Eckdaten zum heutigen Tag
Originalplanung
Die Originalplanung für unsere heutige Etappe bestand aus zwei Etappen:
- Capanna Bovarina – Capanna Cadagno
- Distanz: 17 km
- Aufstieg: 1200 m
- Abstieg: 1100 m
- Laufzeit: 06.20 h
- Capanna Cadagno – Airolo
- Distanz: 14 km
- Aufstieg: 260 m
- Abstieg: 1100 m
- Laufzeit: 04.00 h
Mit unserer Planung für den gesamten Tag lagen folgende Werte zugrunde:
- Capanna Bovarina – Capanna Cadagno – Airolo
- Distanz: 31 km
- Aufstieg: 1460 m
- Abstieg: 2200 m
- Laufzeit: 10.20 h
Link zur Übersicht: 2025 – Alpenpässeweg Teil 1.2 (6 Tage)
Unsere Ergebnisse
Anhand unserer Tracker haben wir folgende Durchschnittswerte erzielt (während der grossen Pause haben wir den Tracker gestoppt):
- Capanna Bovarina – Capanna Cadagno
- Startzeit: 07.45 Uhr
- Ankunftszeit: 11.55 Uhr
- Distanz: 17 km
- Aufstieg: 1150 m
- Abstieg: 1050 m
- Laufzeit: 04.10 h
- Anzahl Schritte: 12’000
- Tempo: 14.36 min/km
- Capanna Cadagno – Airolo
- Startzeit: 12.20 Uhr
- Ankunftszeit: 15.30 Uhr
- Distanz: 15 km
- Aufstieg: 260 m
- Abstieg: 1100 m
- Laufzeit: 03.10 h
- Anzahl Schritte: 15’000
- Tempo: 12.55 min/km
Komoot Daten
Tagesbericht
Liebe Freundinnen und Freunde des Elite on Trail Blogs: Heute können wir diesen glücklicherweise in gewohnter Manier auf dem iPad schreiben, und es gibt wirklich vieles zu berichten.
Beginnen wir mit dem Morgen: Das Frühstück startete ja um 07.00 Uhr, aber da wir beide schon früher wach waren, haben wir einander gegenseitig im Whatsapp geschrieben, um unsere sechs „Mitschläfer“ nicht zu wecken. Leider können wir nicht behaupten, dass diese Mitschläfer auch Rücksicht auf uns genommen haben – sie schnarchten nämlich wirklich was das Zeug hielt. Und kaum hatte sich einer beruhigt, setzte der nächste ein… Natürlich, wir hätten unsere Airpods einstecken können, aber da wir gestern erst nach Nachtruhe in unseren Schlag zurückkehrten, wollten wir da nicht mehr in unseren Rucksäcken nach den Airpods suchen. Das ist jedenfalls eine wichtige Lesson Learned bei unserer ersten Übernachtung in einer SAC-Hütte.
Wir waren uns ja völlig bewusst, dass in einer SAC-Hütte alles sehr einfach gehalten ist und wir auf jeglichen Luxus verzichten. Aber es war uns da in der Capanna Bovarina doch ein wenig zu eng und zu viele Personen auf diesem engen Raum. Somit sind wir auch sehr gespannt auf unsere zweite Übernachtung in der Capanna Corno-Gries (das steht dann morgen an).
Also nochmals zurück zum Aufstehen: Wir haben uns dann so um 06.40 Uhr aus unseren Betten aus dem oberen Stock möglichst leise runtergekämpft und sind schon mal nach unten gegangen, um die Zähne zu putzen und die Toilette aufzusuchen. Was für eine weise Entscheidung. Um 07.00 Uhr startete dann das sehr einfache Buffet in der Hütte, wo sich jeder ein Getränk, einen Aufstrich und 2-3 Scheiben Brot schnappen konnte. Wir waren bei den Ersten dabei und konnten dann unser Frühstück auch relativ rasch konsumieren.
Als wir anschliessend in unser Zimmer hochgingen, war niemand mehr da und so konnten wir uns für die heutige Etappe vorbereiten. Wir verstauten also unsere Schlafsäcke, packten die noch aufgehängten Kleider zusammen und nahmen letzte medizinische Tätigkeiten vor. Danach ging es bald schon runter in den Schuhraum, wo uns ein hübscher Duft entgegenflog. Wir trugen dann noch eine Schicht Sonnencreme auf (ja, die Sonne schien heute den ganzen Tag), aber schlüpften aufgrund der tiefen Temperaturen und des starken Windes in langärmlige Tenüs.
Fourchi hatte derweil noch mit seinem Trinkbeutel zu kämpfen und Haude war dann der Meinung, dass er aussähe, als hinge er am Tropf. Letztendlich hat sich Fourchi dann entschieden, den Trinkbeutel nicht mehr nachzufüllen und stattdessen mit dem verbleibenden Liter vom gestrigen Tag und dem frisch gefüllten Bidon in die Etappe zu starten.

Und so starteten wir etwas früher als geplant um 07.45 Uhr als eines der ersten Teams (okay, die holländischen Trailrunnerinnen starteten schon um 04.30 Uhr) in trockenen Schuhen und mit Sonnenschein im Rücken in die heutigen beiden Etappen. Haude war gut gelaunt und ready für sein zweites Video.
Wir waren noch keine drei Minuten unterwegs, als sich plötzlich Haude meldete und von Fourchi wissen wollte, ob seine Regenjacke in der hinteren Tasche seines Rucksacks eingepackt sei. Fourchi musste verneinen und so rannte Haude in allerbester Trailrun Manier (ohne Rucksack) nochmals zurück zur Hütte, packte sich da seine Regenjacke um kam Fourchi wieder entgegengestürmt.

Man sieht Haude zwar kaum, aber seine helltürkis kurzen Hosen sind doch schon von weitem erkennbar. Und ihr wisst was das bedeutet… Heute trug Haude erstmals eine seiner Real Madrid Kluften – aber zum Glück wurde das Trikot noch von einem Pullover bedeckt.
Nach dieser hektischen Startphase konnten wir also Kurs nehmen in Richtung Passo di Gana Negra. Rein optisch betrachtet, gab es auf diesen ersten gut 5 Kilometern absolut nichts zu bemängeln: Die Sonne schien, die Wege waren hervorragend signalisiert und führten uns in einer angenehmen Steigung durch hügelige Wiesen und Felsen in Richtung unseres Zwischenziels. Einziger Wermutstropfen war der kräftige kühle Wind, welcher uns auf diesem offenen Gelände immer wieder entgegenpeitschte.





Haude hat derweil seinen „Murmeli-Zähler“ aktiviert und hinter Fourchi nachlaufend fleissig Ausschau gehalten. Innerhalb dieser ersten Stunde hat er insgesamt 11 Murmeli entdeckt – Fourchi hat keines davon gesehen…
Also: Eine Stunde Wanderzeit war vergangen, fünf Kilometer zurückgelegt und wir hatten schon den Passo di Gana Negra auf 2433 m. ü. M. erreicht. Von da bot sich uns ein herrliches Bild, schaut doch selbst:

Vielleicht ist euch aufgefallen, dass Haude auf den Bildern bisher nicht sonderlich zahlreich vertreten war. Das hat damit zu tun, dass Fourchi diese ersten Kilometer vorlegte und somit Haude immer im Rücken hatte. Oooooder, vielleicht war Haude neben dem Murmeli zählen auch noch mit der Präparation der Wanderwege beschäftigt?

Jedenfalls setzten wir nach einer kurzen Trinkpause unseren Marsch fort und hatten nun ca. 600 Höhenmeter abzusteigen. Anfangs ging es weiter über Wiesen langsam hinunter und wisst ihr was, unsere Schuhe und Socken blieben einfach trocken. In diesem Jahr ist das alles andere als selbstverständlich, aber wir wussten das wirklich wahnsinnig zu schätzen.




Schon bald wurde aber der Abstieg deutlich steiler und wir mussten uns sehr konzentrieren – also kein Platz für Firlefanz… Ist euch aufgefallen, dass wir bisher noch nicht von Stürzen berichtet haben? Das wird sich heute ändern… Haude war nun unser Frontmann und führte uns sicheren Schrittes dem Tal entgegen. Doch dann, plötzlich ein Ausrutscher – glücklicherweise aber kein Sturz. Ein paar Minuten später hörte man es rumpeln und da lag unser Fourchi auch schon am Boden. Er war auf diesen schmalen Pfaden auf dem trockenen losen Gestein ausgerutscht und auf den Ellbogen gestürzt. Folgender Schaden ist dabei entstanden:
- Kleine Schürfwunde am rechten Ellbogen
- Gut gebogener Wanderstock
- Mental kleine Schwächephase im Hinblick auf den weiteren Abstieg
Also halb so wild, nach kurzem Durchatmen ging es auch schon wieder weiter. Haude rutschte dann erneut aus, konnte sich aber ein weiteres Mal mirakulös retten. Und auch Fourchi rutschte noch einmal, aber diesmal ohne Sturzfolgen.
Der Abstieg war zwar schön angelegt, aber äusserst steil. Ein Beweis für diese Steilheit ist die Tatsache, dass wir den ersten Aufstieg mit einer deutlich tieferen Pace zurückgelegt haben, als diesen Abstieg. Nach knapp 40 Minuten Abstieg und „nur“ zwei Kilometern hatten wir ein Plateau erreicht, wo wir erstmals zwei Wandergruppen begegneten.

Wir erhöhten nun wieder unser Tempo im flachen Gelände und steuerten auf unseren nächsten Aufstieg zu. Die Erholungsphase tat gut, nachdem wir uns beim Abstieg so stark konzentrieren mussten. Der Aufstieg startete dann nach gut zwei Stunden Laufzeit und da konnten wir noch drei Wanderpaare mit unserer Pace überholen. Es ging steil bergauf, aber wir hatten ein gutes Tempo unter dem Diktat von Haude gefunden und konnten dieses fast eine Stunde durchziehen und legten dabei einen Grossteil des Aufstiegs zurück. Es wurde langsam auch etwas wärmer, weil die Sonne schien und wir uns nur selten in Wäldern emporkämpften.






Es folgte noch ein kurzer Boxenstopp vor den letzten nochmals sehr steil wirkenden Höhenmetern. Wir verpflegten uns erneut und einmal mehr hat Haude Fourchi genau beim Essen einer Gummischlange erwischt…


Es folgten also die letzten steilen Höhenmeter aufwärts am heutigen Tag und nach ca. 03.15 Stunden standen wir auf dem Passo delle Columbe auf 2380 m. ü. M. Auch hier eröffneten sich uns wieder herrliche Aussichten und der kleine Lago dei Campanitt. Bereits 12 Kilometer hatten wir zurückgelegt und ab hier würde es fast nur noch abwärts gehen, auch in der zweiten Etappe des Tages. Das war schon mal ein gutes Gefühl, aber es waren doch noch 19 Kilometer übrig. Die Capanna Cadagno schon bald im Blick suchten wir uns unseren Weg immer etwas weiter dem Ziel entgegen. Die Landschaft fing immer wieder unsere Blicke und wir waren hellbegeistert von der Aussicht.




Als Fourchi beim Herunterlaufen einmal mehr sein Smartphone für ein hübsches Foto von Haude zücken wollte, fiel ihm eine Nachricht seines Bruders auf: „Hei Megg, gods üch guet? Chasch mer mol üche Standort schicke?“ Fourchi vermutete sofort, dass sich sein Bruder irgendwo in der Nähe befand und auf uns treffen würde – also rief er ihn unterwegs an. Und dann hat sich dies bewahrheitet, Stef würde bei der Capanna Cadagno warten und dann mit uns nach Airolo laufen. Was für eine riesige Freude – damit hätten wir niemals gerechnet.

Und nun kam sie wirklich näher, die Capanna Cadagno und somit Zielort unserer ersten heutigen Tagesetappe. Nach 04.10 Stunden erreichten wir die Capanna Cadagno kurz vor 12.00 Uhr mittags und da sahen wir auch schon bald Fourchis Bruder um die Ecke schauen. Was für ein schöner Moment – und Haude hat das wie ein Paparazzi festgehalten:
Die Freude war bei uns beiden gross – vermutlich bei Fourchi noch etwas grösser. Und so gingen wir rein in die SAC-Hütte (sah übrigens wunderschön und ziemlich neu aus) und genehmigten uns ein Süssgetränk. Stef konnte da mit seinem Italienisch-Skills auftrumpfen, während Haude und Fourchi wohl rasch auf Englisch hätten switchen müssen.
Wir fanden umgehend unzählige Gesprächsthemen, entschieden uns dann aber nach ca. 20 Minuten die Hütte wieder zu verlassen und Kurs in Richtung Airolo zu nehmen. Wir waren also erstmals in der Geschichte von Elite on Trail zu dritt unterwegs und das bereitete uns grosse Freude. Stef wirkte frisch, hatte einen sehr leichten Rucksack und hatte keine Mühe mit uns Schritt zu halten. Aber durch die nun zahlreichen Gespräche während des Laufens verflog die Zeit deutlich schneller und das half uns natürlich auch heute wieder.

Schon bald erreichten wir den Lago Ritom, welcher mit seinen weissen Sandstränden fast schon ein bisschen an die Malediven erinnerte. Bevor wir aber zum See abgestiegen sind, war noch die Zeit für eines der seltenen Fotos von Haude und Fourchi zusammen, nicht im Selfie-Modus.

Danach konnten wir auch schon loslegen mit der halben Seeumrundung auf der Waldseite – ein herrlicher Weg, mit kleinen Auf- und Abstiegen, aber schattig gelegen und mit schönem Blick auf den Lago Ritom. Dabei konnten wir auch noch einen Wasserfall bestaunen, einen Tunnel passieren und eine Pinkelpause (Stef) einlegen. Dabei entledigte sich Haude dann auch seines Pullovers und sein Real Madrid Trikot kam zum Vorschein. Auch Fourchi hat sich endlich seiner Jacke entledigt und war von da an im T-Shirt unterwegs.



Danach kamen wir an die Stelle, an welcher Stef sich für die falsche Route entschieden hat und deshalb überhaupt erst bei Fourchi nach dem Standort fragen musste. Und wir sind uns einig, dass wir seinen „falschen“ Entscheid verstehen können – er ist vom Alpenpässeweg abgekommen, später aber wieder da gelandet. Stefs Verständnis für unsere falsche Routenwahlen wurde dadurch drastisch gesteigert – was für eine Genugtuung für uns beide.

Wir setzten unseren Weg dem Lago Ritom entlang fort und nach 5 Kilometern seit der Capanna Cadagno waren wir auch schon am Ende bei der Staumauer angekommen. Bis hier war dies (beginnend bei der Capanna Bovarina) eine der schönsten Etappen, die wir je zurückgelegt haben. Aber ab dem Ende der Staumauer begann der Abstieg nach Airolo und das hat uns dann nicht mehr wirklich viel Freude bereitet. Es tat uns auch sehr leid für Fourchis Bruder, dass er jetzt ein solches Teilstück mit uns erleben „musste“.


Der Abstieg war lange, führte über mit Steinen übersähten Wege (das ist schwierig zu beschreiben, aber das Bild wird euch helfen), über Asphaltstrassen und manchmal auch noch über Wiesen, durch Dörfer und durch kleine Wälder.










Seit dem Abmarsch bei der Capanna Cadagno waren wir schon fast zwei Stunden unterwegs und so fanden wir, dass es mal wieder an der Zeit für eine Pause wäre. Wir fanden ein schönes Plätzchen und begannen mit der Verpflegung, als Haude und Stef (Fourchi sass in der Sonne auf der anderen Strassenseite) von einer älteren Dame um Hilfe gebeten wurde. Die beiden haben geholfen, ein 71.2 kg Gasflasche aus dem Auto auszuladen, während Fourchi seinen Apfel verdrückt hat – deshalb gibt es auch keine Beweisfotos von dieser Tat. Haude war etwas enttäuscht und hätte schon auf einen Paparazzi gehofft. Die Situation spielte sich in der Nähe von Brugnasco bei diesem orangenen Haus ab.

Geladen mit neuer Energie starteten wir in die letzten ca. 6.5 Kilometer, welche fast ausschliesslich über Asphaltstrassen hinunter nach Airolo führte. Das wäre heute für Haude und Fourchi wohl fast unerträglich gewesen, aber mit dem Dabeisein von Stef und den tollen Gesprächen ging es etwas ringer – dafür sind wir sehr dankbar. So marschierten wir als Trio weiter in Richtung Airolo, wo noch diverse Umleitungen auf uns warteten. Aber es spielte eh keine Rolle mehr, wir mussten da noch irgendwie durch.









Wie gestern im Blog angekündigt erreichten wir kurz nach 15.30 Uhr das Hotel Forni in Airolo. Haude und Fourchi waren deutlich mehr gezeichnet als Stef – aber der hatte ja auch nur einen Plauschrucksack dabei. Man muss ihm aber anrechnen, dass seine Wanderschuhe deutlich schwerer waren als unsere Trailrunschuhe.
Und so endete eine zunächst herrliche, und gegen Ende stark abbauende Etappe auf dem Alpenpässeweg. Und natürlich mit einer riesigen Überraschung und dem erstmaligen Mitlaufen einer anderen Person. Und dann schien auch noch die Sonne und unsere Schuhe waren immer noch trocken. Also ganz ehrlich, was wollen wir noch mehr?


Fourchi checkte im Hotel kurz ein und erhielt die Zimmerkarte. Danach setzten wir uns draussen hin und genehmigten uns alkoholfreies Bier bzw. Panache – das tat so richtig gut.
Es war aber noch nicht vorbei mit allen Überraschungen. Denn auf einmal tauchte Stefs Frau mit einer winzigen Begleitung auf und setzte sich auch noch zu uns an den Tisch. Der stolze Onkel Fourchi sah dabei zum ersten Mal den kleinen Winzling – eine weitere Motivationsspritze. Und Haude versuchte die Kleine gleich zu einem Verein zu bekehren. Ab hier gehen die Interpretationen auseinander und wir möchten hier auch gar keine Diskussion weiter entfachen. Geniesst einfach das Bild von Haude einerseits und das von Fourchi mit Bruder, Schwägerin und Nichte (auch wenn er die Augen geschlossen hat – bravo).


Gegen 17.00 Uhr war es dann an der Zeit für die drei aufzubrechen und heimzukehren. Es folgte ein sehr herzlicher Abschied und dann sind Fourchi und Haude auch gleich im Zimmer verschwunden. Während Haude sich im angrenzenden Denner noch frische Süssigkeiten schnappte, hüpfte Fourchi schon mal unter die Dusche – diesmal ohne besondere Vorkommnisse. Auch Haude hüpfte anschliessend unter die Dusche und dabei hat sich sein Pflaster vom Fuss gelöst. Man kann sich vorstellen, wie übel das Wasser in der Wunde gebrannt hat. Fourchi war etwas verunsichert, ob Haudes Probleme wieder schlimmer wurden. Aber Haude gab rasch Entwarnung und winkte ab – alles gut.
Dann zeigte er aber noch auf sein Schienbein und da konnte man eine Schwellung erkennen. Haude führt dies auf die Schonhaltung am gestrigen Tag zurück, als er bewusst nicht die Fussfläche mit der offenen Blase belasten wollte. Und dieses Bild hat grosse Ähnlichkeiten mit Fourchis Schienbeinbeschwerden auf der Via Alpina. Haude weiss sich wie damals auch Fourchi zu helfen und trägt eine Salbe auf, gönnt sich eine Schmerztablette und läuft auch bei Schmerzen am nächsten Tag weiter…
Und so stiegen wir um 18.00 Uhr zum Abendessen die Treppen herunter und riskierten sogleich einen Blick in die Karte. Während Haude zwischen Carbonara und Entrecote schwankte, hatte Fourchi einen Blick auf die Ravioli und ebenfalls das Entrecote geworfen. Wir gehen davon aus, dass wir morgen in der Capanna Corno Gries kaum ein Entrecote erhalten werden, aber womöglich Nudeln in einer beliebigen Form. Und so entschieden wir uns beide für das Entrecote sowie einen gemischten Salat als Vorspeise.


Wir waren mit dem Essen zufrieden und konnten schon vor 19.00 Uhr wieder auf unser Zimmer zurückkehren. Falls ihr noch etwas genauer hinschauen wollte bei Haude: Sein Bart ist wirklich wahnsinnig am spriessen, schon bald wird er nicht mehr als Haude erkennbar sein. Offensichtlich ist er ein waschechter Wikinger. Und Fourchi sieht aus, als wäre er etwas zu lange im Solarium gelegen – die Bräune hängt im Gesicht langsam wirklich an.
Kehren wir zum Schluss nochmals zum Ernst der Lage zurück: Ist euch aufgefallen, dass wir gestern sogar unser Ritual mit dem Whisky ausfallen liessen? Tatsächlich ist es einigen von euch aufgefallen und das zeugt von eurer ausserordentlich aufmerksamen Leseart – vielen Dank dafür.
Wir hatten das Ritual also nicht absichtlich ausfallen lassen. Aber da wir mit dem Blog etwas im Stress waren und Rücksicht auf unsere Zimmergenossen nehmen wollten, ging das schlichtweg vergessen. Wie auch immer haben wir die heutige Etappe erfolgreich absolviert – trotzdem schade um das verpasste Ritual.
Aber heute haben wir uns nach dem Abendessen wieder den obligaten Schluck Elite Whisky gegönnt. So langsam aber sicher wiegt der nicht mehr so schwer im Gepäck von Haude.
Fazit
Heute durften wir 1.5 wunderbare Etappen zurücklegen, auf die Hälfte der zweiten Etappe hätten wir rein aufgrund der Wegbegebenheiten verzichten können. Aber da trat mit der Überraschung von Fourchis Bruder eine super Kompensation in die Bresche und so hatten wir doch eine sehr schöne zweite Etappe zu bewältigen.
Rein körperlich war die heutige Etappe sicherlich nicht die strengste. Aber es waren immerhin wieder über 31 Kilometer und einige Höhenmeter, welche wir zurücklegen mussten. Das Wetter war super, ohne Wind wäre es perfekt gewesen. Man wird aber genügsam – mittlerweile sind wir einfach schon mit trockenen Bedingungen zufrieden.
Nun haben wir bereits mehr als die Hälfte unserer diesjährigen Tour zurückgelegt und sind körperlich natürlich nicht mehr zu 100% fit. Aber wir können die Blessuren handeln. Haude muss da sicher etwas mehr Leid ertragen als Fourchi, das macht er aber mit Bravour und lässt sich nichts anmerken.
Ausblick
Das Wetter für morgen: Sonnig. Es ist am Morgen wieder etwas kühl, aber wird dann rasch wärmer und wir müssen zuerst wieder in die Höhe aufsteigen. Aktuell sind wir auf knapp unter 1200 m. ü. M. in Airolo und morgen geht es in die Capanna Corno Gries auf 2338 m. ü. M. Es steht uns also sicherlich ein knackiger Aufstieg bevor, aber der ist gut verteilt auf insgesamt 26 Kilometer.
Morgen wartet also wieder eine einzige Originaletappe, welche aber für sich schon sehr anspruchsvoll ist. Es stehen knapp 2000 Höhenmeter aufwärts bevor, hoffentlich wartet danach eine schöne Belohnung in der zweiten SAC-Hütte.
Das Frühstück startet um 07.00 Uhr und diese Zeit werden wir ungefähr anstreben. Morgen haben wir aber keine Eile und werden vermutlich ähnlich wie heute gegen 07.45 Uhr starten. In diesem Fall wäre wohl eine Ankunftszeit vor 15.00 Uhr realistisch – mal schauen ob wir das einhalten können.
Danke für euer Mitfiebern und eure Nachrichten – und bis morgen…

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