Eckdaten zum heutigen Tag
Originalplanung
Die Originalplanung für unsere heutige Etappe bestand aus zwei Etappen:
- Capanna Corno-Gries – Rifugio Margaroli
- Distanz: 16 km
- Aufstieg: 1150 m
- Abstieg: 1300 m
- Laufzeit: 06.15 h
- Rifugio Margaroli – Binn
- Distanz: 20 km
- Aufstieg: 880 m
- Abstieg: 1650 m
- Laufzeit: 06.35 h
Mit unserer Planung für den gesamten Tag lagen folgende Werte zugrunde:
- Capanna Corno-Gries – Rifugio Margaroli – Binn
- Distanz: 36 km
- Aufstieg: 2030 m
- Abstieg: 2950 m
- Laufzeit: 12.50 h
Link zur Übersicht: 2025 – Alpenpässeweg Teil 1.2 (6 Tage)
Unsere Ergebnisse
Anhand unserer Tracker haben wir folgende Durchschnittswerte erzielt (während der grossen Pause haben wir den Tracker gestoppt):
- Capanna Corno-Gries – Rifugio Margaroli
- Startzeit: 07.30 Uhr
- Ankunftszeit: 11.55 Uhr
- Distanz: 17 km
- Aufstieg: 1070 m
- Abstieg: 1210 m
- Laufzeit: 04.25 h
- Anzahl Schritte: 16’000
- Tempo: 15.29 min/km
- Rifugio Margaroli – Binn
- Startzeit: 12.15 Uhr
- Ankunftszeit: 17.25 Uhr
- Distanz: 21 km
- Aufstieg: 840 m
- Abstieg: 1600 m
- Laufzeit: 05.10 h
- Anzahl Schritte: 19’000
- Tempo: 14.58 min/km
Komoot Daten
Tagesbericht
Bevor wir mit den heutigen Tagesbericht beginnen, möchten wir noch ein Foto von gestern Abend aus der Capanna Corno-Gries nachliefern. Am Morgen ganz früh hatten wir keine Lust für den Sonnenaufgang aufzustehen und deshalb gibt es jetzt halt eines von gestern Abend um 21.30 Uhr. Aber es war wirklich majestätisch:

Ja, wie war unsere zweite Nacht in einer SAC-Hütte? Wir müssen unser Urteil aus der ersten Erfahrung definitiv etwas revidieren, denn diesmal hat wirklich vieles gepasst. Und wir hatten auch Glück, dass wir unser Zimmer nur mit zwei weiteren Personen teilen mussten. Dies hat uns aber nicht davor bewahrt, in einem Zimmer ohne „Schnarchler“ zu landen – die sind wirklich weit verbreitet. Aber diesmal hatten wir ja eine Lösung mit unseren Airpods und entsprechend war das auch nicht mehr so dramatisch.
Trotzdem hat unser lieber Fourchi erneut nicht wirklich gut geschlafen. Er führt dies auf die schmalen Betten zurück, er konnte sich kaum drehen oder bewegen und das war im Schlafsack irgendwie etwas unbequem… Naja, bald halt er ja wieder mehr Luxus zum Schlafen und kann sich dann von diesen strengen Nächten erholen.
Haude war jedenfalls schon kurz nach 06.00 Uhr wach und hat sich nach unten in den Gemeinschaftsraum begeben, um sein Smartphone mit frischem Strom zu versorgen und natürlich auch an seinem Pokémon Abenteuer weiterzuspielen – ein klassisches Suchtopfer…
Fourchi hat sich gegen 06.30 Uhr auch mal aus dem oberen Bett nach unten gekämpft (ja, er hat oben geschlafen und Haude hat das untere Bett bezogen) und seine Morgenroutinen abgearbeitet – noch in aller Ruhe.
Um 07.00 Uhr begann dann das Frühstück und da war schon ordentlich was los – gefühlt war schon die gesamte Hütte wach und etwas am tun. Es war auch hier ein sehr einfaches Frühstück, aber deutlich besser organisiert als noch in der Capanna Bovarina. Wir konnten somit auch nochmals mit unseren Urner Kollegen sprechen, waren dann aber die ersten, welche sich aus dem Staub gemacht haben.
Noch kurz etwas Sonnencreme auftragen und um 07.30 Uhr konnten wir wie geplant in die letzte Etappe starten. Es war kein Wölklein am Himmel zu sehen und so starteten wir entsprechend gut gelaunt und ziemlich euphorisch in den heutigen Tag. Gerne könnt ihr noch Haudes Ausführungen lauschen:
Die ersten ungefähr zwei Kilometer ging es immer ein wenig bergauf, aber völlig angenehm und so konnten wir mit einer super Pace starten. Wir mussten auch nicht nochmals zurückrennen, um fehlendes Gepäck mitzunehmen – es lief alles wie am Schnürchen. Und dann eröffnete sich vor uns auch schon bald ein herrlicher Blick auf den Griesgletscher und den Griessee. Was für ein Start in den Tag.







Auf der anderen Seite waren noch ein paar sehr grosse Windräder zu sehen, scheinbar die Windräder des höchsten Windparks Europas. Und nachdem wir auch das geklärt hatten, ging es auch schon weiter in Richtung Italien. Wir erreichten ein paar Kilometer weiter den Grenzstein und posierten da natürlich für ein kurzes Foto – Haude befindet sich noch in der Schweiz und Fourchi ist schon in Italien.

Es folgte ein erster relativ steiler und langer Abstieg hinunter auf eine Ebene – das wird nicht unser letzter am heutigen Tag sein, wo wir fast 3000 Höhenmeter absteigen mussten. Man merkte uns eine gewisse Vorsicht an und es war auch zu erkennen, dass wir beide nicht wirklich schmerzfrei unterwegs waren. Insbesondere beim Abwärtswandern machten sich diese Beschwerden jeweils am deutlichsten bemerkbar.
Auf einmal klingelte auch noch Fourchis Telefon und da versuchte die Putzfrau ihn zu erreichen. Fourchi nahm sich natürlich kurz Zeit, um sich mit ihr zu unterhalten und den Terminkonflikt zu lösen. Haude liess sich aber auch nicht zweimal bitten, dieses Szenario fotografisch festzuhalten. Während des Telefonats ist Fourchi übrigens unbeirrt weiter abgestiegen, als ob das ganz normal wäre…

Im Hintergrund ist auch schon der nächste See erkennbar, dazu kommen wir dann auch gleich. Aber bis dahin gab es noch einen langen Weg zurückzulegen, denn der Abstieg war auch ein paar Kilometer lang. Zudem musste anschliessend in der Ebene angekommen auch eine Passage von zwei Kilometern relativ flach zurückgelegt werden. Auch heute wurden wir wieder mit atemberaubenden Ausblicken für unsere Strapazen belohnt. Ihr kriegt es hier in Form einer Galerie vermutlich mit etwas weniger Strapazen, aber sind halt auch nur Bilder.








Nun stand uns auch schon bald der Stausee Lago di Morasco in voller Pracht vor uns. Hier mussten wir auch ein erstes Mal unsere SchweizMobil App konsultieren, weil die Route im App einen anderen Weg zeigte, als tatsächlich mit dem Wegweiser der Route 6 signalisiert wurde. Wir entschieden uns, dem Wegweiser zu folgen und umrundeten somit den Stausee auf der anderen Seite, was vermutlich ein paar zusätzliche Meter zur Folge hatte – zu diesem Zeitpunkt stellte das für uns noch kein Problem dar, weil wir fühlten uns noch frisch und kamen mit gutem Schritt voran.




An dieser Stelle, mit diesem Ausblick, legten wir unsere erste Pause am heutigen Tag ein. Mittlerweile waren wir seit 02.15 Stunden unterwegs und wir wussten, dass nun in den nächsten vier Kilometer ein Aufstieg über rund 800 Höhenmeter bevorstand. Also hiess es für Fourchi nochmals, die letzte Gummischlange verdrücken, und für Haude, die Beine hochlagern und das Schienbein nochmals nachschmieren.


Nach einer gut zehnminütigen Pause liefen wir dann los in die erste Phase des Aufstiegs. Da ging es grossmehrheitlich noch über Wiesen, in welche mit Holzbalken Stufen eingebaut wurden. Fourchi war in diesem Aufstieg der Pacemaker und schlug ein Tempo an, welches beide bis zum Passübergang durchhalten könnten. Als nahm sich Haude etwas zurück und trottete Fourchi hinterher – und hatte noch Zeit schöne Fotos zu schiessen.

Es folgte dann eine flache Passage von ein paar hundert Metern, bevor es dann nochmals richtig steil wurde in felsigem Gebiet. Wir mussten uns unseren Weg durch diese technisch anspruchsvollen Passagen gut auswählen, blieben aber konstant bei unserem Tempo und kamen somit sehr gut voran. Nach nur 01.15 Stunden Aufstieg waren wir auch schon auf dem Passo di Nefelgiu auf 2583 m. ü. M. angekommen. Wie gesagt, Haude hielt sich zurück und war um die Fotos besorgt. Fourchi war mit Leiden beschäftigt und deshalb gibt es vom Aufstieg nur Foto aus der Perspektive von Haude, sorry dafür.


Aber oben auf dem Pass angekommen, hatte Fourchi nach dem Ablegen des Rucksacks auch noch die Gelegenheit, ein Foto von Haude zu schiessen. Schliesslich hat auch er ein wenig gelitten.


Wie ihr übrigens erkennen könnt, sind die Wegbeschilderungen auf dem italienischen Gebiet gar nicht so anders. Und vor allem gab es auch meistens unseren Wegweiser mit der Route 6. Deshalb haben wir uns heute auch tatsächlich nie verlaufen und keine ungewollten Meter zurückgelegt.
Danach ging es auch schon weiter mit dem nächsten steilen Abstieg in Richtung Rifugio Margaroli, wo unsere erste Etappe zu Ende gehen würde. Praktisch von Beginn an hatten wir dabei einen herrlichen Blick auf den dritten See des Tages: Lago Vannino. Man könnte also fast auch sagen, dass diese erste Etappe von der Capanna Corno-Gries nach Rifugio Margaroli eine Drei-Seen-Wanderung ist – wirklich wunderschön.

Der Abstieg war technisch sehr anspruchsvoll und wir mussten sehr vorsichtig zu Werke gehen, um unseren Blessuren nicht unnötigerweise noch mehr zu schaden. Wir waren äusserst konzentriert und haben bis hier nur sehr wenig miteinander geredet – aber es war auch der Situation angemessen. Trotzdem konnten wir die herrliche Aussicht zumindest ein wenig geniessen, umso mehr dann auf den Fotos, welche wir nach der Wanderung ja auch immer nochmals durchschauen.




Nach nicht ganz 04.30 Stunden erreichten wir dann die Hütte Rifugio Margaroli und uns wurde erst dann bewusst, dass wir ja jetzt in Italien sind und wohl in Euro bezahlen müssten… Unser Bargeld beschränkte sich aber auf Schweizer Franken – welches wir übrigens bis hierher auch nicht gebraucht haben, weil wir überall mit Karte bezahlen konnten.

Fourchi wagte sich in die Hütte hinein und fragte mal nach, ob wir etwas zu trinken haben könnten, klassisch im allerbesten Hochdeutsch. Leider wurde das nicht verstanden, also folgte eine Getränke-Geste (ihr wisst schon wie die geht) und eine englische Ergänzung. Und siehe da, es klappt. Englisch war heute einmal mehr unser Retter. Eventuell werden wir uns noch etwas dem Italienisch zuwenden und ein paar wichtige Sätze lernen. Aber wenn wir so darüber nachdenken liegt der Fokus bei Haude aktuell deutlich stärker bei Pokémon als Italienisch – aber Fourchi könnte sich das durchaus vorstellen.
Alsoooo, letztendlich konnte Fourchi zwei Dosen Coca-Cola erwerben und diese mit der Karte bezahlen. Den Betrag hat er sogar auf italienisch verstanden, da war er stolz wie ein Marienkäfer. Haude lag bereits draussen auf einer Bank und Fourchi legte sich auf die daneben. So verbrachten wir eine kurze Mittagspause mit einer Dose Coca-Cola und Füsse-Hochlagern, bevor wir um 12.15 Uhr unsere Rucksäcke wieder auf den Rücken packten.
Nun waren wir also tatsächlich am Punkt angelangt, wo wir nur noch eine einzige Etappe zurückzulegen hatten. Wir konnten die 20 verbleibenden Kilometer rückwärtszählen und würden am Ende des Tages bei 0 angelangen und somit unsere Tour dieses Jahr beenden. Aber es war doch noch ein längerer Weg, als uns lieb war.
Die ersten Meter legten wir noch relativ flach am Lago Vannino entlang zurück. Auch dieser Start war herrlich im Hinblick auf die Landschaft und die Aussicht. Unsere Körper waren aber zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr ganz so frisch – immerhin hatten sie weitere 17 Kilometer und zahlreiche Höhenmeter verdauen müssen.




Nach der kurzen Anlaufphase stand dann auch schon unser dritter Aufstieg am heutigen Stand auf dem Plan. Es ging rechts den Berg hinauf, wenn auch nicht mehr ganz so steil wie noch beim letzten Aufstieg. Aber auch hier wendeten wir die genau selbe Taktik an: Fourchi voraus, Haude hinterher, Tempo konstant halten und Haude schiesst die Fotos für die Dokumentation im Blog. Aber diesmal wollte Fourchi auch noch etwas beitragen und so liess er Haude weiter oben bewusst passieren und versuchte auch noch das eine oder andere Foto zu schiessen.






Nach nur einer Stunde Laufzeit ab Rifugio Margaroli hatten wir also unseren dritten Passübergang am heutigen Tag erreicht, und zwar wiederum auf nicht ganz 2600 m. ü. M. Es war dies der höchste Punkt auf unserer diesjährigen Wanderung.

Das Wetter war mittlerweile etwas bewölkt und aufgrund eines kühlen Windes entschieden wir uns, sogleich den nächsten Abstieg in Angriff zu nehmen. Dieser war anfänglich wiederum steil, wurde dann aber flacher und kam uns deutlich mehr entgegen – so konnten wir die Schmerzen besser ertragen.





Nachdem wir uns bei einem Wegweiser nicht ganz sicher waren, wo wir nun wohl weiterlaufen mussten, legten wir kurzerhand eine Pause ein. Wir waren beide sichtlich gezeichnet und waren dankbar um jede Pause, wo wir unsere Rucksäcke kurz ablegen und unsere Beine entlasten konnten.


Es waren immer noch 14 Kilometer zurückzulegen, und uns stand jetzt wirklich noch der letzte längere Aufstieg bevor. Und zwar wollten wir wieder zurück in die Schweiz uns hierfür mussten wir noch den Albrunpass bewältigen. Also hiess es heute zum vierten Mal: Tempo finden und dann alle in einem Zug hochziehen. Aber auch hier war nochmals grosse Konzentration erforderlich, weil wir insbesondere den letzten Teil in riesigen Geröllhalden erklimmen mussten. Und dann durften wir heute noch ein kleines Schneefeld passieren.




Auf dem Albrunpass auf 2409 m. ü. M. angekommen wussten wir, dass jetzt wirklich nur noch der letzte Abstieg nach Binn anstand, aber auch das waren immer noch 11 Kilometer. Seit der Mittagspause waren wir wieder schon fast seit 02.30 Stunden unterwegs und mit den 04.30 Stunden aus der ersten Etappe des Tages summierte sich das schon.

Wir waren also wieder zurück in der Schweiz und Haude nutzte diese Gelegenheit sogleich, um eine Pinkelpause einzulegen. Es ist unklar, wieso ihm dies nicht schon auf italienischem Boden möglich gewesen ist – aber sei es drum.
Haude war noch ein wenig euphorisiert und drehte nach den ersten zurückgelegten Metern im Abstieg noch ein weiteres Video, weil ja das Ziel so greifbar nahe war (falls ihr mit gewissen Fachbegriffen in seinem Video nichts anfangen könnt, dann müsst ihr Dragonball aufarbeiten):
Die ersten paar Kilometer des Abstiegs gingen noch relativ gut und wir kämpften uns mit den uns noch zur Verfügung stehenden Mitteln durch. Wir zogen auch noch an einer weiteren SAC-Hütte (Binntal-Hütte) vorbei, bevor es immer weiter runterging. Der Abstieg war eigentlich ganz angenehm, nicht allzu steil und gutes Gelände. Aber unsere Körper waren schon sehr träge und konnten selbst diesen Abstieg nicht mehr sonderlich gut verdauen.







Es wurde langsam auch ein bisschen wärmer und so merkten wir, dass wir unserem Ziel Binn näher kamen. Bei einem Wegweiser ungefähr zwei Stunden vor Binn waren wir aber beide etwas angepisst – man muss es wirklich so sagen. Was war passiert? Ein Wegweiser zeigte nach Binn, über eine tiptop begehbare Schotterstrasse auf der anderen Seite des Flusses. Aber der andere Wegweiser – Route 6 – zeigte in die andere Richtung den Hügel hinauf. Natürlich entschieden wir uns für diesen Weg, aber für uns war das in diesem Moment einfach nur unnötig. Wir mussten nochmals einige Höhenmeter durch schlecht gemähtes Gestrüpp hochstürmen, um danach auf einer flachen Passage immer noch durch zumeist schlecht gemähtes Gestrüpp voranzuschreiten. Zum Abschluss durften wir das dann natürlich wieder absteigen und uns tat wirklich jeder Abstieg weh – je steiler, desto schmerzhafter. Immerhin sahen wir noch einen Tümpel, in welchem sogar Leute drin schwammen…

Die letzten Kilometer nach Binn stellten uns echt nochmals vor eine härtere Herausforderung, als wir uns das hätten vorstellen können. Wir gingen davon aus, dass wir auf den letzten Kilometern aufgrund des nahen Ziels beinahe fliegen würden. Aber das Gegenteil war der Fall. Je näher wir dem Ziel kamen, umso mehr gaben unsere Körper ab und umso schmerzhafter wurde jeder Schritt.
Für die Wanderwege hatten wir dann entsprechend nicht mehr sonderlich viel übrig. Aber es waren mehrheitlich schön angelegte Pfade durch Wiesen und Wälder, meistens leicht abfallend.





Wir mussten dann tatsächlich auch nochmals eine Pause einlegen, weil wir so leer waren. Aber auch nach der Verpflegung ging es nur sehr gemächlich weiter. Irgendwann sind wir aber wieder auf asphaltierten Strassen und Schotterstrassen gelandet, auf welchen wir uns nun wortwörtlich nach Binn kämpften – stehend K.O.
Um die Sache hier jetzt auch noch etwas abzukürzen, wir sind tatsächlich kurz vor 17.30 Uhr dann in Binn einmarschiert.

Von da aus waren es nur noch wenige Meter zu unserer Unterkunft Hotel Ofenhorn. Wir hatten es also tatsächlich geschafft. In den letzten sechs Tagen haben wir uns gemeinsam von Splügen über 190 Kilometer und über fast 12’000 Höhenmeter (je auf- und abwärts) bis nach Binn durchgekämpft. Und nun waren wir also da – ein unbeschreibliches Gefühl. Wir legten zuerst unsere Rucksäcke ab und schossen ein Foto, um unseren Liebsten zu zeigen, dass wir (mehr oder weniger) wohlbehalten in Binn angekommen sind.

Und danach fielen wir uns völlig erschöpft aber überglücklich in Arme. Wir gratulierten uns gegenseitig zu dieser tollen Leistung und waren sehr erleichtert, endlich am Ziel angekommen zu sein.
Danach checkten wir im Hotel ein, brachten unsere Rucksäcke auf unser Zimmer im zweiten Stock (da mussten wir noch hochlaufen) und gingen dann wieder runter, um zuerst mal etwas zu trinken: Ein Coca-Cola und ein Fanta. Und wir waren restlos zufrieden.
Anschliessend kehrten wir nochmals in unser Zimmer zurück, um uns die wohlverdiente Dusche zu gönnen. Dabei bemerkten wir, wie schmutzig unsere Füsse waren. Nachdem wir alle Blasenpflaster entfernt hatten, wurden die Füsse saubergeschrubbt und dann glänzten sie äusserlich wie neu.
Beim Abendessen haben wir aufgrund unserer Buchung mit Halbpension bereits ein bestimmtes Menü erhalten:
- Caprese Salat mit Büffel-Mozzarella
- Kalbsragout mit Kartoffelstock und Gemüse
- Erdbeerglace mit Rahm
Dazu gönnten wir uns jeweils einen Aperol Spritz (Haude) bzw. einen Hugo (Fourchi) und ein grosses Wasser. Und mehr musste es auch nicht sein.


Auf den Bildern ist zu sehen, dass Fourchi vor lauter Strahlen fast keine Augen mehr hat. Bei Haude ist zu erkennen, dass er ein echter Wikinger ist. Sein Bartwuchs übertrifft alles bisher Dagewesene und es wird bitter nötig sein, dass er sich nach seiner Rückkehr morgen umgehend einer Gesichtsrasur unterzieht.
Da es draussen rasch kühl wurde, verschwanden wir danach auch schon bald wieder auf unserem Zimmer, um diesen Tagesbericht noch zu verfassen.
Den Elite-Whisky haben wir übrigens gestern Abend schon geleert, weil da wirklich nicht mehr viel drin war. Der Plan wäre gewesen, dass wir heute im Hotel Ofenhorn zum Abschluss einen ordentlichen Whisky zusammen geniessen. Aber nach dem Abendessen waren wir mit unserem Anstoss-Getränk ganz zufrieden und liessen es deshalb auch gut sein.
Aber natürlich wird die leere Flasche bei Haude zuhause zu den anderen Flaschen gestellt und wer weiss, vielleicht kommt ja dann doch noch eine weitere dazu…
Fazit
Heute haben wir unsere zwei letzten Originaletappen des Jahres absolviert. Insbesondere die erste Etappe von Capanna Corno-Gries nach Italien ins Rifugio Margaroli hat uns sehr gut gefallen. Die drei Seen waren wunderbar in die umliegende Natur eingebettet und es bot sich uns bei prächtigem Wetter eine eindrucksvolle Kulisse.
Auf dem zweiten Teil bis nach Binn waren wir schlichtweg körperlich am Ende, sodass wir da auch nicht mehr dasselbe Genussempfinden verspürten, wie noch auf dem ersten Teil des Tages. Sicherlich ist es etwas zermürbend, gleich vier steile und teils lange Auf- und Abstiege gleichentags zurückzulegen.
Aber natürlich sind wir unglaublich stolz und froh, dass wir jetzt in Binn angekommen sind und jeden einzelnen der angesagten 190 Kilometer selbständig zurückgelegt haben – vermutlich sogar noch ein paar mehr.
Einmal mehr hat uns heute geholfen, dass wir zu zweit unterwegs waren und wir uns gegenseitig in schwierigen Phasen unterstützen. Selbst wenn beide auf dem Zahnfleisch gehen, laufen wir trotzdem weiter. So jemanden zu finden und mit dieser Person solche Abenteuer zu erleben ist sehr schwierig – aber wir haben uns gefunden und ihr konntet auch dieses Jahr daran teilhaben.
Ausblick
Morgen müssen wir keine Wanderung planen – wuuuhuuu. Es tut wirklich gut zu wissen, dass wir morgen nicht in die Wanderkluft steigen müssen und eine mehrstündige Wanderung vor uns haben.
Stattdessen haben wir eine mehrstündige Heimreise vor uns. Es ist nämlich nicht ganz einfach, von Binn irgendwie nach Luzern zu gelangen. Aber wir haben morgen keine Eile, uns eine Verbindung ausgesucht und werden uns nach dem Frühstück auf die Heimreise begeben.
Morgen folgt dann noch ein kürzerer Beitrag mit den wichtigsten Daten und auch zu unserem Schlussgewicht, welches wir zuhause dann noch ermitteln wollen – Haude wurde von Fourchi entsprechend instruiert, da er sich ja dieses Jahr etwas schwer getan hat mit dem Wiegen…
Danke schon jetzt, dass ihr auch dieses Jahr unser Vorhaben unterstützt und verfolgt habt. Eure zahlreichen Nachrichten haben uns einmal mehr sehr geholfen und den nötigen Durchhaltewillen gegeben.
Wir hören uns morgen

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