Vorbereitung: Neuer Versuch


Idee

Nachdem wir im letzten Jahr wegen einer Knieverletzung von Fourchi erstmals ein Vorhaben abbrechen mussten, war für uns sofort klar, dass wir ein Jahr später einen neuen Versuch starten werden. Bevor wir aber auf unseren neuen Plan schauen, möchten wir zuerst nochmals auf das letzte Jahr zurückblicken.

Rückblick

Wir erinnern uns: Fourchi wurde von starken Knieschmerzen geplagt und am letzten Tag haben wir noch Splügen erreicht, bevor wir dann mittels ÖV bis nach Safien Platz gefahren sind und einen Tag später unsere Rückreise angetreten haben (Tag 3: Ausserferrera – Splügen – Safien Platz).

Nach der Rückkehr hat Fourchi Haudes Rat befolgt und umgehend beim Arzt angerufen und für den Folgetag einen Termin vereinbart. Es folgte die Anmeldung zum MRI, welches dann drei Tage später terminiert wurde. In der Zwischenzeit haben wir uns eine gemeinsame Auszeit auf dem Stoos gegönnt.

Mit dem Auto zugefahren konnten wir in die steile Bahn einsteigen und den Aufstieg mal auf eine andere Art geniessen – es war schon auch schön. Besonders speziell war es deshalb, weil wir noch vor zwei Jahren im Rahmen des Tell Trails diesen Aufstieg nach einer bereits langen Wanderung ab Altdorf bewältigen mussten (Tag 1: Altdorf – Muotatal – Stoos). Natürlich liessen wir es uns in diesen Tagen auf dem Stoos gut gehen, haben sehr gut gegessen, Unterschiedlichstes getrunken und uns auch super erholt.

Haude liess es sich nicht nehmen, eine Runde über Fronalpstock und den Klingenstock zu absolvieren – natürlich in einer total unvernünftigen Laufzeit und in einem überschnellen Laufschritt. Man muss fairerweise sagen, dass er auch keinen Rucksack tragen musste, er war also sicher beflügelt.

Für diesen Ausflug hat sich auch Fourchi rausgeputzt und sich in den Sessellift hinauf zum Fronalpstock gesetzt. Auf dem Gipfel gab es dann ein kurzes Kaffee und ein Treffen mit Haude, bevor dann wiederum der Sessellift bestiegen werden musste, um zurück in die Stoos Lodge zu gelangen. Es war speziell – aber es war halt so…

Nach der Rückkehr stand also noch das MRI an und dann dauerte es wieder ein paar Tage, bis der Befund da war und Fourchi erneut beim Arzt antraben musste. Und da kam es letztendlich zur Diagnose „Anterolaterale Kapselverletzung mit Partialruptur des anterolateralen Ligaments. Zerrung der meniskokapsulären Anheftung posteromedial sowie des M. popliteus“. Da schien also wirklich nicht mehr ganz alles in Ordnung zu sein. Und so wurde Fourchi kurzerhand zum stolzen Besitzer einer lässigen Knieschiene, welche ihn die nächsten 5 Wochen begleiten würde. Zudem erhielt Fourchi ein Sport- und natürlich auch Wanderverbot.

Das Gute daran: Die Entscheidung, die Wanderung abzubrechen, war definitiv korrekt. Aber es schmerzte natürlich weiterhin, dass wir unser Vorhaben nicht wie geplant abschliessen konnten.

Der Heilverlauf im Anschluss verlief problemlos. Nach 2 Wochen konnte Fourchi mit dem Fussballtraining und der Vorbereitung auf die neue Saison starten (ja, der Arzt war darüber nicht sonderlich erfreut, aber es ging ja gut). Und Haude erfreute sich übrigens weiterhin bester Gesundheit.

Terminfindung

Da wir für dieses Jahr erstmals keine neue Route raussuchen mussten, entfällt also die Evaluation nach der passenden Herausforderung. Jedoch erwies sich in diesem Jahr die Terminfindung als grosse Herausforderung. Die bisher gesetzte letzte Juni-Woche fiel rasch weg und anfangs Juli gab es auch schon Ferienpläne. Und so haben wir uns mal temporär auf die zweite Juli-Woche geeinigt.

Auch da gab es immer wieder neue Probleme und letztendlich sind wir dann doch noch zu einem Zeitfenster gekommen, welches für uns beide passte: Freitag, 4. Juli – Freitag 11. Juli.

Aber auch diese Planung wurde dann tatsächlich nochmals etwas angepasst, weil Haude die Einladung zur Teilnahme an einer Modulprüfung am Samstag, 5. Juli erhalten hat. Sogleich entfachte eine Diskussion darüber, ob Haude da nicht den Laptop mitnehmen und von unterwegs teilnehmen soll (Fourchi trägt ja schliesslich auch immer sein iPad mit für die äusserst interessanten Blogs).

Vernünftig wie eh und je haben wir uns aber dagegen entschieden und so verlegten wir den Start um zwei Tage auf den Sonntag, 6. Juli und hängen einen weiteren Tag an, womit wir am Samstag, 12. Juli wieder zurückreisen. Es stehen uns also sechs Wandertage zur Verfügung und diese wollten wir bestmöglich nutzen.

  • Samstag, 5. Juli – Anreise nach Splügen
  • Sonntag, 6. Juli – erster Wandertag
  • Freitag, 11. Juli – letzter Wandertag
  • Samstag, 12. Juli – Rückreise von Binn

Planung

Die bisherige Kommunikation über die Terminfindung lief praktisch ausschliesslich über Whatsapp statt. Und wie der obigen Story zur Terminfindung zu entnehmen ist, war das doch ein ziemlich reger Austausch im Gegensatz zu den Vorjahren. Um nun aber die Wanderung wirklich auch noch mit Blut zu besiegeln (nicht ganz wörtlich gemeint), haben wir uns ziemlich genau ein Jahr nach der letzten Planung (2024 war es noch der 6. März), am 8. März wiederum in Fourchis Casa verabredet. Begleitet von Kaiserwetter konnten wir uns auf der Terrasse kurz vor dem Laptop versammeln, um die wesentlichen Eckpunkte zu besprechen.

Dabei ging es eigentlich um eine einzige Frage:
Halten wir an unserer damaligen Planung aus dem Vorjahr fest oder entschärfen wir die teils extremen Etappen und definieren somit einen anderen Zielort?

Als wir dann nochmals die Wanderroute auf Schweizmobil nachschauten, waren wir überrascht, dass sich da scheinbar etwas geändert hatte. Und wie es der Zufall will, betraf die Änderung ausgerechnet die Etappe ab Splügen, wo wir im letzten Jahr „den Bettel hinschmeissen mussten“.
Während im Vorjahr die Etappe von Splügen noch nach Safien Platz und von da aus weiter nach Vella geführt hätte, sieht die neue Route den Weg von Splügen über Turra nach Vella vor. Bezüglich der Distanz und der Höhenmeter ergibt dies verteilt auf diese zwei betroffenen Etappen eine leichte Reduktion, welche aber nicht ins Gewicht fällt.

Da wir aber neu in Splügen starten, von wo aus wir im Vorjahr noch gleichentags bis nach Safien Platz gelaufen wären, mussten wir uns die Frage stellen, wie wir die Etappen neu zusammensetzen wollten. Dabei kam uns entgegen, dass dadurch die letztjährige geplante „Killeretappe“ mit über 44 km wohl aufgeteilt werden konnte.

Da wir aber unbedingt an unserem Zielort und anspruchsvollen Durchschnittswerten hinsichtlich Distanz und Höhenmeter festhalten wollten, ergibt sich nun gleich am ersten Tag eine leicht abgeschwächte „Killeretappe“ mit zarten 42 km. Die übrigen Etappen bleiben dadurch unverändert bestehen und auch die Recherche nach Unterkünften gestaltet sich dadurch etwas einfacher.

Die Diskussion zwischen Haude und Fourchi dauerte übrigens vermutlich weniger lange als die benötigte Zeit, diesen Abschnitt darüber zu lesen. Das zeigt doch einmal mehr, wie ähnlich wir denken und wie harmonisch wir zusammen funktionieren ❤

In Zahlen lässt sich unser neues Vorhaben mit dem klingenden Namen „Alpenpässeweg Teil 1.2“ folgendermassen einordnen:

TrailDistanzAufstieg
Via Alpina28.5 km1700 m
Tell Trail29 km1900 m
Alpenpässeweg (Teil 1)34 km2200 m
Alpenpäasseweg (Teil 1.2)32 km2000 m

Routenplanung

Der Vollständigkeit halber zeigen wir nachfolgend wie gewohnt zuerst die Originalplanung und danach die Planung nach unserem Geschmack, welcher sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig, aber durchaus in gewissem Mass (hoffentlich) nachvollziehbar ist.

Alpenpässeweg Teil 1.2 Original
EtappeStartZielWanderzeitStreckeAufstiegAbstieg
Etappe 6SplügenTurra05.10 h14 km1050 m860 m
Etappe 7TurraVella09.15 h28 km1450 m1950 m
Etappe 8VellaVrin07.35 h21 km1500 m1300 m
Etappe 9VrinCapanna Scaletta07.00 h19 km1550 m780 m
Etappe 10Capanna ScalettaCapanna Bovarina05.00 h15 km760 m1100 m
Etappe 11Capanna BovarinaCapanna Cadagno06.20 h17 km1200 m1100 m
Etappe 12Capanna CadagnoAirolo04.00 h14 km260 m1100 m
Etappe 13AiroloCapanna Corno-Gries09.00 h26 km1950 m760 m
Etappe 14Capanna Corno-GriesRifugio Margaroli06.15 h16 km1150 m1300 m
Etappe 15Rifugio MargaroliBinn06.35 h20 km880 m1650 m
Alpenpässeweg Teil 1.2 à la Elite
ReisedatumReisetagStartZielStreckeAufstiegAbstieg Wanderzeit
Sonntag, 6. Juli 2025Tag 1SplügenVella42 km2500 m2810 m14.25 h
Montag, 7. Juli 2025Tag 2VellaVrin21 km1500 m1300 m07.35 h
Dienstag, 8. Juli 2025Tag 3VrinCapanna Bovarina34 km2310 m1880 m12.00 h
Mittwoch, 9. Juli 2025Tag 4Capanna BovarinaAirolo31 km1460 m2200 m10.20 h
Donnerstag, 10. Juli 2025Tag 5AiroloCapanna Corno-Gries26 km1950 m760 m09.00 h
Freitag, 11. Juli 2025Tag 6Capanna Corno-GriesBinn36 km2030 m2950 m12.50 h

Somit werden wir an den Tagen 2 und 5 jeweils die Originaletappe laufen. An allen übrigen Tagen haben wir jeweils zwei Tagesetappen zusammengelegt, wie wir dies auch bereits im Vorjahr geplant hatten. Die Routenplanung ist vermutlich aufgrund der letztjährigen Wanderung nicht mehr sonderlich überraschend. Man kann sich höchstens fragen, wieso die Beiden nicht weniger in ihr Tagesprogramm reinpacken und etwas zurückstecken.

Das ist eine berechtigte Frage. Für uns steckt weiterhin sehr viel sportlicher Ehrgeiz hinter diesen jährlichen Mehrtageswanderungen. Im letzten Jahr sollte es nicht sein, Fourchis Knie wollte nicht mitmachen. Da wir aber in den vorherigen Jahren bereits ähnlich anspruchsvolle Herausforderungen erfolgreich gemeistert haben, sind wir überzeugt, dass es in diesem Jahr auch wieder klappen wird und wir unser Ziel wie geplant erreichen können.

Unterkünfte

Bereits im letzten Jahr hat sich Fourchi die Mühe gemacht und bei diesen eher kleinen Zielorten nach einer passenden Unterkunft gesucht. Wir mussten aufgrund des Abbruchs alle Buchungen stornieren und können nun dieses Jahr eine Art der Wiedergutmachung leisten. Somit stand es für uns ausser Frage, nach anderen Unterkünften zu suchen.

Einzig in Splügen (neuer Startort) und in Vella (neuer Zielort nach Etappe 1 aufgrund der neuen Planung) musste sich Fourchi nach einer neuen Unterkunft umschauen.

OrtUnterkunftPreis
SplügenHotel BodenhausCHF 232.00
VellaHotel Gravas LodgeCHF 244.00
VrinCasa LeonCHF 140.00
Capanna BovarinaCapanna BovarinaCHF 164.00 (inkl. Abendessen)
AiroloHotel ForniCHF 218.00
Capanna Corno-GriesCapanna Corno-GriesCHF 168.00 (inkl. Abendessen)
BinnHotel OfenhornCHF 321.00 (inkl. Abendessen)
TotalCHF 1’255.00

Gegenüber dem Vorjahr kann man feststellen, dass die Preise teilweise etwas gestiegen sind – dies kann mehrere Gründe haben, ist für uns aber irrelevant. Auf einen Wäscheservice werden wir angesichts der kurzen Dauer von sechs Tagen verzichten.

Hingegen rechnen wir in den beiden SAC-Berghütten zudem noch mit einem kleinen Aufpreis für die Miete eines Schlafsacks und allenfalls auch für eine warme Dusche – aber da werdet ihr zu gegebener Zeit dann mehr erfahren.

Wie wir im letzten Jahr im Hotel Berghaus Piz Platta in Alp Flix oder auch im Backpackers Generoso in Ausserferrera bereits erfahren mussten, ist ein guter Internetempfang bei all unseren Destinationen nicht zwingend sichergestellt. Allenfalls müssen wir uns wieder etwas an die Umstände anpassen und in unbequemen Positionen den Blog verfassen. Aber wie immer lassen wir natürlich nichts unversucht, euch jeden Abend einen Tagesbericht zur Verfügung zu stellen.

Ausblick

Es war zu erwarten, dass Haude und Fourchi die Schande vom letzten Jahr nicht auf sich ruhen lassen werden und somit ein zweites Mal den Teil 1 des Alpenpässeweges angehen. Wir sind zudem vorsichtig optimistisch, dass dieses Jahr nicht mehr so viel Schnee in den höher gelegenen Gebieten liegen wird, wie noch letztes Jahr.

Im letzten Jahr mussten wir tatsächlich etwas Lehrgeld bezahlen (abgelegenes Terrain, haufenweise Schnee, ernsthafte Verletzungen). Es bleibt nun abzuwarten, wie gut wir dieses Jahr darauf reagieren können. Bei der Routenplanung sind wir schon mal hartnäckig beim Altbewährten geblieben getreu dem Motto: Hauptsache à la Elite.

Ebenso werden wir in diesem Jahr den restlichen Whisky vom letzten Jahr wieder einpacken. Den konnten wir ja gar nicht austrinken und das gehört sich nun wirklich nicht. Haude wirds freuen: Das Startgewicht seines Gepäcks fällt damit etwas geringer aus.

Nun denn: In ein paar Wochen dürfen wir wieder unsere Rucksäcke packen und die Herausforderung angehen. Wir freuen uns wahnsinnig auf die Abgeschiedenheit, wunderschöne Wanderwege und schwere Beine. Mehr müsste es eigentlich gar nicht sein.

Und wie bereits in den Vorjahren folgen auch hier nochmals unsere Grundsätze, welche wir in den letzten Jahren so gut wie möglich befolgt haben. Uns ist völlig klar, dass die Route ziemlich abgeschieden verläuft. Aber wir freuen uns wirklich, falls mal jemand mit uns ein Stück mitwandern möchte oder sich zu einem Abendessen mit uns trifft.

  • Wir versuchen jeden einzelnen Meter selbständig zu laufen
  • Morgens starten wir wegen sehr langen Laufzeiten lieber früh als spät, um die Erholungsphase frühzeitig einleiten zu können und auch geeignetes Netz für den Blog aufzuspüren
  • Auch Schlechtwetter hält uns nicht davon ab, die gewünschte Tagesroute in Angriff zu nehmen, ausser es wird lebensgefährlich (dieses Risiko gehen wir nicht ein)
  • In einem solchen Szenario versuchen wir um das Gewitter herum zu planen und falls die Route effektiv nicht belaufen werden kann, nehmen wir den ÖV, um zum nächsten Zielort zu gelangen (dürfte allerdings bei diesen Zielorten auch fast eine Tageschallenge sein)
  • Auf viele Pausen möchten wir verzichten; stattdessen eine kurze Mittagspause zur Verpflegung (mit Süssigkeiten) und Erholung
  • Wir werden während der Wanderung nicht die ganze Zeit miteinander sprechen – beide haben Kopfhörer dabei und können sich auf sich selber konzentrieren
  • Wir schauen aufeinander und versuchen uns immer zu motivieren, auch wenn es schwierige Momente zu überstehen geben wird

Auch in diesem Jahr freuen wir uns, wenn ihr unseren Blog und somit unsere Wanderung verfolgt. Es war in den letzten Jahren wirklich immer ein Vergnügen, eure Rückmeldungen und Kommentare zu erhalten.

Zu gegebener Zeit liefern wir euch dann gerne noch die Packliste, auch wenn es fast immer das Gleiche ist. Und anfangs Juli folgt auch schon der erste Beitrag zur Anreise nach Splügen. Bis dahin, bleibt gesund…


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