Eckdaten zum heutigen Tag
Originalplanung
Die Originalplanung (Strecken und Laufzeit via Bahn abgezogen) für unsere heutige Etappe bestand aus etwas mehr als einer Etappe (erste Etappe ab Brünig):
- Älggialp – Brünig – Lungern
- Distanz: 18 km
- Aufstieg: 440 m
- Abstieg: 1390 m
- Laufzeit: 06.00 h
- Lungern – Sörenberg
- Distanz: 15 km
- Aufstieg: 1170 m
- Abstieg: 480 m
- Laufzeit: 05.00 h
Unserer Planung für den gesamten Tag lagen folgende Werte zugrunde:
- Brünig – Lungern – Turren – Brienzer Rothorn – Rossweid – Sörenberg
- Distanz: 26 km
- Aufstieg: 2110 m
- Abstieg: 1840 m
- Laufzeit: 10.00 h
Link zur Übersicht des Tell Trails: 2023 – Tell Trail (6 Tage)
Unsere Ergebnisse
Anhand unserer Tracker haben wir folgende Durchschnittswerte erzielt (während der grossen Pause haben wir den Tracker gestoppt):
- Brünig – Sörenberg
- Startzeit: 09.00 Uhr
- Ankunftszeit: 15.30 Uhr
- Distanz: 20 km
- Aufstieg: 1490 m
- Abstieg: 1340 m
- Laufzeit: 06.00 h
- Anzahl Schritte: 25’000
- Tempo: 18.49 min/km
Vorinfo
Kurze Info vorneweg: Der heutige Tagesbericht wurde ergänzt um einen Rückblick auf die gesamte Tour. Deshalb müsst ihr heute wirklich viel lesen. Aber ihr könnt es euch ja auch einteilen, und zuerst nur den Tagesbericht lesen und morgen dann noch den Rest… Wie es für euch stimmt.
Tagesbericht
Hoch die Hände, Wochenende. Bei uns war noch nicht ganz diese Stimmung angesagt, aber wir hatten das Ziel definitiv vor Augen. Heute war unser letzter Tag und da das Frühstück erst ab 08.00 Uhr serviert wurde, konnten wir sogar noch etwas ausschlafen. Fourchi hätte wohl durchgeschlafen, denn er hat seinen Wecker nicht für Samstag, sondern für den nächsten Montag gestellt – Bravo. Aber Haude hatte ja auch noch einen Wecker und der klingelte kurz nach halb Acht. Und so packten wir auf engstem Raum einige unserer Sachen zusammen und gingen dann kurz vor 08.00 Uhr die Treppe hinunter zum Restaurant. Da war aber die Tür noch verschlossen und gemeinsam mit anderen Gästen warteten wir kurz eine Minute, bevor es endlich losging. Wir wurden an unsere Plätze zugewiesen und dann konnten wir unsere Bestellungen aufgeben. Das ging alles sehr zackig und schon bald war auch der müde Haude bereit für das obligatorische Frühstücksfoto – zwar etwas verschlafen, aber bereit.

Das war ein Frühstück für Champions und nach gut 30 Minuten wollten wir den Saal verlassen, als uns noch der ältere Herr hinter Haudes Rücken anhaute. Er fragte uns, wo wir heute wandern würden und so erzählten wir von unserem Weg zum Brienzer Rothorn. Er hingegen war auf dem Obwaldner Höhenweg unterwegs und würde über unsere gestrige Route bis nach Melchsee wandern. Da wünschten wir ihm viel Vergnügen und stiegen anschliessend in unser Zimmer zurück. Ein letztes Mal hiess es einschmieren, pudern, verarzten und packen. Die Schuhe waren übrigens ziemlich trocken geworden, weil Haude gestern Abend – als Fourchi schon eingeschlafen war – nochmals die Zeitungen in den Schuhen ausgetauscht hatte. Wir konnten aber beide nicht mehr unsere gestrigen Socken tragen, die waren immer noch nass. Also packten wir auch das nasse Zeugs wieder ein, Haude stieg in seinen Taucheranzug und dann konnte es losgehen. Gleich auf der anderen Strassenseite sahen wir die Wanderschilder und da gab es einen direkten Weg zum Brienzer Rothorn über 5h 30m. Da sahen wir nochmals den älteren Herrn vom Frühstück und winkten ihm zum Abschied. Für uns gab es ab diesem Moment nur eine Richtung – aufwärts.


Wirklich von 0 auf 100, ohne Schonfrist, ging es schon mal ganz schön steil bergauf. Zunächst über breite Schotterwege, dann auch immer wieder durch schöne kleine Waldpassagen und das Ganze immer schön im Zick-Zack. So konnten wir gleich zu Beginn auch noch zwei weitere Wanderer hinter uns erkennen – wir befürchteten ein Überholmanöver. Aber es ist dann anders gekommen. Mit unserer gleichbleibenden, vergleichsweise hohen Pace legten wir den ersten Kilometer rasch zurück und distanzierten auch die bedrohlichen Wanderer. Nachdem wir dann etwas über 30 Minuten ausschliesslich bergauf gestiegen sind, auch wieder teilweise durch hohe, nasse Gräser hindurch, waren folgende Dinge nass: Unsere Schuhe, unsere Rucksäcke und wir selber. Dann folgte ein kleines Stück über fast gerade Flächen.


Wie ihr an den Bildern erkennen könnt, war das Wetter ziemlich gut. Häufig kitzelte uns die Sonne im Gesicht und provozierte eine noch stärkere Ausdünstung (sorry, klingt nicht sonderlich attraktiv – aber wir müssen variabel bleiben). Irgendwie tat die Sonne unserem heutigen Taucher Haude aber nicht so gut. Als wir auf dem Schotterweg unterwegs waren, meinte er in der Ferne weiter unten eine weiss-rot-weisse Wandermarkierung zu sehen. Aber Haude war heute erstmal ohne Linsen unterwegs und so musste man das schon kritisch hinterfragen. Fourchi fand seine Erklärung aber plausibel und so stiegen wir über die rutschigen Wiesen hinunter – nur um da dann festzustellen, dass es da wohl doch nicht weitergeht und wir besser auf dem Schotterweg bleiben sollten. Also stiegen wir wieder hoch und legten ein paar unfreiwillige Höhenmeter zurück. Back on Track konnte es auch schon weitergehen – die Sache war gegessen. Es folgte jetzt nämlich wirklich ein wunderbarer Weg den Felsen entlang, welcher zwar immer wieder ein wenig anstieg, aber mit einem soliden Tempo passiert werden konnte.


Auf den Bildern ist immer wieder Nebel zu sehen und das war schon auch eindrücklich, wie schnell sich das immer wieder verändert hat. Teilweise liefen wir fast schon wieder an der prallen Sonne, nur um wenige Minuten später fast schon wieder den Vormann kaum sehen zu können, weil die Nebelsauce dermassen hartnäckig und dicht war. Was uns dadurch leider fehlte, war mal wieder das Panorama. Hin und wieder erhaschten wir einen kurzen Blick ins Tal, aber dann kam auch schon bald wieder dicker Nebel hinterher. Unserer Stimmung tat dies keinen Abbruch. Und dann hörten wir plötzlich Steine rollen. Ungefähr 100 m vor uns konnten wir wohl drei junge Steinböcke erkennen, die über die steilen Felsen gerannt und gesprungen sind. Das war mega eindrücklich, leider konnten wir das aus dieser Distanz nicht in schönen Bildern festhalten. Deshalb präsentieren wir euch stattdessen das Bild unserer ersten Pause unmittelbar nach diesem Ereignis, wir waren bis dahin gut 01.30 Stunden unterwegs.

Es ging nach dem gleichen Schema weiter: Herrliche Wanderwege, eher schmal und eng an den Felsen entlang immer weiter in Richtung Brienzer Rothorn. Übrigens hatten wir ja vor, eine Route von Haude zu befolgen. Es stellte sich aber schnell heraus, dass wir da anders unterwegs waren, weil wir uns vollkommen auf den Wegweiser verliessen. Und so kam es auch, dass wir gar nicht über Turren aufgestiegen sind, sondern über Chäseren. Für uns war das ideal, weil wir konnten die Wanderwege geniessen und der Beschilderung folgen, ohne uns gross Gedanken machen zu müssen.


Wie gesagt erhielten wir hin und wieder die Gelegenheit ins Tal sehen zu können und so doch noch den Lungerersee oder den Brienzersee aus der Höhe bestaunen zu können. Natürlich liessen wir gleich alles stehen und liegen, um das irgendwie auf Fotos festzuhalten – wir hatten ja keine Ahnung, wann wir wieder im Nebel versinken würden.


Nachdem wir dann fleissig Kilometer auf diesen herrlichen Wegen zurückgelegt hatten, stand uns mal wieder ein Aufstieg bevor. Wir waren aber ganz gut im Schwung und so stellte auch der nächste Aufstieg mit Start ab ca. 1800 m.ü.M kein grosses Problem für uns dar. Während dieser Phase bewegten wir uns grösstenteils im dichten Nebel und konnten uns somit vollumfänglich auf unsere Schritte konzentrieren. Der Boden war übrigens nicht mehr so rutschig wie noch am Vortag und so hatten wir beim Aufstieg keine Probleme, festen Halt zu finden.


Haudes Auge (ohne Linsen) entdeckte dann ein Herz in der Ferne. Fourchi sah das auch und somit war auch schon klar, dass wir beim Aufstieg jetzt die nächste Pause einlegen würden, nach gut 02.45 Stunden Wanderzeit. Da schossen wir dann wie richtige Touristen ein schönes Foto. Übrigens hatten wir bis dahin noch keine anderen Wanderer gesehen. Einzig einen Biker, welcher abwärts unterwegs war und uns beim Aufstieg auf der Höhe einer Sitzbank entgegenkam. Fourchi wollte da eigentlich eine Pause einlegen, aber der doofe Biker hielt genau da an und setzte sich auf diese Bank – Fourchi war stinksauer. Cool passierten wir den Biker, grüssten freundlich und danach musste Fourchi bei Haude Dampf ablassen, weshalb wohl dieser doofe Biker nach einer so kurzen Abfahrt schon eine Pause braucht… Naja, deshalb ging es dann eben weiter bis zum Herz.


Nach dieser kurzen Pause wollten wir auch noch die letzten paar Höhenmeter in Angriff nehmen. Kurz nachdem wir wieder losgelaufen sind, kamen uns dann tatsächlich die ersten Wanderinnen und Wanderer entgegen. Da kam es dann prompt auch zu einem kurzen Gespräch, wo wir vor unserem bevorstehenden Zieleinmarsch berichteten. Und da bekamen wir ein Kompliment, das uns besonders gut schmeckte: „Ihr gsänd aber gar ned so kabutt us“. Was will man anderes hören, wenn man schon fünf intensive Tage hinter sich hat und drei Stunden Aufstieg am aktuellen Tag? Haude und Fourchi waren sichtlich zufrieden und stiegen immer weiter und weiter. Auch Schneefelder konnten sie nicht stoppen.


Und so kam es wie es kommen musste, Haude und Fourchi erreichten dann tatsächlich das Brienzer Rothorn nach nur 03.30 Stunden ab Brünig. Beflügelt vom Wissen, dass dies die allerletzten Höhenmeter hinauf wären, stürmten sie an allen lahmen Touristen vorbei und erklimmten noch den offiziellen Gipfel auf 2350 m.ü.M. und waren somit am höchsten Punkt unserer 6-tägigen Wanderung angelangt.
Wir wollten da oben aber gar nicht zuviel Zeit verplämpern und deshalb schossen wir nur kurz ein paar Beweisfotos, dass wir auch wirklich da waren und dann ging es noch ein kleines Stück weiter zum Restaurant, wo wir dann um 12.30 Uhr auch schon unsere Mittagspause einlegen konnten.


Das Restaurant war zwar schon gut besucht, aber wir fanden problemlos einen grossen 6er-Tisch draussen an der Sonne, wo wir uns dann zufrieden hinsetzten. Haude holte im Restaurant eine Portion Pommes-Frites mit Chicken-Nuggets sowie eine 1.5l Flasche Coca Cola. Wir haben das wirklich fast hälftig unter uns aufgeteilt – irgendwie war der Appetit nach dem letzten Aufstieg doch wieder etwas grösser als auch schon in den vergangenen Tagen.

In der Zwischenzeit ist dann auch noch eine Bahn aus Brienz oben angekommen und da waren wir wirklich ein wenig geschockt. So viele Leute stiegen aus und bewegten sich in Richtung Restaurant – vorbei war es mit der Ruhe und es kam fast schon ein bisschen Hektik auf. Im nachfolgenden Bild sehen wir auf der linken Seite den wunderbaren Brienzersee – das gefällt uns sehr. Auf der rechten Seite sehen wir einen Schwarm von Touristen, die nachher das Restaurant und den Gipfel stürmen werden – das gefällt uns nicht wirklich.

Und so entschieden wir uns gegen 13.00 Uhr doch schon wieder aufzubrechen und den Abstieg nach Sörenberg in Angriff zu nehmen. Dabei haben wir uns für die Variante über Rossweid entschieden. wir erhofften uns durch die zusätzliche Schlaufe, dass das nicht allzu steil sein würde und Fourchis Knie nicht mehr so stark in Leidenschaft gezogen würden.
Okay noch ein kurzer Einschub, bevor wir uns auf den letzten Abstieg begeben. Und zwar müssen wir so ehrlich sein, dass wir auch das eine oder andere Touristenfoto geschossen haben. Man betrachte Fourchi neben der klassischen Trauffer Kuh und Haude mit dem Hogwarts Express im Hintergrund (in Wirklichkeit ist es natürlich die Brienzer Rothorn Bahn – andernfalls hätten wir unsere Wanderstöcke schon längst gegen Zauberstäbe eingetauscht).


Zurück zum Abstieg in Richtung Sörenberg. Die ersten Meter legten wir auf wunderbar angelegten Wanderwegen nahe dem Grat und teilweise auch direkt über den Grat zurück. Das Wetter wurde in dieser Phase immer schlechter und schon bald waren die Sonnenstunden gezählt und wir mussten uns fortan durch den Nebel kämpfen. Zudem durfte Haude auf der heutigen Tour eher unerwartet nochmals gegen seine Höhenangst ankämpfen, als plötzlich ein relativ schmaler Grat bevorstand – nicht allzu lange aber doch nicht ohne für Nicht-Schwindelfreie.


Aber auch hier können wir nur den Hut vor Haude ziehen, wie er das einmal mehr gemeistert hat. Und dafür wurden wir dann auch noch belohnt, weil wir hautnah diverse Steinböcke erleben durften. Haude ging nicht mehr auf sie los um an ihren Hörnern zu ziehen (ihr erinnert euch sicher), sondern zückte die Kamera und nahm unter der Regieanweisung von Fourchi eine solide Aufnahme vor.
Es ging noch ein Stück auf schönen Wegen weiter und plötzlich hörte man Fourchi lachen – das konnte ja nichts Gutes bedeuten. Haude kam herangestürmt und verstand, weshalb Fourchi lachte. Es war mal wieder an der Zeit zu kraxeln. Ihr werdet euch jetzt sagen, das sind ja alles schöne Treppentritte und da kommt man locker runter. Das Problem war nur, dass es eben nass und rutschig war und echt einmal mehr ziemlich steil.


Und es blieb eben dummerweise nicht bei den Treppen. Irgendwann waren wir wieder auf steilen Wanderwegen mit rutschiger Unterlage unterwegs und da gingen wir wieder mit einer Schippe zusätzlicher Vorsicht zu Werke. Das war wiederum sehr streng, weil der Abstieg im sehr steilen Gelände sicherlich eine Stunde andauerte. Erschwerend kam bei Fourchi hinzu, dass er bei jedem Schritt steil abwärts einen schönen Knall ins Knie erhielt und deshalb mit schmerzverzerrtem Gesicht immer weiter hinter Haude abstieg. Dieser erkundigte sich regelmässig nach Fourchis Befinden – dieses war zwar nicht berauschend, aber es musste weitergehen.
Der Beitrag ist mit dem #sturz versehen, bisher findet man dazu aber keine Informationen. Es gab also nochmals Veränderungen bei dieser Statistik. Und zwar war es Fourchi, welcher mit dem 5. Sturz die definitive Entscheidung herbeiführte. Das hätte diesmal aber auch ins Auge gehen können, weil er mit seinem linken Fuss talabwärts neben den Weg in die hohe Wiese getreten ist und dadurch zu Fall kam. Nach kurzem Fluchen und tiefem Durchatmen ging es aber weiter – alles war gut. Endstand in der Sturzstatistik: 5-2 für Fourchi (kein Grund stolz zu sein).


Haude war übrigens mit seiner Nebelbrille unterwegs, um im Nebel besser sehen zu können. Ihr habt davon noch nie gehört? Wir auch nicht – Haude wollte einfach noch etwas scharf sehen (er hatte ja die Linsen vergessen) und da setzte er nach der Mittagspause einfach seine korrigierte Sonnenbrille auf. So langsam aber sicher kämpften wir uns immer mehr der Rossweid entgegen und es gibt auch wirklich da nichts mehr gross zu berichten. Es kamen nach dem langen steilen Abstieg flächere Passagen und wir hatten sogar noch das grosse Vergnügen, dass die Kühe für uns Spalier lagen. Bisher lagen oder standen sie uns ja häufig im Weg, heute bereiteten sie uns quasi den Weg.

Dann kamen wir auch noch an einer Speedmessung vorbei, wo Haude sich mal noch kurz in einer ausserordentlich soliden Hocke präsentierte. Den Wert verraten wir an dieser Stelle nicht, denn es gab ja natürlich gar keinen. Und so bewegten wir uns durch das Skigebiet weiter talwärts…


Bevor wir aber in Sörenberg ankommen können, müssen wir noch die Rossweid passieren. Wer es nicht kennt – es sieht wirklich cool aus und gerade mit Kindern ist das sicher mal ein Ausflug wert. Auch wir sind im Herzen noch Kinder, aber wir waren auf einer Mission und so legten wir auf den gemütlichen „Sesseln“ noch eine kurze Pause ein, bevor wir dann die letzten gut 30 Minuten Marsch nach Sörenberg unter die Beine nahmen. Fourchi nutzte die Gelegenheit, um die heutige Chauffeuse Ursi zu kontaktieren und zu informieren, dass sie sich langsam in Richtung Sörenberg bewegen könne.

Ihr sehnt euch sicher das Ende herbei – taten wir auch. Es konnte ja nicht mehr so wirklich anspruchsvoll sein und sonderlich steil sah es auch nicht aus. Das war auch gut so, weil Fourchis Knie das wohl auch nicht mehr lange freiwillig mitgemacht hätten. Trotzdem möchten wir euch auch auf unseren letzten Metern von der Rossweid hinunter nach Sörenberg noch ein paar Impressionen zeigen.


Nach guten 6 Stunden Wanderzeit und rund 20 zurückgelegten Kilometern waren wir um 15.30 Uhr an unserem Ziel angekommen und hatten also auch das diesjährige Abenteuer erfolgreich beendet. Aber wir waren immer noch am Laufen, da ertönt aus der Skischule Sörenberg ein ohrenbetäubender Lärm und wir sehen ganz viele Leute mit ihren Handys filmen und uns zujubeln.
Was war da ganz genau passiert? Mittags hat Fourchi von Priska (Haudes bessere Hälfte) eine Nachricht bekommen, dass sie uns gemeinsam mit Haudes Cousine Silja einen Überraschungsempfang bereiten möchte. Fourchi hat daraufhin die Planung und die ungefähre Ankunftszeit mitgeteilt, sodass Priska und Silja alles vorbereiten konnten. Von der Rossweid gab es dann auch noch ein Update und Fourchi hat zudem seinen Live-Standort geteilt. So wussten sie ganz genau, wann wir da unten eintreffen würden. Und so kam es, dass wir von ganz vielen wichtigen Personen aus Haudes Umfeld liebevoll empfangen und gefeiert wurden. Vielen Dank an euch für alle Bemühungen und die sehr tolle Überraschung.

Auf dem anliegenden Parkplatz wurden wir dann auch sogleich mit Getränken ausgestattet und konnten gemeinsam auf den Erfolg anstossen. Wir konnten wirklich jeden Moment geniessen und standen natürlich unseren Fans mit Rede und Antwort zur Verfügung. Wenig später fuhr auch schon Ursi vor und stiess mit Neo zu uns, welcher sich wieder zackig zur Hauptattraktion entwickelte.


Natürlich haben auch Haude und Fourchi noch einen kurzen Moment gefunden, sich glücklich in die Arme zu nehmen und sich einmal mehr für ein tolles Abenteuer mit vielen wunderbaren Erinnerungen zu bedanken. Auch wir möchten uns ganz herzlich bei allen Beteiligten für das Mitfiebern, Aufmuntern, Kommentieren und einfach Dasein bedanken. Ihr habt uns unheimlich unterstützt und so können wir auch dieses Jahr einen fetten grünen Haken hinter den Tell Trail setzen.

Nach ungefähr einer Stunde gemütlichen Beisammenseins setzte langsam der Regen ein und so kam es zur Verabschiedung. Fourchi fuhr mit Ursi nach Luzern zurück, während Haude also direkt mit Priska nach Hasle dislozierte.
Zuhause sind wir beide sogleich noch auf die Waage gestanden und wir haben beide 2 kg abgenommen. Das ist deutlich weniger als noch letztes Jahr, und das ist auch gut so. Wir haben ja die Tour nicht absolviert, um abzunehmen – ist halt einfach so ein temporärer Nebeneffekt.
Und um die zwei verlorenen Kilos gleich wieder herzustellen, haben wir beide unabhängig voneinander jeweils einen Döner zum Abendessen verdrückt. Das lässt doch sehr hoffen, dass wir wieder zu alten Essgewohnheiten zurückfinden und uns schon bald nicht mehr fast ausschliesslich von Lachgummis ernähren.
Fazit
Es war die letzte Etappe unseres diesjährigen Tell Trails. Nach 6 ereignisreichen Tagen konnten wir also das Abenteuer beenden. Die letzte Etappe hätte gemäss Tell Trail Originalplanung über Lungern auf das Brienzer Rothorn geführt. Mit unserer direkten Route konnten wir den Abstieg ins Tal umgehen und wurden stattdessen mit einer wunderbaren Wanderung den Felsen entlang belohnt. Und diese Route können wir auch mit gutem Gewissen anderen Wanderfans empfehlen, auch wenn der erste und der letzte Aufstieg doch ziemlich knackig sind – ihr müsst ja nicht so hochstürmen, wie wir das gemacht haben.
Wettertechnisch sind wir heute sicher wieder gut bedient gewesen. Wir konnten mehr Sonnenstrahlen geniessen, als wir uns dies erhofft hatten und auf dem Brienzer Rothorn war wirklich herrliches Wetter. Noch ein Spürchen schöner wäre es gewesen, wenn wir nicht wieder gleich zu Beginn nasse Schuhe bekommen hätten. Aber halb so wild.
Körperlich lief heute Fourchi wegen den Knien am Limit. Insbesondere die steilen und langen Abstiege nach Sörenberg waren äusserst schmerzhaft. Glücklicherweise muss er aber ab morgen nur noch vom Bett zum Kühlschrank und aufs Sofa laufen – das liegt im Rahmen des Möglichen. Haude hingegen wirkte auch nach dem letzten Tag noch sehr frisch und klagte über keinerlei Blessuren, ausser ein paar nicht erwähnenswerten Blasen an den Füssen.
Rückblick
Fakten
Beim Rückblick möchten wir zuerst wieder mit ein paar Zahlen für die Buchhalterinnen und Buchhalter unter euch starten. Wir wussten schon von Anfang an, dass wir nicht darum herum kommen würden, die eine oder andere Strecke via Bahn oder anderen Verkehrsmitteln zurückzulegen. Trotzdem wollten wir das tunlichst auf ein Minimum beschränken, was uns auch ziemlich gut gelungen ist. Folgende Abweichungen möchten wir aber dennoch festhalten:
- Tag 1 (Altdorf – Muotatal – Stoos): Postauto bis Stoos Talstation
- Tag 2 (Stoos – Brunnen – Luzern): Bähnli zum Urmiberg und Bähnli nach Weggis, anschliessend Schiff nach Luzern (aber da läuft jetzt garantiert kein normaler Mensch noch um den Vierwaldstättersee nach Luzern)
- Tag 3 (Luzern – Stans): Zug nach Stans
- Tag 4 (Stans – Engelberg): Stanserhornbahn und direkter Weg nach Trübsee (anstatt hinunter nach Engelberg)
- Tag 6 (Brünig – Lungern – Sörenberg): Direkter Weg nach Brienzer Rothorn (anstatt hinunter nach Lungern)
Die Liste lässt uns nicht wirklich gut anstehen. An 5 von 6 Tagen sind wir quasi irgendwie abgewichen, aber das möchten wir noch relativieren. Gegenüber dem originalen Tell Trail haben wir ohnehin viel mehr mit unseren eigenen Füssen zurückgelegt als mit all den verschiedenen Bahnen. Zudem haben wir die Strecke leicht angepasst, um das Ganze in 6 anstatt 8 Tagen durchführen zu können.
Trotzdem haben wir nur dann auf ein Hilfsmittel zurückgegriffen, wenn es aufgrund der Tagesplanung nicht mehr aufgegangen wäre und wir damit den restlichen Verlauf unseres Vorhabens gefährdet hätten. Und so sind wir rückblickend mit unseren Entscheidungen zu 100% zufrieden.
Was unsere 6 Tage betrifft, so haben wir folgende zusätzliche Fakten für euch zusammengefasst, welche uns mit einigem Stolz erfüllen. Sämtliche Einsparungen haben wir rausgerechnet, womit dies effektiv unserer Leistung entspricht. Interessant ist natürlich der Vergleich mit der Via Alpina aus dem Vorjahr, auch diesen findet ihr in der nachfolgenden Tabelle.
| Kriterium | Total (Tell Trail) | Pro Tag (Tell Trail) | Pro Tag (Via Alpina) |
| Distanz | 174 km | 29 km | 28.5 km |
| Aufstieg | 11’200 m | 1900 m | 1700 m |
| Abstieg | 11’100 m | 1900 m | 1800 m |
| Laufzeit | 47.00 h | 07.45 h | 07.15 h |
| Anzahl Schritte | 220’000 | 36’700 | 36’800 |
| Tempo | 16.10 min/km | – | 15.15 min/km |
Die Werte des Tell Trails und der letztjährigen Via Alpina weisen grosse Ähnlichkeiten auf. Wir haben in diesen 6 Tagen wohl aber etwas strengere Etappen zurückgelegt, weshalb auch unser durchschnittliches Tempo etwas tiefer ausfiel. Das ist uns aber bereits beim Marschieren aufgefallen: Auf dem Tell Trail hatten wir nicht wirklich eine erholsame Etappe (ausser vielleicht die Letzte) – auf der Via Alpina gab es einzelne Tage, an denen wir nicht so viele Kilometer zurücklegen mussten und dann auch schon sehr früh jeweils am Zielort eintrafen.
Aus sportlicher Sicht sind wir mit diesen Werten aber absolut zufrieden und von den ursprünglich geplanten 200 km haben wir wirklich einen Grossteil davon in deutlich weniger Zeit als veranschlagt erfolgreich zurückgelegt (trotz teilweise schlechten Bedingungen).
Kosten
Bereits bei der Planung hatten wir einen Anhaltspunkt, was uns die Unterkünfte ungefähr kosten würden. Noch nicht enthalten war jeweils das Abendessen, welches zusätzliche Mehrkosten verursachte. Nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die entsprechenden Kosten je Zielort.
| Ort | Unterkunft | Preis | Verpflegung |
| Altdorf | Zum Schwarzen Löwen | 193.- | 60.- |
| Stoos | Stoos Lodge | 173.- | 88.- |
| Luzern | Fourchis Casa | – | – |
| Stans | Stanserhof | 210.- | 140.- |
| Engelberg | Berghotel Trübsee | 334.- | (im Preis enthalten) |
| Brünig | Gasthaus Brünig Kulm | 153.- | 76.- |
| Total | 1063.- | 364.- |
Darin enthalten sind immer auch das Frühstück sowie die jeweiligen Kurtaxen. Daraus ergibt sich ein total von etwas über 1’400 CHF für die 6 Tage. Hinzu kommen noch die Kosten für die Fahrbillete (Hin- und Rückreise sowie die einzelnen Bahnen und das Schiff). Und nicht zu vergessen sind die kleinen Kosten für die Zwischenverpflegungen und die Süssgetränke in Restaurants. Insgesamt würden wir die Kosten auf rund 1’600 CHF beziffern und somit pro Person 800 CHF. Im Verhältnis zur Via Alpina, wo wir für 12 Tage pro Person bei ca. 1750 CHF lagen war das sogar etwas günstiger, obwohl wir aus unserer Sicht über weite Linien bessere Unterkünfte hatten (bezüglich Qualität und Standort).
Verpflegung
Wie ihr unseren täglichen Berichten entnehmen konntet, haben wir bis auf das Abendessen und das Frühstück nicht wirklich viel Schlaues konsumiert. Nachfolgend eine kurze Auflistung, was uns da alles in den Sinn gekommen ist:
- 2x Pommes Frites / einmal davon mit Chicken Nuggets
- 1 Wurst-Käse-Salat
- 1 Thai-Curry
- Ca. 500 g Süssigkeiten (hauptsächlich Lachgummi)
- Ca. 6 l Süssgetränke (Grossteil Cola, aber auch viel Citro, Rivella und Apfelschorle)
- 2 Proteinriegel / 8 Ovi-Riegel
- 1 Apfel
- 2 Packungen Fishermans
Und natürlich haben wir auch wie gestern schon geschrieben den Tell Trail Whisky geleert und Haude hat die Flasche wie schon letztes Jahr auch wieder bis nach Hause getragen. Leider ging ein Glas zu Bruche, aber lieber ein Glas, als die Flasche. Es war auch schon ganz klar, wo diese Flasche hingestellt würde – in nächster Nähe zum Via Alpina Whisky in der Hall of Fame. Da kommt die Frage auf, was wohl auf der nächsten Whisky Flasche stehen wird…? Lassen wir so stehen.

Unsere Einschätzung
Der Tell Trail wird als 8-tägige Wanderung durch die Zentralschweiz beschrieben. Bei der Planung wird aber sehr häufig ein Grossteil der Höhenmeter mit Bahnen zurückgelegt, was die Wanderung aus sportlicher Hinsicht nicht sonderlich schwierig ausschauen lässt. Haude und Fourchi haben den Tell Trail entsprechend etwas aufgepeppt und auf eine 6-tägige Wanderung zusammengekürzt.
Dabei durften wir wirklich sehr viele schöne Wanderwege belaufen und Gipfel erklimmen. Man legt eine grosse Distanz zurück und bekommt sehr viele Highlights der Zentralschweiz zu sehen. Bei schönem Wetter eröffnet sich ein atemberaubendes Panorama und es bestehen vielerorts sehr schöne Möglichkeiten einzukehren.
Man kann sich auf dieser Wanderung sehr gut selbständig einteilen, welche Strecken aus eigener Kraft zurückgelegt werden und bei welchen man vielleicht lieber auf eine Bahn zurückgreift. Somit bietet der Tell Trail quasi das gesamte Spektrum von totaler sportlicher Herausforderung (da waren wir sicher nahe dran) bis zu einer schönen lockeren Mehrtageswanderung (da sollte man dann aber schon schönes Wetter haben).
Das absolute Highlight für uns war die Etappe von Stans nach Engelberg, als wir den neuen Wanderweg über den Storeggpass begehen durften. Dabei blieb uns natürlich insbesondere die beeindruckende Felspassage Wagenleis im Gedächtnis. Sicherlich hatten wir hin und wieder etwas Pech mit dem Nebel – so wäre die Gratwanderung von Klingenstock zum Fronalpstock ein wahrer Leckerbissen. Aber insgesamt zogen wir nur einen einzigen Regentag ein und mussten wetterbedingt auch nichts kürzen.
Lessons Learned
Aus unserem letztjährigen Abenteuer mit der Via Alpina hatten wir natürlich die eine oder andere Lesson Learned festgehalten. Damals mussten wir das auf die harte Tour lernen, aber das hat offensichtlich wirklich auch gut gewirkt.
Der Rucksack war für uns während der ganzen Tour nie ein Thema. Wir hatten alle unnötigen Sachen zuhause gelassen und konnten jederzeit gut mit dem Gewicht auf dem Rücken umgehen. Dies sicherlich auch, weil wir von Anfang an mit Wanderstöcken unterwegs waren und diese auch fast ständig im Einsatz hatten.
Blasen waren auf dieser Tour auch kein grosses Thema. Nach der ersten Etappe gab es erste Anzeichen, welche wir gleich präventiv mit Pflastern beklebt haben. Dieses Jahr hatten wir auch wirklich mehr als genug Pflaster mit dabei und hätten damit wohl eine ganze Wandergruppe versorgen können.
Was uns jetzt dieses Jahr etwas mehr aufgefallen ist, ist die Wichtigkeit der Routenplanung. Bei der Via Alpina handelt es sich um einen Weg, welcher meistens sehr gut signalisiert ist und man auch auf viele Erfahrungswerte zurückgreifen kann. Beim Tell Trail war das nicht ganz so einfach und wir mussten jeweils unsere Zwischenziele kennen, um die Route gemäss Planung absolvieren zu können. Dies haben wir zwar gemacht, aber wir hätten sicher noch etwas mehr Zeit investieren können. Dann hätten wir vielleicht auch frühzeitig gemerkt, dass wir bei einigen Etappen gar keine Chance gehabt hätten, diese innert angemessener Zeit zurückzulegen.
Ausblick und Abschluss
Vor etwas mehr als einem Jahr waren Haude und Fourchi stolze Träger des Titels „Noch keine Mehrtageswanderung absolviert“. Ein Jahr später haben wir in 12 Tagen die 20-Etappen Via Alpina absolviert und jetzt auch noch in 6 Tagen den 8-Etappen Tell Trail. So langsam aber sicher werden wir zu routinierten Mehrtageswanderern.
Im letzten Jahr haben wir aber auch noch gesagt „Es ist übrigens nicht unsere Absicht, dass wir ein ähnliches Vorhaben nochmals anreissen„. Dinge ändern sich und somit hattet ihr das Glück, auch dieses Jahr wieder unser Abenteuer hautnah mitzuerleben. Natürlich steigen jetzt die Erwartungen, aber wir wollen euch da keine Hoffnung machen.
Unmittelbar nach der Wanderung ist die Motivation sehr gering, über eine nächste sportliche Herausforderung zu sprechen. Deshalb wollen wir da auch gar nichts mehr weiter dazu sagen und tappen gemeinsam mit euch im Dunkeln, um irgendwann nächstes Jahr herauszufinden, was passiert.
Wir blicken aber auf jeden Fall wieder auf eine sehr tolle Woche mit wahnsinnig vielen schönen Eindrücken zurück. Und es war uns immer eine Freude mit euch in Kontakt zu treten und von euch zu hören.
Vielen Dank und bleibt gesund!
Haude & Fourchi

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