Eckdaten zum heutigen Tag
Originalplanung
Die Originalplanung für unsere heutige Etappe bestand aus zwei Etappen:
- Engelberg – Engstlenalp
- Distanz: 12 km
- Aufstieg: 1300 m
- Abstieg: 440 m
- Laufzeit: 05.00 h
- Engstlenalp – Meiringen
- Distanz: 22 km
- Aufstieg: 740 m
- Abstieg: 2000 m
- Laufzeit: 07.00 h
Unsere Ergebnisse
Anhand unserer Tracker haben wir folgende Durchschnittswerte erzielt (während der grossen Pause haben wir den Tracker gestoppt):
- Trübsee – Engstlenalp
- Startzeit: 08.45 Uhr
- Ankunftszeit: 10.30 Uhr
- Distanz: 6.5 km
- Aufstieg: 450 m
- Abstieg: 380 m
- Laufzeit: 01.45 h
- Anzahl Schritte: 10’000
- Tempo: 15.44 min/km
- Engstlenalp – Meiringen
- Startzeit: 10.45 Uhr
- Ankunftszeit: 16.15 Uhr
- Distanz: 22 km
- Aufstieg: 700 m
- Abstieg: 1900 m
- Laufzeit: 04.30 h
- Anzahl Schritte: 27’400
- Tempo: 12.46 min/km
Tagesbericht
Da wir bereits gestern wussten, dass wir heute direkt bei unserer Unterkunft das Bähnli auf den Trübsee avisieren werden, konnten wir heute auch etwas später aufstehen. Um 07.00 Uhr kam langsam Bewegung auf und wir setzten uns zuerst an den Frühstückstisch. Haude war nicht wirklich nach Frühstück, sein Appetit hielt sich in Grenzen. Er hat auch nicht wirklich gut geschlafen, sondern fühlte sich etwas fiebrig. Aber Haude hat die heutige Etappe nie in Frage gestellt. Fourchi war zwar ganz eifrig am Frühstücken, um seinen Energietank aufzufüllen. Aber auch er hatte nicht gut geschlafen, sondern verspürte jetzt auch nachts die stechenden Schmerzen im Fuss.
Egal, wir begannen nach dem Frühstück mit unseren üblichen morgendlichen Routinen, packten zusätzlich die frisch gewaschene Wäsche wieder sorgfältig ein, legten unsere Medical Session ein, um die vorhandenen Blessuren irgendwie zu versorgen (Dr. Haude erweist weiterhin einen Bärendienst und versorgt Fourchis Fuss tadellos). Neu war heute, dass Haude am Rücken über der Po-Ritze (sorry für den Ausdruck, da fiel uns nichts Schlaueres ein) etwas wund war und er führte dies auf den Rucksack zurück. Versorgt hat Haude dies mit Fusspuder (ist ja fast wie Babypuder) und einem Blasenpflaster. Übrigens haben heute sowohl Haude als auch Fourchi nach dem Frühstück eine Schmerztablette eingeworfen, um die heutigen Strapazen irgendwie zu ertragen.
Danach haben wir auf einem Tisch noch einiges von unserem bisher mitgetragenen Material deponiert, weil wir der Meinung waren, dieses für den weiteren Verlauf nicht mehr zu benötigen.
Haude
- Handschuhe / Mütze
- Parfüm
- Dose Nässestop
- Thermoshirt
- Stirnlampe
- T-Shirt
Fourchi
- Powerbank
- Turnschuhe
- Rasierapparat
- 2 Paar Socken
- Lange Trainerhosen
- Sonnenbrille
Dieses Material würde Fourchis Schwester dann heute noch abholen und mit nach Hause nehmen. Weil sie auch sonst noch das übrig gebliebene Essen abholen würde, räumten wir noch den Müll zusammen und versuchten alles möglichst sauber zu hinterlassen. Fourchis Schwester hat dann im Verlauf des Tages auch noch eine Sprachnachricht hinterlassen und unsere Vorarbeiten gelobt. Wir möchten uns aber nochmals herzlich bei Fourchis Schwester bedanken, das hat uns wirklich sehr geholfen.
Gut, das war jetzt schon sehr viel Info zu den Vorbereitungen. Aber wir hatten auch schon vorher geplant, dass wir in Engelberg genau diese Dinge so abwickeln möchten. Wir haben dann kurz vor 08.30 Uhr die Ferienwohnung verlassen, den Bach überquert und da waren wir schon bei den Titlisbahnen, wo wir eine Schulklasse und eine Touristengruppe aus Indien antrafen. Noch kurz ein Ticket für die einfache Fahrt zum Trübsee gelöst und dann begaben wir uns zu den Gondeln, wo wir unmittelbar hinter der Schulklasse anschliessen konnten.
Was früher für uns eine Katastrophe gewesen wäre, wussten wir jetzt plötzlich zu schätzen: Wir durften eine Gondel mit der schwedischen Flagge (das wussten wir schon immer zu schätzen) und zwei Lehrpersonen betreten und hatten keine anderen Schüler mit in der Gondel. Natürlich kamen wir rasch auf das heutige Programm zu sprechen und sie schauten ziemlich blöd aus den Socken, als wir ihnen erzählten, woher wir kamen und woher wir noch wollten. Sie hätten gestern schon ihre liebe Mühe gehabt, mit den Schülern 600 Höhenmeter auf das Brunni zu erklimmen.
Im Gespräch hat sich dann herausgestellt, dass sie sich im Klassenlager mit insgesamt drei Sekundarklassen befanden und heute noch ein Ausflug auf den Titlis auf dem Programm stand (natürlich alles mit den Gondeln, nach dem strengen Trip vom Vortag). Und heute Abend wäre dann der Abschlussabend und die Schülerinnen und Schüler haben sich – wie hätte es auch anders sein können – einen Discoabend gewünscht. An dieser Stelle möchten wir den Jungs der Sekundarklassen viel Mut wünschen und hoffen, dass sie aus ihren Ecken auf den Dancefloor hervorkriechen und ähnlich stilsicher wie Haude tanzen (seine Tanzeinlagen sind phänomenal).
Um 08.45 Uhr verabschiedeten wir uns dann aus der Gondel und wir passierten den Trübsee, um anschliessend mit dem Aufstieg zum Jochpass loszulegen. Und wie… Nach nur 45 Minuten waren wir bereits oben auf dem Jochpass, weil wir keine Pause eingelegt und ein sehr ordentliches Tempo angeschlagen haben. Die Sonne strahlte uns während des gesamten Anstiegs entgegen und so waren wir einmal mehr oben angekommen pflotschnass, aber das war für uns okay.

Eine kurze Pause auf der Passhöhe lag dann auch noch drin (Haude war schon wieder als Erster oben) und so stand dann noch der Abstieg in die Engstlenalp vor uns. Dabei konnten wir einmal mehr auf eine herrliche Kulisse blicken und mit dem Engstlensee bekamen wir bereits den zweiten See des Tages zu sehen.

Ohne erwähnenswerte Zwischenfälle oder Ereignisse erreichten wir dann nach insgesamt 01.45 Stunden Wanderzeit unser erstes Etappenziel beim Hotel Engstlenalp. Es ist schon klar, dass wir uns heute mit der Bahn auf den Trübsee einiges gespart haben, nämlich knapp 5 km der heutigen Laufstrecke, rund 700 Höhenmeter und schätzungsweise 2 Stunden der Laufzeit. Aber trotzdem waren wir dann schon sehr zackig unterwegs. Während einer weiteren kurzen Pause wurden wir dann von zwei Trailrunnern überholt und wir waren schon etwas neidisch auf ihre lässig kleinen Rucksäcke. Sie waren dann auch leider etwas zu schnell für uns und so trafen wir sie am heutigen Tag nicht mehr an.
Diese kurze Pause nutzte Haude übrigens dazu, seinen Tätigkeiten als Influencer nachzukommen. Gestern hat er auf Instagram spontan ein Gewinnspiel veranstaltet und heute wurden dann die glücklichen Gewinner von der Glücksfee Fourchi ermittelt. Den drei glücklichen Gewinnerinnen und und Gewinnern gratulieren wir herzlich zum Gewinn einer Postkarte von Fourchis und Haudes Via Alpina Abenteuer.
Genug gepläuschelt, jetzt gehts wieder an die Arbeit. Uns stand ja dann ab 10.45 Uhr noch eine ganze Etappe bevor, welche gemäss Angaben rund 7 Stunden dauern würde. Also verloren wir keine weitere Zeit mehr und wanderten weiter in Richtung Tannalp. Es ging ständig etwas bergauf, nachdem wir ja zuvor vom Jochpass schon wieder auf die Engstlenalp abgestiegen waren… Dieses ständige Auf und Ab immer… Jedenfalls konnten wir beobachten, wie sich das Wetter langsam verschlechterte. Bevor es aber umschlug, konnten wir mit dem Tannalpsee schon den dritten prächtigen See bestaunen und auch hier konnten wir noch den einen oder anderen Fischer am Ufer entdecken.

Man sieht es schon auf dem Bild, die Stimmung wurde düster… Und so dauerte es dann auch nicht mehr lange, bis wir die ersten Regentropfen spürten und dann ging es auch relativ schnell und es begann so richtig stark zu regnen mit einem unangenehm kräftigen und kühlen Wind. Bei einer kurzen Pause packten wir uns in unsere Regenjacke ein und auch unserem Rucksack gönnten wir eine Hülle.

Danach ging es bei diesem stürmischen Wetter immer weiter in Richtung des Zwischenziels Planplatten, wobei der Regen nach ungefähr 15 Minuten wieder abnahm und so konnten wir zumindest die Kapuze wieder runternehmen. Der Wind blieb jedoch kräftig und bissig und das war beim anstehenden Gratweg über die Balmeregg nicht immer sonderlich angenehm. Wenigstens gab es aber keinerlei Gewitter und so kämpften wir uns immer weiter durch, bis wir dann auch wieder auf Sonnenschein stiessen. Dazwischen konnten wir noch den vierten See der heutigen Wanderung, nämlich den Melchsee, bestaunen.


Nach gut 02.15 Stunden Wanderzeit ab der Engstlenalp erreichten wir dann Planplatten, wo wir gleich eine längere Mittagsrast im Restaurant einlegten. Bis dahin hatten wir keine Verschnaufpause und deshalb fiel die Mittagspause entsprechend länger aus. Haude genehmigte sich einen kleinen Teller mit Pommes und vier Chicken Nuggets, um das versäumte Frühstück wieder nachzuholen. Aber Haude machte noch immer nicht einen sehr gesunden und fitten Eindruck. Fourchi entschied sich für ein kleines Glace und ein Mars, um seinen Energievorrat wieder aufzufrischen. Nach der Mittagspause hätten wir es uns einfacher machen und ins Gondeli einsteigen können, welches uns die bevorstehenden Höhenmeter ersparen würde. Haude konnte aber Fourchi in letzter Sekunde noch vom Einsteigen abhalten.

Uns standen noch knapp 1700 Höhenmeter Abstieg verteilt auf eine Distanz von über 11 Kilometern bevor. Also wollten wir keine Zeit verlieren und stürzten uns ins Abenteuer. Aber heute war etwas anders: Fourchi und Haude bedienten sich beide ihrer Airpods und versuchten mit Filmmusik und Disneymusik Playlists die Beschwerden auszublenden und einfach diesen Berg herunterzusteigen. Und man kann wohl schon sagen, dass dies auch zum erwünschten Ergebnis geführt hat.

Zwischenzeitlich waren wir sogar im Stile von Trailrunnern unterwegs und sind teilweise längere Abschnitte im Laufschritt „heruntergerannt“. Aber natürlich mit einem leicht grösseren Rucksack auf dem Rücken, als dies bei Trailrunnern üblich ist. Aber auf diese Weise waren wir so schnell, dass wir sogar noch ein wenig vom Muggenstutz erkundigen konnten. Und wir können mit Sicherheit sagen, dass Haude als Zwerg ungeeignet ist (auf die Gründe gehen wir nicht ein, stellen aber ein Bild zur Verfügung).

In grossen Schritten näherten wir uns Meiringen, wo wir ein Hotel genau auf der Route gebucht haben (Bravo Fourchi). Aber die letzten Meter zogen sich wirklich nochmals hin. Die Füsse schmerzten, die Waden und Oberschenkel brannten und man wollte sich einfach nur noch hinsetzen und mit der Erholung loslegen. Und dann nach gut 04.30 Stunden Laufzeit ab der Engstlenalp trafen wir in Meiringen ein und konnten sogleich zum wunderbar gelegenen Hotel Victoria weiterlaufen. Die Erleichterung war gross, körperlich waren wir beide echt am Ende.


Kurz nach der Ankunft um 16.15 Uhr bezogen wir ganz kurz unser Zimmer, um anschliessend auf der Terrasse einen Eiskaffee zu geniessen. Phuuu das war vielleicht lecker… Jedenfalls ging es danach ab ins Zimmer, ab unter die Dusche und ab aufs Bett, um direkt in die Erholungsphase überzugehen. Kurz vor 19.00 Uhr begaben wir uns dann in gewohnter Kluft nach unten zum Abendessen. Es handelt sich bei diesem Hotel um eines der etwas edleren Sorte mit vornehmeren Leuten und so wurden wir kurzerhand in die hinterste Ecke verbannt, wo wir uns mit unseren Trainingskleidern ausbreiten konnten. Uns war das total recht, wir möchten unsere Ruhe haben und auch etwa die Füsse hochlagern können.
Zum Abendessen gab es auch im Hotel Victoria ausgezeichnete Kost. Haude entschied sich für Kalbsgeschnetzeltes mit Rösti, während sich Fourchi einem Teller mit Roastbeef, Salaten und Pommes Frites widmete. Beide sind körperlich ziemlich zerstört und Haude scheint zu kränkeln. Trotzdem hat er fast alles von seinem Teller aufgegessen (Bravo Haude). Fourchi kannte keine Grenzen und hat alles vom Teller verschlungen.


Und so lassen wir jetzt unsere Abend ausklingen und leiten ohne weitere Worte zum Fazit über.
Fazit
Mit dem heutigen Tag haben wir nun also die Halbzeit erreicht. Seit sechs Tagen wandern wir täglich mit unserem Rucksack über Stock und Stein, stossen immer wieder an unsere Grenzen, aber halten wacker an unserem Ziel fest. Das bisher Erreichte macht und aber doch schon ordentlich stolz.
Ungünstig ist sicher die gesundheitliche Verfassung von Haude. Eine solche Schwächung durch Fiebrigkeit wird sich sehr stark auf das Leistungsvermögen auswirken und so ist der weitere Verlauf einem zusätzlichen Unsicherheitsfaktor augesetzt. Auch bei Fourchis Fuss ist keine Besserung in Sicht, aber irgendwie ist bis jetzt immer gegangen.
Auch wenn es heute das erste Mal geregnet hat, können wir uns wahrlich nicht über das Wetter beschweren. Wir profitieren von grossartigen äusseren Bedingungen und das muss auch mal erwähnt sein. Den heutigen Regen haben wir hoffentlich gut überstanden und sind somit für den morgigen Tag gerüstet.
Heute konnten wir ein wirklich hohes Tempo anschlagen. Die Gründe dafür kennen wir nicht, müssen wir aber auch nicht. Wenn es irgendwie läuft, dann läuft es und wir sind froh, wenn wir einen Kilometer nach dem anderen zurücklegen können. Ab sofort können wir die Tage rückwärts zählen, wann wir in Montreux ankommen sollten. Und dies erachten wir aus psychologischer Sicht als grossen Vorteil. Aber natürlich bleibt es bis dahin nochmals ein steiniger Weg mit vielen Hindernissen, die wir noch überwinden müssen.
Ausblick
Morgen steht nochmals eine Doppeletappe an, aber in einem gröberen Ausmass. Wir möchten über Grindelwald direkt nach Lauterbrunnen gelangen. Dabei werden wir zuerst die Grosse Scheidegg und dann von Grindelwald aus auch noch die Kleine Scheidegg überqueren. Aber auch morgen werden wir die geplanten Etappen abkürzen. Der Plan sieht aktuell so aus, dass wir ab Meiringen über die Grosse Scheidegg inkl. Abstieg nach Grindelwald laufen (23 km) und von da aus auch noch den Aufstieg in die Kleine Scheidegg versuchen zu bewältigen (10 km und 1000 Höhenmeter). Von da aus würden wir dann in die Bahn nach Wengen einsteigen und von da aus mit dem Zug nach Lauterbrunnen fahren. Damit können wir uns morgen 9 Kilometer Distanz und einen weiteren Abstieg einsparen.
Soweit sieht einmal der provisorische Plan aus. Das Wetter für morgen sieht regnerisch (evtl. sogar gewitterig) aus und eine 33 km Etappe mit zwei Alpenpässen ist für einen arg strapazierten Körper sicher eine sehr grosse Herausforderung. Deshalb schauen wir morgen nochmals, wie es um uns steht und dann würden wir eventuell auch nochmals umdisponieren.

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