmetern etwas ernüchternd. Zumal wir noch nicht einmal Tage zusammengelegt haben (was wir ja aufgrund der knappen Zeit müssen). Und so standen wir vor der Herausforderung, die 8-tägige Wanderung sinnvoll auf 6 Tage herunterzubrechen. Dies gelang uns, indem wir zu einzelnen Etappen jeweils eine Halbe dazupackten. Und entsprechend sieht unser Schlachtplan so aus:
| Reisedatum | Reisetag | Start | Ziel | Länge | Aufstieg | Abstieg | Laufzeit |
| Montag, 26. Juni 2023 | Tag 1 | Altdorf | Stoos | 39 km | 2570 m | 1730 m | 13.30 h |
| Dienstag, 27. Juni 2023 | Tag 2 | Stoos | Luzern | 35 km | 2610 m | 2480 m | 13.30 h |
| Mittwoch, 28. Juni 2023 | Tag 3 | Luzern | Stans | 31 km | 2040 m | 2050 m | 11.30 h |
| Donnerstag, 29. Juni 2023 | Tag 4 | Stans | Trübsee | 33 km | 3040 m | 1700 m | 13.30 h |
| Freitag, 30. Juni 2023 | Tag 5 | Trübsee | Brünig | 37 km | 1400 m | 2210 m | 12.30 h |
| Samstag, 01. Juli 2023 | Tag 6 | Brünig | Sörenberg | 26 km | 2110 m | 1840 m | 10.00 h |
Okay, das ist jetzt schlussendlich doch sehr ambitioniert und wir werden kaum darum herumkommen, hin und wieder auf eine Bahn zurückzugreifen, um die 6 Etappen irgendwie absolvieren zu können. Die Etappen sind üppiger bepackt als so manche bei der Via Alpina und da müssen wir jetzt halt auch realistisch sein. Wir haben ja auch schon das Eine oder Andere auf unserer letzten Wanderung gelernt…
Unterkünfte
Auch für diese Wanderung hat Fourchi das Zepter zur Buchung der Unterkünfte übernommen. Natürlich bleibt unvergessen, dass er bei der Via Alpina das eine oder andere Mal eine Unterkunft relativ weit abseits der Route gebucht hatte. Das sollte dieses Mal anders sein und so entschieden wir uns nach gemeinsamer Rücksprache (Haude war dabei) für folgende Unterkünfte:
| Ort | Unterkunft | Preis |
| Altdorf | Zum schwarzen Löwen | CHF 190.00 |
| Stoos | Stoos Lodge | CHF 133.00 |
| Luzern | Fourchi Casa | Gratis |
| Stans | Boutique Hotel Stanserhof | CHF 180.00 |
| Trübsee | Berghotel Trübsee | CHF 334.00 |
| Brünig | Gasthaus Brünig Kulm | CHF 123.00 |
| Total | CHF 960.00 |
Mit dem „zum schwarzen Löwen“ in Altdorf starten wir an altbekannter Stätte, wo wir bereits letztes Jahr bei der Via Alpina zur Übernachtung eintrafen. Zudem übernachten wir häufiger „in den Bergen“ und nicht unten im Tal. Besonders luxuriös ist es, dass wir nach dem zweiten Tag bei Fourchi zuhause nächtigen werden. Da gönnen wir uns wohl auch eine kurze Wäsche, damit wir das Gepäck möglichst gering halten können. Und letztendlich werden wir nach dem letzten Tag aus Sörenberg direkt nach Hause verschieben, womit die letzte gemeinsame Nacht aller Voraussicht nach entfällt.
Ausblick
Mit der geplanten Wanderung haben wir uns wieder ein schönes Abenteuer vorbereitet und wir freuen uns beide sehr darauf. Immerhin wirbt der Tell Trail mit den „Big 6“ der Zentralschweizer Berge (Stoos, Rigi, Pilatus, Stanserhorn, Titlis und Brienzer Rothorn) und aus der letztjährigen Erfahrung wissen wir, dass uns diese Woche neben viel Leid und Schmerz auch viel Spass und Freude bereiten wird.
Aus unseren Erfahrungen des letzten Jahres können wir sicher das Eine oder Andere mitnehmen (Fourchi wird sicher keine ungetragenen Socken mitnehmen, Wanderstöcke werden von Beginn an zum Einsatz kommen, Proviant wird nur spärlich eingepackt, und und und). Aber trotzdem wird diese Route komplett anders für uns sein:
- Wir sind nur halb so viele Tage unterwegs und somit ist das Ende quasi ab Tag 1 in Sicht
- Die Routen verlaufen über Pässe und Berge, welche auch mit Bahnen gut erschlossen sind – somit rechnen wir mit deutlich weniger Einsamkeit und Stille
- Die Innerschweiz ist uns doch schon ziemlich gut bekannt und einige Routen kennen wir schon
- Die Routenplanung ist viel individueller und wir müssen mehr planen (ist kein direkt ausgeschilderter Weg wie die Via Alpina)
An den für die Via Alpina definierten Grundsätzen möchten wir auch festhalten. Damit ihr nicht den Beitrag nochmals suchen müsst, listen wir euch hier die Punkte gerne nochmals an (auch leicht modifiziert):
- Wir versuchen jeden einzelnen Meter selbständig zu laufen
- Kolleginnen und Kollegen dürfen auch einzelne Etappen mitlaufen, wenn sie das gerne möchten (das wird garantiert nicht passieren, letztes Jahr hat das schon nicht geklappt… aber die Abendessen waren ebenso cool und wurden von uns sehr geschätzt)
- Morgens starten wir möglichst früh, sodass wir am Abend frühzeitig am Zielort ankommen und rasch die Erholungsphase einleiten können
- Auch Schlechtwetter hält uns nicht davon ab, die gewünschte Tagesroute in Angriff zu nehmen, ausser es wird lebensgefährlich (dieses Risiko gehen wir nicht ein)
- In einem solchen Szenario versuchen wir um das Gewitter herum zu planen und falls die Route effektiv nicht belaufen werden kann, nehmen wir den ÖV, um zum nächsten Zielort zu gelangen
- Auf viele Pausen möchten wir verzichten; stattdessen eine kurze Mittagspause zur Verpflegung und Erholung
- Wir werden während der Wanderung nicht die ganze Zeit miteinander sprechen; beide haben Kopfhörer dabei und können sich auf sich selber konzentrieren
- Wir schauen aufeinander und versuchen uns immer zu motivieren, auch wenn es schwierige Momente zu überstehen geben wird
Und so gesehen kann das ja nur gut kommen… Wir melden uns dann wieder mit einer Packliste und dem ersten Beitrag zur Anreise.

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