Idee
Die Schlauen unter euch haben es sicher schon erkannt, wir hängen nun doch noch ein weiteres Jahr an unsere Wandertournee – entgegen den Aussagen nach dem letztjährigen Ankommen in Sörenberg nach der Absolvierung des Tell Trails. Irgendwie ist es noch schwierig zu erklären, wieso es jetzt doch dazu gekommen ist. Aber Haude und Fourchi verspürten wohl doch die Sehnsucht nach einer grossen Wanderung im 2024.
Diesmal gingen wir total ohne Inspiration auf die Suche nach einer mehrtägigen, anspruchsvollen und hübschen Wanderung in der Schweiz (in den letzten Jahren hatten wir quasi von Ursi abgeschaut). Bei der oberflächlichen Recherche sind wir dann mal die Routen des Urner Alpenkranzes (auf Hinweis von Fourchis Arbeitskollegen Alex) und des Alpenpässeweges (nationale Route Nummer 6) gestossen. Viel präziser wurde es dann aber nicht wirklich und so begann Fourchi im Februar mit der eingehenden Analyse. Dabei zeigte sich rasch, dass die Wahl wohl auf den Alpenpässeweg fallen wird. Wieso? Der Urner Alpenkranz weist viele Etappen mit Alpinwanderwegen auf und bei unseren ambitionierten Planungen muss ein solches zusätzliches Risiko nicht sein. Für Fourchi war die Sache also klar und so entstand ein erster Entwurf für die Absolvierung des Alpenpässeweges.
Als Termin für die erste Besprechung haben wir den 6. März ausgemacht und an diesem Abend erschien Haude pünktlich und ordentlich gekleidet in Fourchis Casa. Wie gewohnt hatte Fourchi schon den Laptop mit einer groben Planung an den Fernseher angeschlossen und da konnten wir auch schon das erste Missverständnis klären: Haude erschien unter der Annahme, dass wir einen Teil des Urner Alpenkranzes absolvieren werden… Naja, besonders traurig schien Haude deswegen nicht zu sein, denn auch er hatte durchaus Bedenken wegen den teils exponierten Passagen und Alpinwanderwegen.

Also, und nun schauen wir uns mal an, was der Alpenpässeweg überhaupt ist, wie er sich zusammensetzt und welchen Teil davon wir absolvieren möchten:
- 15/43 Tagesetappen
- 275/695 Wanderkilometer
- 17’460/47’100 Höhenmeter
Aus dem Höhenprofil wird dann auch ersichtlich, dass wir uns bei dieser Route deutlich höher bewegen, als noch beim Tell Trail und auch bei der Via Alpina. Und lasst euch nicht vom flachen Profil täuschen, es sind ja doch ein paar Höhenmeter, die uns da erwarten.

Das Pässewandern ist eine eigene Disziplin mit einem eigenen Publikum. Es sind nicht die Berggänger, die den distanzierten Rundblick vom Gipfelpunkt her suchen oder die Bestätigung, den Berg «gemacht» zu haben. Es sind Wanderer, die sich von Neugierde getrieben die Pässe, Furggeln oder Bocchette hinaufwinden. Denn jedes Pässchen birgt das Geheimnis des Unbekannten auf der anderen Seite. Die Kartenangaben reichen nicht, es geht darum, mit jedem Tal eine neue Welt zu entdecken – und eine andere hinter sich zu lassen.
Im Alpenpässeweg sind viele der schönsten und eindrucksvollsten Übergänge der Bündner und Walliser Alpen in einer einzigen durchgängigen Route zusammengeführt. Das Resultat ist eine fordernde aber auch begeisternde, alpin geprägte Wandertour mit 43 Etappen. Höhepunkt reiht sich dabei an Höhepunkt, von der Greina-Hochebene bis zur Pässe- und Seenlandschaft am Fuss der Dents du Midi.
Machen wir noch einen kurzen Vergleich zu unseren beiden letztjährigen Wanderungen hinsichtlich der wichtigsten Kennzahlen. Und wir stellen fest, das ist doch nochmals eine ordentliche Schippe, welche wir uns da zusätzlich auflegen:
| Kriterium (pro Tag) | Alpenpässeweg | Tell Trail | Via Alpina |
| Distanz | 34 km | 29 km | 28.5 km |
| Aufstieg | 2200 m | 1900 m | 1700 m |
| Abstieg | 2300 m | 1900 m | 1800 m |
Terminfindung
In diesem Jahr war es gar keine grosse Sache, das Zeitfenster zu definieren. Aufgrund der Planung (Erklärung folgt dann im nächsten Abschnitt) waren 8 Tage gefordert. Da Haude und Fourchi in den letzten Jahren mit der letzten Juni- bzw. ersten Juliwoche sehr gute Erfahrungen gemacht haben, wollten sie daran festhalten. Mit Hin- und Rückreise konnte dann folgendes Wanderfenster fixiert werden:
- Freitag, 28. Juni – Anreise nach St. Moritz
- Samstag, 29. Juni – erster Wandertag
- Samstag, 6. Juli – letzter Wandertag
- Sonntag, 7. Juli – Rückreise von Binn
Alpenpässeweg
Also, hier sehen wir in übersichtlicher tabellarischer Form den Teil der Originalroute, welche Haude und Fourchi zurücklegen möchten. Es handelt sich wie bei der Via Alpina um eine nationale Route, welche wunderbar mit Wegweisern abgelaufen werden kann. Diesmal steht aber die Nummer 6 und nicht mehr die Nummer 1 auf dem Plan.
| Etappe | Start | Ziel | Wanderzeit | Strecke | Aufstieg | Abstieg |
| Etappe 1 | St. Moritz Corviglia | Jenatschhütte SAC | 04.50 h | 11 km | 950 m | 820 m |
| Etappe 2 | Jenatschhütte SAC | Sur GR, Alp Flix | 05.10 h | 14 km | 760 m | 1450 m |
| Etappe 3 | Sur GR, Alp Flix | Savognin | 06.40 h | 20 km | 900 m | 1700 m |
| Etappe 4 | Savognin | Ausserferrera | 07.35 h | 22 km | 1500 m | 1350 m |
| Etappe 5 | Ausserferrera | Splügen | 05.00 h | 12 km | 1050 m | 880 m |
| Etappe 6 | Splügen | Safien Platz, Nühus | 08.35 h | 25 km | 1450 m | 1650 m |
| Etappe 7 | Safien Platz, Nühus | Vella | 08.20 h | 23 km | 1600 m | 1700 m |
| Etappe 8 | Vella | Vrin | 07.35 h | 21 km | 1500 m | 1300 m |
| Etappe 9 | Vrin | Capanna Scaletta | 07.00 h | 19 km | 1550 m | 780 m |
| Etappe 10 | Capanna Scaletta | Capanna Bovarina | 05.00 h | 15 km | 760 m | 1100 m |
| Etappe 11 | Capanna Bovarina | Capanna Cadagno | 06.20 h | 17 km | 1200 m | 1100 m |
| Etappe 12 | Capanna Cadagno | Airolo | 04.00 h | 14 km | 260 m | 1100 m |
| Etappe 13 | Airolo | Capanna Corno-Gries | 09.00 h | 26 km | 1950 m | 760 m |
| Etappe 14 | Capanna Corno-Gries | Rifugio Margaroli | 06.15 h | 16 km | 1150 m | 1300 m |
| Etappe 15 | Rifugio Margaroli | Binn | 06.35 h | 20 km | 880 m | 1650 m |
Die Route unterscheidet sich insofern von der via Alpina und auch vom Tell Trail, dass viele der Etappen in Berghütten enden und nicht immer in einem Tal. Dies ist für Haude und Fourchi neues Terrain, aber natürlich eine tolle Herausforderung und ganz sicher auch ein tolles Erlebnis.
Alpenpässeweg à la Elite
Natürlich war das Ziel, innerhalb plus/minus einer Woche einen möglichst grossen Teil des Alpenpässewegs zurückzulegen. Fourchi hat bei der Planung aber auch darauf geachtet, einen sinnvollen Endpunkt zu finden, von welchem aus theoretisch im Folgejahr weitergelaufen werden kann. Und da in den letzten beiden Jahren fast keine Originaletappen auf dem Plan standen, bot sich die Ankunft in Binn und somit im Wallis an, wofür insgesamt 8 Wandertage nötig sind.
Um ehrlich zu sein, beim zweiten Durchlesen macht die Argumentation eigentlich immer noch keinen Sinn und es wirkt beinahe etwas überrissen, was da neu an Tagesetappen auf dem Plan steht – aber beurteilt doch das selber:
| Reisedatum | Reisetag | Start | Ziel | Länge | Aufstieg | Abstieg | Laufzeit |
| Samstag, 29. Juni 2024 | Tag 1 | St. Moritz Corviglia | Sur GR, Alp Flix | 25 km | 1710 m | 2270 m | 10.00 h |
| Sonntag, 30. Juni 2024 | Tag 2 | Sur GR, Alp Flix | Ausserferrera | 42 km | 2400 m | 3050 m | 14.15 h |
| Montag, 1. Juli 2024 | Tag 3 | Ausserferrera | Safien Platz, Nühus | 37 km | 2500 m | 2530 m | 13.35 h |
| Dienstag, 2. Juli 2024 | Tag 4 | Safien Platz, Nühus | Vrin | 44 km | 3100 m | 3000 m | 15.55 h |
| Mittwoch, 3. Juli 2024 | Tag 5 | Vrin | Capanna Bovarina | 34 km | 2310 m | 1880 m | 12.00 h |
| Donnerstag, 4. Juli 2024 | Tag 6 | Capanna Bovarina | Airolo | 31 km | 1460 m | 2200 m | 10.20 h |
| Freitag, 5. Juli 2024 | Tag 7 | Airolo | Capanna Corno-Gries | 26 km | 1950 m | 760 m | 09.00 h |
| Samstag, 6. Juli 2024 | Tag 8 | Capanna Corno-Gries | Binn | 36 km | 2030 m | 2950 m | 12.50 h |
Mit Ausnahme von Tag 7 legen wir an jedem Tag zwei Tagesetappen der originalen Route zurück. Während wir im letzten Jahr auf dem Tell Trail immer wieder auf die eine oder andere Bahn zurückgreifen konnten, wird uns diese Möglichkeit in diesem Jahr kaum zur Verfügung stehen. Die Route führt abseits von Bahnen durch wunderschöne Landschaften und so müssen wir uns jeden Tag sehr gut einteilen und beurteilen, wie wir diese grossen Distanzen und Höhenmeter Tag für Tag zurücklegen wollen und können.
Man könnte nun völlig berechtigt fragen: Was ging Fourchi durch den Kopf beim Planen dieser Route? Vielleicht könnte man aber auch fragen: Wieso um Gottes Willen hat Haude ohne zu zögern eingewilligt? Lassen wir das so stehen und gehen weiter zu den Unterkünften…
Unterkünfte
Nachdem die Auswahl der Unterkünfte im letzten Jahr deutlich gesteigert werden konnte (bei der Via Alpina war noch nicht alles ideal auf der Route), überliess Haude einmal mehr Fourchi. Und dieses Jahr war es wirklich etwas anders, weil die Zielorte nicht dermassen touristisch sind, wie dies bei den letzten zwei Wanderungen der Fall war. Zudem standen zwei SAC-Hütten auf der Liste.
Letztendlich gab es sehr wenig – faktisch gar kein – Spielraum für extravagante Bedürfnisse und so haben wir folgende Unterkünfte gebucht (häufig nur per Mail möglich):
| Ort | Unterkunft | Preis |
| St. Moritz | Hotel Salastrains | CHF 275.00 (inkl. Abendessen) |
| Sur GR, Alp Flix | Hotel Berghaus Piz Platta | CHF 360.00 (inkl. Abendessen) |
| Ausserferrera | Backpackers Generoso | CHF 136.00 |
| Safien Platz, Nühus | Gasthaus Rathaus | CHF 220.00 (inkl. Abendessen) |
| Vrin | Casa Leon | CHF 140.00 |
| Capanna Bovarina | Capanna Bovarina | CHF 142.00 (inkl. Abendessen) |
| Airolo | Hotel Forni | CHF 197.00 |
| Capanna Corno-Gries | Capanna Corno-Gries | CHF 178.00 (inkl. Abendessen) |
| Binn | Hotel Ofenhorn | CHF 321.00 (inkl. Abendessen) |
| Total | CHF 1969.00 |
Den Start macht das Hotel Salastrains in St. Moritz, welches zwar ein wenig ausserhalb vom Zentrum St. Moritz liegt, aber dafür umso näher an der Standseilbahn Chantarella-Corviglia. Und diese müssen wir am ersten Tag nehmen, um zu unserem Startort der Wanderung zu gelangen – Bravo Fourchi.
Im Gasthaus Rathaus in Safien Platz haben wir zudem eine Anfrage für einen Wäscheservice platziert und wir dürfen da freundlicherweise die Waschmaschine gegen einen kleinen Aufpreis benutzen – dann müssen wir nicht Kleider für die ganzen 8 Tage mitschleppen.
In den beiden SAC-Berghütten rechnen wir zudem noch mit einem kleinen Aufpreis für die Miete eines Schlafsacks und allenfalls auch für eine warme Dusche – aber da werdet ihr zu gegebener Zeit dann mehr erfahren.
Aufgrund der abgelegenen Unterkünfte können wir auch noch keine Garantie dafür abgeben, dass jederzeit Internetempfang vorhanden ist und der abendliche Blog veröffentlich werden kann. Aber selbstverständlich lassen wir nichts unversucht, dies irgendwie zu bewerkstelligen.
Ausblick
Haude und Fourchi gehen also tatsächlich in Runde 3… und wie. Es steht eine – auf dem Papier – wunderbare Route auf dem Plan. Wären da nicht
- sehr anstrengende Etappen – während 8 Tagen ohne Verschnaufpause
- unbekanntes Terrain ziemlich hoch in den Bergen – fast ohne Ausweichmöglichkeiten
- aktuell noch sehr viel Schnee in hohen Lagen – und da müssen wir nun mal hin
Sieht alles etwas düster aus, aber natürlich freuen wir uns wahnsinnig, dass es schon bald losgeht und wir mehr oder weniger abseits der Zivilisation unsere sportlichen Fähigkeiten und unsere sturen Köpfe ein weiteres Mal beweisen können. Mittlerweile zählen wir uns schon zu den erfahrenen Mehrtageswanderern – da kann es doch fast nicht mehr schiefgehen. Und deshalb werden wir auch dieses Jahr an denselben Grundsätzen wie in den letzten beiden Jahren festhalten (leicht angepasst an die aktuellen Gegebenheiten):
- Wir versuchen jeden einzelnen Meter selbständig zu laufen
- Kolleginnen und Kollegen dürfen auch einzelne Etappen mitlaufen, wenn sie das gerne möchten (vielleicht klappt es ja dieses Jahr tatsächlich mal – aber wir sind auch offen für gemeinsame Abendessen)
- Morgens starten wir wegen sehr langen Laufzeiten noch früher als bisher (sonst ist die Erholungsphase zu kurz und den täglichen Blog müssen wir ja auch noch zu vernünftigen Zeiten einreichen, weil es andernfalls wieder zu Beschwerden kommt)
- Auch Schlechtwetter hält uns nicht davon ab, die gewünschte Tagesroute in Angriff zu nehmen, ausser es wird lebensgefährlich (dieses Risiko gehen wir nicht ein)
- In einem solchen Szenario versuchen wir um das Gewitter herum zu planen und falls die Route effektiv nicht belaufen werden kann, nehmen wir den ÖV, um zum nächsten Zielort zu gelangen (dürfte dieses Jahr dann auch eine Challenge sein)
- Auf viele Pausen möchten wir verzichten; stattdessen eine kurze Mittagspause zur Verpflegung (mit Süssigkeiten) und Erholung
- Wir werden während der Wanderung nicht die ganze Zeit miteinander sprechen – beide haben Kopfhörer dabei und können sich auf sich selber konzentrieren
- Wir schauen aufeinander und versuchen uns immer zu motivieren, auch wenn es schwierige Momente zu überstehen geben wird
Wir freuen uns, wenn ihr auch unsere diesjährige Wanderung hautnah mitverfolgt. Wenn es losgeht, liefern wir gerne noch die Packliste nach und dann folgt natürlich schon bald der erste Beitrag zur Anreise. Bleibt gesund…

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