Eckdaten zum heutigen Tag
Originalplanung
Die Originalplanung für unsere heutige Etappe bestand aus einer Etappe:
- Lauterbrunnen – Griesalp
- Distanz: 22 km
- Aufstieg: 2000 m
- Abstieg: 1400 m
- Laufzeit: 09.00 h
Unsere Ergebnisse
Anhand unserer Tracker haben wir folgende Durchschnittswerte erzielt (während der grossen Pause haben wir den Tracker gestoppt):
- Mürren – Griesalp
- Startzeit: 09.00 Uhr
- Ankunftszeit: 14.45 Uhr
- Distanz: 17 km
- Aufstieg: 1300 m
- Abstieg: 1300 m
- Laufzeit: 05.15 h
- Anzahl Schritte: 22’700
- Tempo: 18.32 min/km
Tagesbericht
Um 07.00 Uhr haben unsere Wecker geklingelt und als erstes folgte die Frage nach der Qualität der letzten Nacht. Wir haben sehr eng beisammen geschlafen, weil das Bett knapp 1.40 m breit war. Und wir mussten uns erstmals eine Decke teilen. Aber das war alles überhaupt kein Problem, wir hatten gut geschlafen und fühlten uns nach dieser echt harten Etappe relativ gut erholt. Auch Fourchis Fuss hat nicht mehr derart stark geschmerzt und den kompletten Schlaf geraubt. Wir trafen erste Vorbereitungen und gingen dann zum Frühstück, welches uns einmal mehr überwältigte. Das ist wirklich etwas, woran wir uns gewöhnen könnten. Eine echt tolle Auswahl im Chalet Rosa und dazu bekamen wir dann auch noch Scrambled Eggs (Rührei) serviert.
Kurze Zeit später gingen wir zurück ins Zimmer. Wir putzten uns die Zähne, Haude puderte sein Füdli und wir packten unsere Rucksäcke. Fourchi seinerseits verzichtete heute auf eine Bandage am Fuss und auch vom mindernden Vorrat der Schmerztabletten liess er seine Finger. Der Fuss schmerzte zwar weiterhin bei jedem Schritt, aber er wollte es mal auf diese Art versuchen.
Ungefähr um 08.00 Uhr verliessen wir dann das Hotel und begaben uns wie geplant zur Luftseilbahn. Im Dorf Lauterbrunnen war es still und es gab keine Spur von den zahlreichen Touristen, welche wir gestern noch auf der Strasse haben ertragen müssen. Das rückte auch Lauterbrunnen in ein anderes Licht, es ist wirklich auch schön hier. Das Wetter war übrigens besonders prächtig. Strahlender Sonnenschein und keine Wolke am Himmel zu sehen.

Bei der Luftseilbahn angekommen lösten wir unser Ticket in die Grütschalp und waren glücklicherweise genügend früh da, um dann in der grossen Gondel (Platz für ca. 100 Personen) noch einen der wenigen Sitzplätze im Ecken zu ergattern. Die Gondel füllte sich dann ziemlich rasch und wir konnten dem einen oder anderen Gespräch lauschen. Da war beispielsweise ein Nordamerikaner, welcher zu seinem Freund sagte, dass man in der Schweiz nich wandern, sondern spazieren geht. Okay… Wir hingegen dachten an unsere Fahrt mit der Brüstibahn zurück und wie schön das doch war mit viel weniger Menschen.
Die Fahrt mit der Bahn dauerte dann nur knapp 5 Minuten und schon hatten wir um die 600 Höhenmeter zurückgelegt. Schon faszinierend wenn wir uns überlegten, wie viel Schweiss und Kraft und das gekostet hätte. Oben angekommen mussten wir dann direkt umsteigen in einen kleinen Wagon, welcher uns von der Grütschalp nach Mürren führen sollte. So kamen wir wieder auf die Route der Via Alpina zurück. Der Wagon war natürlich wiederum gut gefüllt und da hatten wir jetzt zunächst nur einen Stehplatz. Beim ersten Zwischenhalt kam dann Bewegung ins Spiel und einige Passagiere verliessen den Zug. Eine Asiatin versuchte derweil bei Fourchi in Erfahrung zu bringen, ob sie nach Mürren aussteigen müsse. Nach langem Hin und Her (wir behaupten, es lag nicht an Fourchis Englisch) blieb sie dann sitzen und kam dann wie gewünscht nach Mürren. Hier möchten wir mal kurz zeigen, was Fourchi von den vielen Menschen um ihn herum hielt.

Haude ist zwar auf dem Bild nicht zu sehen, aber er sah ziemlich ähnlich aus der Wäsche. Jedenfalls sind wir dann um 09.00 Uhr in Mürren angekommen und konnten uns langsam aber sicher von den vielen Menschen lösen. Zuerst durchquerten wir noch ganze Dorf, welches auf uns auch sehr schön wirkte und auf jeden Fall einen Besuch wert wäre. Danach ging es langsam bergauf und da merkte man schon, wie wir viele Menschen überholen und dann hinter uns lassen konnten. Irgendwann sind wir dann wieder in unserer „gewohnten“ Umgebung angekommen und konnten grossen Schrittes Kurs Richtung Sefinenfurgge nehmen.
Auf unserer Strecke Richtung Sefinenfurgge mussten wir dann ziemlich bald einmal den ersten happigen Aufstieg bewältigen. Der war wirklich schweisstreibend, an der prallen Sonne und sehr steil. Wir schlugen ein etwas dezenteres Tempo an als auch schon, aber zogen alles ohne Pause durch, bis wir nach ungefähr einer Stunde die erste Anhöhe erreicht hatten und schon mal erleichtert zu Bank fielen (man glaubt es kaum, aber wir fanden da tatsächlich eine Bank vor). Haude hatte bei diesem Aufstieg mit einem „sturmen Kopf“ zu kämpfen und musste sich oben angekommen zuerst mal wieder sammeln. Dabei halfen ihm seine Fähigkeiten als Schmetterlingsflüsterer und so platzierte sich ein kleiner Schmetterling völlig freiwillig und über eine längere Zeit auf seiner Hand.

Nach dieser kurzen Pause und dem Austausch mit dem Schmetterling ging es Haude dann auch schon wieder besser und wir nahmen die nächsten Kilometer unter die Füsse. Es war einfach herrlich, welche Bergwelt wir da erleben durften. Das pure Gegenteil zur gestrigen Etappe. Und so zogen wir von dannen, immer wieder ein bisschen hoch und ein bisschen runter, bis irgendwann einmal die Rotstockhütte vor unseren Augen erschien. Das war für uns der perfekte Platz für eine weitere Pause, wo wir uns mit einem Citro (Fourchi) und einem Rivella (Haude) aufpeppelten.


Nach einer Viertelstunde Erholung und einem frischen gezuckerten Getränk im Magen nahmen wir den weiteren Anstieg in Angriff. Nach einer kurzen Anlaufphase wurde es immer steiler und man konnte so langsam aber sicher erahnen, wo die Passhöhe liegen wird und welch ein weiter Weg bis dahin noch vor uns liegt.

Davon liessen wir uns aber nicht beirren und wir stiegen in einem regelmässigen Tempo immer weiter hoch, bis wir dann tatsächlich das erste Mal Platz machen mussten, um uns überholen zu lassen. Bis zu diesem Zeitpunkt war das noch nie der Fall, sondern immer nur auf die andere Seite (wir überholten andere). Aber es gibt keinen Grund zur Sorge, das war nämlich ein Trailrunner mit seinem sexy kleinen Rucksäckli. Wir liessen ihn also passieren und bahnten uns weiter unseren Weg hinauf zur Sefinenfurgge.
Auf dem Weg dahin legten wir noch eine kleine Pause ein, wo beinahe ein Malheur passiert wäre. Als wir wieder loslaufen wollten und nach unseren Rucksäcken griffen, ist bei Haude der Bidon rausgefallen und drohte weit hinunterzurollen. Aber glücklicherweise stoppte er selbständig nach wenigen Metern und so konnte Haude den Bidon kurz beschimpfen, dass er das nicht nochmals machen sollte und dann hat er ihn liebevoll in seinen Rucksack zurückgesteckt.
Zum Abschluss des Aufstiegs warteten dann noch ein paar nette Treppen auf uns, welche wir mit übersäuerten Beinen besteigen durften. Fourchi schickte Haude voraus, damit dieser noch ein Foto schiessen kann, wie er sich da hochquält. Und dann war es nach 03.15 Stunden geschafft, Sefinenfurgge auf 2612 m.ü.M war erreicht.

Hier legten wir jetzt unsere Mittagspause von 30 Minuten ein und konnten so dem einen oder anderen armen Tropf zuschauen, wie er bzw. sie völlig entkräftet die letzten Treppenstufen erklimmt. Manchmal blieb auch noch etwas Energie übrig, um auf Französisch zu fluchen. Es war schon amüsant und wir konnten und prächtig erholen. Zudem hatten wir ja auch immer noch diesen herrlichen Ausblick und an dieser Stelle möchten wir euch eine kleine Galerie von Aufnahmen zeigen, die wir während dem Aufstieg ab Mürren gemacht haben.









Also waren wir oben, jetzt mussten wir wieder runter. Und wie ging es wohl weiter? Klar, wir durften nochmals Treppensteigen, aber diesmal abwärts (dann heisst es wohl nicht mehr Treppensteigen, aber ihr wisst ja sicher, was wir meinen). Das war irgendwie schon ganz schön streng und nach den Treppen folgten riesige Schiefer- und Geröllfelder, welche unsere müden Beine nochmals ordentlich strapazierten. Der Abstieg war unangenehm und man musste stets den Kopf bei der Sache haben, um in diesem steilen Gelände nicht plötzlich schneller unten zu landen, als einem lieb ist.


Wir kamen beide wohlbehalten runter und danach folgten etwas breitere steinige Wege, um auch noch die weiteren Höhenmeter bis auf die Griesalp hinuntersteigen zu können. Unsere Körper waren aber wirklich immer wieder am Limit und so half es uns extrem, dass wir zu zweit unterwegs waren. Einem von uns geht es immer noch ein Spürchen besser und indem dieser voranschreitet, kann er den schwächelnden Part mitziehen. Aber es ist klar, nach der gestrigen Etappe hatten wir heute wirklich sehr mit den Kräften zu kämpfen.
Vermutlich ist es nicht den schwindenden Kräften geschuldet, dass wir danach schätzungsweise 4-Mal eine Aneinanderreihung von Häusern als Griesalp zu erkennen glaubten. Aber das war wohl nur Wunschdenken und so marschierten wir immer und immer weiter. Es ging dann doch noch den einen oder anderen Kilometer weiter, und noch immer war die Griesalp nicht zu sehen (nein auch nicht auf dem Bild wo Fourchi wohl davon träumte).


Aber als wir hier am Fluss entlang leicht aufwärts liefen, hatten wir auf der rechten Seite die einzig wahre Griesalp entdeckt. Und so trafen wir nach 05.15 Stunden Wanderzeit kurz vor 15.00 Uhr an unserem heutigen Zielort ein, wo wir umgehend die Rezeption der Griesalp Hotels aufsuchten, um einzuchecken. Das klappte nach kurzen Startschwierigkeiten ganz hervorragend und wir konnten auch gleich noch regeln, dass wir die Wäsche gewaschen erhalten. Also haben wir uns kurz in unser Zimmer verkrochen und dann unsere Wäschesäcke gebracht. Und es ist schon unglaublich, dass wir wenige Stunden später einen Korb mit unseren Kleidern fein säuberlich zusammengefaltet vorfanden. Wow, echt toller Service. Wir werden dann morgen beim Auschecken herausfinden, was uns das gekostet hat, aber wir sind auf jeden Fall sehr zufrieden.

Aufgrund des Kommentars zum gestrigen Beitrag von Phil (Vielen Dank!) haben wir uns dann spontan auch noch dazu entschieden, die Sauna in dieser Unterkunft aufzusuchen. Also schlüpften wir kurzerhand in die weissen Bademäntel und flanierten quer über den Platz vor dem Hotel, wo uns viele Leute mit einem Lächeln betrachteten. Nach wenigen Minuten haben wir dann auch schon die Sauna erreicht, und diese hatten wir ganz für uns alleine (naja, es war ja draussen auch gefühlt schon Saunawetter).

In der Sauna schwitzten wir dann gut 20 Minuten vor uns hin und fühlten uns dabei total entspannt. Am heutigen Tag hatten wir nämlich bei den Aufstiegen wirklich ähnlich geschwitzt, aber das war natürlich nicht so angenehm wie in der Sauna. Nach einer kurzen Dusche legten wir uns noch kurz zum Entspannen hin und nahmen dann den Rückweg über den Platz vor dem Hotel in Angriff. Da hörten wir dann ein kleines Mädchen seine Mutter fragen: „Was trägt der für ein weisses Kleid?“. Es war schon amüsant und wir wurden wieder von allen Seiten unter die Lupe genommen. Aber das passte so für uns und wir verschwanden im Zimmer für die weitere Erholungsphase.
Vor dem Abendessen nahmen wir uns noch kurz Zeit, zwei Fotos von den Griesalp Hotels zu schiessen. Es ist wirklich ganz wunderbar hier und wir könnten uns beide vorstellen, hier auch noch ein weiteres Mal aufzutauchen und dann das Wellnessangebot noch etwas mehr auszukosten. Übrigens gibt es hier oben in der Griesalp kein Netz. Wir haben aber einen Zugriff zum WLAN erhalten und so konnten wir unsere Liebsten über Whatsapp doch noch anrufen. Jedoch reicht der Empfang dummerweise nicht bis in unser Zimmer und deshalb entstand der heutige Blog im Kinderspielzimmer des Hotels, auf einem Sitzsack sitzend und die Füsse auf einem grossen Plüscheisbären hochgelagert.


Zurück zum Abendessen: Da gab es auch wieder nichts auszusetzen. Nach einer Blumenkohlsuppe zur Vorspeise entschied sich Haude für einen gemischten Braten mit Pommes und Marktgemüse, während sich Fourchi ein weiteres Mal auf einen Fitnessteller mit Pouletbrust stürzte. Natürlich hatten wir beide grossen Hunger, da wir gestern Abend nur ein Schnitzelbrot und heute praktisch nichts gegessen haben.

Da wir heute etwas früher dran waren mit dem Abendessen, haben wir noch etwas mehr Zeit unsere Füsse weiter hochzulagern und möglichst viele weitere Kräfte für die letzten 4 Tage zu mobilisieren.
Fazit
Heute stand eine vergleichsweise leichte Etappe auf dem Programm, wenn man sich die Distanz anschaut. Zudem haben wir uns noch für eine Luftseilbahn und eine kurze Zugfahrt entschieden, um einige dieser Kilometer noch einzusparen. Trotz allem können wir also sagen, dass es eine harte Etappe war. Es war heiss und unsere Körper waren angeschlagen.
Umso schöner war es dann für uns, als wir uns erstmals wirklich ausgiebig erholen (inkl. Sauna) und somit Kräfte sammeln konnten für die noch ausstehenden 4 Tage.
Die heutige Etappe war wirklich ein Traum und zählt zu den schönsten auf der gesamten Via Alpina. Okay, der Start in Lauterbrunnen – diesem internationalen Ort und somit Reiseziel vieler Touristen – war harzig und wir sind immer noch nicht ganz warm geworden damit. Aber was danach mit dem Aufstieg zur Sefinenfurgge folgte, ist schlichtweg grossartig. Körperlich wird man gefordert und am Ende kommt man in der Griesalp an, wo sich eine verhältnismässig grosse Hotelanlage eröffnet. Und dann geht es ja morgen auch noch in ähnlichem Stile weiter…
Ausblick
Morgen wird es ab 07.30 Uhr Frühstück geben und da werden wir möglichst pünktlich erscheinen, damit wir frühzeitig die morgige Etappe mit Zielort in Kandersteg in Angriff nehmen können. Es ist dann Sonntag, schönes Wetter und entsprechend viele Leute werden unterwegs sein. Uns steht morgen aber mit dem Hohtürli und der Blüemlisalphütte das Highlight der Via Alpina schlechthin bevor. Dabei werden wir dann auch den höchsten Punkt unserer Wanderung erreichen, aber dafür müssen wir erneut viel Höhe gewinnen und natürlich auch Treppensteigen.
Wir hoffen auf gute Erholung, frische Beine und wenig Schmerzen am morgigen Tag, um eine wunderbare Etappe geniessen zu können.

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