Tag 5: Altdorf – Engelberg


Eckdaten zum heutigen Tag

Originalplanung

Die Originalplanung für unsere heutige Etappe bestand aus einer Etappe:

  • Altdorf – Engelberg
  • Distanz: 29 km
  • Aufstieg: 2100 m
  • Abstieg: 1500 m
  • Laufzeit: 10.45 h
Unsere Ergebnisse

Anhand unserer Tracker haben wir folgende Durchschnittswerte erzielt (während der grossen Pause haben wir den Tracker gestoppt):

  • Altdorf – Engelberg
  • Startzeit: 08.15 Uhr
  • Ankunftszeit: 15.15 Uhr
  • Distanz: 26 km
  • Aufstieg: 1900 m
  • Abstieg: 1400 m
  • Laufzeit: 06.15 h
  • Anzahl Schritte: 33’900
  • Tempo: 14.34 min/km

Tagesbericht

Bevor wir mit dem heutigen Bericht starten, möchten wir auf einen Fehler im gestrigen Tagesbericht hinweisen, welcher uns freundlicherweise von Seppi und Jonas gemeldet wurde. Und zwar haben wir geschrieben, dass wir bei der Fahrt mit dem Postauto 6-Mal dem Klang des Martinhorns lauschen durften. Aber es handelt sich dabei natürlich um das Dreiklanghorn, dem wir tatsächlich lauschen konnten. Vielen Dank an Seppi und Jonas für diesen Hinweis und Entschuldigung an die Leserschaft für dieses Versehen.

Die Anspannung war im ganzen Zimmer zu spüren, als Fourchi und Haude am Tag 5 im schwarzen Löwen in Altdorf um 06.30 Uhr aufwachten. Hatte die magische Salbe ein Wunder vollbracht und Fourchis Beschwerden geheilt? Könnte es also heute weitergehen?

Fourchis Gesicht nach zu urteilen beim Frühstück, schien das Wunder über Nacht ausgeblieben zu sein. Und tatsächlich, so war es auch. Die Schmerzen waren unverändert und so haben wir beim Frühstück zwei Möglichkeiten für den heutigen Tag bzw. sogar für den weiteren Verlauf der Tour diskutiert. Für heute ging es um die Entscheidung: Laufen wir los und nehmen den Brüstilift um etwas Höhe zu gewinnen oder gönnen wir uns einen kompletten Ruhetag und reisen mit dem Zug von Altdorf nach Engelberg? Für den weiteren Verlauf der Tour haben wir gar diskutiert, dass wir notfalls nur noch von einem Zielort zum anderen reisen würden, falls gar nichts mehr gehen würde.

Keine schönen Gesprächsthemen bei diesem einmal mehr hervorragenden Frühstück. Jedenfalls hat sich dann am Schluss der Diskussion der Sturkopf (nein, nicht Haude – sondern Fourchi) durchgesetzt und so packten wir unsere sieben Sachen und bereiteten uns auf die heutige Wanderung vor. Dazu gehörte auch die Einbandagierung von Fourchi lädiertem Fuss sowie die Erneuerung diverser Blasenpflaster (Haude und Fourchi). Zum Abschluss schmiss Fourchi dann noch eine Schmerztabelle ein, welche Haude gestern in der Apotheke besorgt hatte. Beim Auschecken konnte Fourchi noch ein sehr nettes Gespräch mit der Dame vom Hotel führen und von unserem Abenteuer erzählen, welches sie mit grossem Staunen zur Kenntnis nahm.

Wir hatten bisher immer das Glück, sehr viele nette Menschen anzutreffen und das ist auch nicht so selbstverständlich. Deshalb möchten wir das auch jeweils hier an dieser Stelle erwähnen. Und jetzt speziell für das Hotel Schwarzer Löwen im Altdorf, welches wirklich eine tolle Adresse im Zentrum ist.

Um 08.15 Uhr setzten wir uns dann in Bewegung und nahmen als erstes Ziel der heutigen Etappe Attinghausen ins Visier. Hierfür mussten wir etwas mehr als 3 Kilometer auf flachen Wegen zurücklegen und gelangten dann nach einem kleinen Anstieg und ungefähr 30 Minuten zur Brüstibahn. Wir waren uns nicht ganz sicher, ob wir da richtig waren, weil das Gondeli war kuschelig klein. Fourchi nahm dann kurzerhand den Hörer in der kleinen Hütte in die Hand und tatsächlich meldete sich jemand von der anderen Seite. Fourchi meldete zwei Personen an und wir konnten direkt in die Gondel einsteigen und dann wurden wir auch schon hochgezogen.

Sieht doch gar nicht so schlimm aus, wenn beide immer noch lachen können. Nach einer kurzen Fahrt von ca. 5 Minuten sind wir dann auch schon oben angekommen. Da mussten wir dann umsteigen in ein leicht grösseres Gondeli, wo bereits vier Personen drin standen. Da konnten wir uns noch dazugesellen und dann ging es auch schon los mit der zweiten Fahrt im Brüstilift. Zu Beginn dieser rund 10-minütigen Fahrt war es trotz nur 6 Personen unheimlich laut im Gondeli. Die vier Herren verfügten alle über ein kräftiges Stimmorgan und führten intensive Diskussionen. Haude hat dann Fourchi versucht zu erklären, dass eventuell einer dieser Herren vom Geschlecht Infanger sein könnte, weil er grosse Ähnlichkeiten zu einem entfernten Bekannten aus dem Ortsgebiet um Uri aufwies. In einer ruhigen Phase nahm Haude all seinen Mut zusammen und stellte die Frage, ob der nette Herr womöglich Infanger heisst. Nein… war die Antwort. Aber ein anderer Herr im Gondeli drehte sich um und sagte, dass er Infanger heisst. Dabei handelte es sich zwar nicht um den entfernten Bekannten wie von Haude gedacht, aber mit dem Geschlecht Infanger in einem Gondeli von vier Personen einen Treffer zu landen, ist doch auch nicht schlecht.

Oben angekommen warfen wir einen kurzen Blick auf den „gesparten“ Weg zurück und waren der Meinung, dass dies definitiv die richtige Entscheidung war. Gemäss Planung konnten wir damit rund 4 Kilometer Weg, knapp 1000 Höhenmeter Aufstieg und schätzungsweise 3 Stunden Laufzeit sparen.

Aber jetzt stand ja doch noch ein ganzes Stück Arbeit vor uns: Zuerst mussten wir den Surenenpass überqueren um anschliessend in einem langen Abstieg nach Engelberg zu gelangen. Das Wetter liess einmal mehr keine Wünsche offen und wir konnten grösstenteils auf Sonnenschein setzen. In einem guten Tempo legten wir die ersten Höhenmeter relativ rasch zurück und auch bei Fourchi schien die Schmerztablette einigermassen zu wirken, sodass er ein nicht allzu schmerzverzerrtes Gesicht aufsetzen musste.

Aus unserer Sicht war dieser Weg über den Surenenpass der bisher Schönste seiner Art. Nicht nur, dass man relativ bald sehen konnte, wo unser Ziel sein wird. Ständig eröffneten sich neue Aussichten und man konnte nur staunen, wie schön die Natur ist. Anderen Wanderern sind wir auf diesem Abschnitt nur einmal begegnet und einmal haben wir zwei Wanderer überholt. Ansonsten die Stille der Natur, das Plätschern der Bäche und herrliche Wanderwege.

In grossen Schritten und mit ausserordentlich wenigen Pausen näherten wir uns dem Surenenpass. Zuvor mussten wir aber noch zahlreiche Geröllfelder und insgesamt sieben Schneefelder passieren. Dabei kamen uns die Wanderstöcke ein weiteres Mal zugute, weil das doch eine ziemlich rutschige Angelegenheit war.

Zum Schluss mussten wir dann nochmals richtig beissen. Die Unterschenkel brannten, die Atmung wurde schwerer, aber wir sahen das Ziel auf 2291 Metern über Meer vor uns. Und so kämpften wir uns letztendlich in einer sehr guten Zeit von knapp 01.45 Stunden vom Brüsti auf den Surenenpass hoch. Da es aber erst knapp 11.00 Uhr war, gab es nur einen kurzen Handklatsch, ein Verliererfoto (ja, Haude war auch hier wieder als Erster oben, obwohl Fourchi zuvor einen grossen Teil der Führungsarbeit verrichtet hatte) und schon ging es wieder talwärts.

Auch beim Abstieg schlugen wir wieder ein ordentliches Tempo an, weil es sich im Moment einfach richtig anfühlte. Wiederum konnten wir die wunderbare Landschaft und die hervorragenden Wanderwege geniessen und wiederum einen Bach dazu nutzen, unsere Wasservorräte aufzufrischen. Heute war es wieder wärmer und das merkten wir sofort, weil wir wie auf den ersten Etappen wieder locker 4-5 Liter Wasser tranken.

Nach ca. 1 Stunde Abstieg gönnten wir uns um 12.15 Uhr dann auch noch unsere Mittagspause in einer kleinen Alpbeiz. Wir setzten uns hin und dachten, da würde dann schon jemand kommen und uns nach der Bestellung fragen, weil es sassen bereits andere Gäste da. Dem war aber nicht so und so ging Haude ins Haus hinein, wo er dann von einem jungen Mann vom Tisch nebenan angehalten wurde. Dieser fragte dann, was wir trinken wollten… Okay, kann man mal so machen. Haude gönnte sich einen sauren MöhlMost (alkoholfrei) und Fourchi genoss ein frisches Citro. Abgerundet mit einer weiteren Schmerztablette, um den Abstieg sauber über die Runden zu bringen.

Frisch gestärkt nahmen wir den weiteren Abstieg in Angriff und das ging alles sehr reibungslos von statten. Da entdeckte Haude plötzlich einen braunen Fleck in der grünen Landschaft und wies Fourchi darauf hin, dass es sich um einen Murmeli handeln könnte. Und tatsächlich, der braune Fleck bewegte sich und wir verfolgten die Spur noch ein Stück. Haude sah, wie das Murmeli hinter einem Strauch verschwand und da entdeckte er dann wohl auch noch das Nest. Leider hat es für ein Foto vom Murmeli nicht gereicht, aber Haudes Effort können wir zeigen (und den Beweis vom Loch mit dem Nest).

Irgendwo im Verlauf des Anstiegs trafen wir dann auch mal noch ein freistehendes Kreuz an. Haude nahm dies zum Anlass, ein Foto davon zu schiessen und wollte damit folgende Botschaft vermitteln: „Glaube kann Berge versetzen“. Damit bezog er sich auf Fourchis Zustand, welcher eben nicht so ideal aussieht. Fast zeitgleich entgegen wir dann aber: „Sturheit kann Berge versetzen“. Das trifft es in unserem Fall wohl wirklich besser und damit ist diese Klammer auch schon wieder geschlossen.

Langsam aber sicher wurden auch wieder die Füsse schwerer, aber schon bald einmal erreichten wir auch schon die Fürenalp, wo wir noch einige Gleitschirmflieger bei der Landung beobachten konnten (alle sind sauber heruntergekommen). Und da wir das Ziel vor Augen sahen, legten wir nochmals einen Zacken zu uns so legten wir die letzten Kilometer tatsächlich mit einem Schnitt von knapp unter 10 Minuten pro Kilometer zurück. Und um 15.15 Uhr erreichten wir das Ferienhaus in Engelberg, wo wir heute übernachten konnten.

So sehen also Sieger aus… Okay, weiter gings dann mal direkt in die Waschküche, wo wir uns fast nackig auszogen und alle unsere bisher verschmutzte Wäsche inkl. dem heutigen Tenü in die Waschmaschine schmeissten. Ein Sprutz Waschmittel dazu und dann sollte es losgehen… Die Maschine wollte aber nicht. Ohje, können diese zwei Männer tatsächlich die Waschmaschine nicht bedienen? Kurzerhand griff Fourchi zum Telefon (diesmal aber zum Handy und nicht zum Bähnlitelefon) und versuchte Mami Fourchi zu erreichen. Sie konnte dann erklären, dass sie in der Wohnung noch den Waschmaschinen-Schlüssel bereitgelegt hatte, welchen wir zuerst noch einstecken mussten. Also stiegen wir die Treppe hinauf, holten den Schlüssel und Tada, die Waschmaschine beginnt zu leuchten und wir kriegen sie tatsächlich zum Laufen.

Die Ferienwohnung gehört übrigens der Familie von Fourchis Mami, weshalb sie die erste Anlaufstelle war. Was wir dann in der Wohnung antrafen, war einfach nur wunderbar. Neben dem Waschmaschinen-Schlüssel hat uns Fourchis Mami auch noch einen kurzen Brief mit der Anleitung für die Waschmaschine, vielen lieben Worten und einem kleinen Snack bereitgestellt. Zudem hat sie für uns die Betten bezogen und Duschtücher bereitgelegt. VIELEN DANK MAMI FOURCHI!

Auf dem Tisch waren aber noch mehr Sachen und hier möchten wir auch noch Fourchis Schwester erwähnen. Am Montagabend haben wir ihr eine Liste geschickt mit Dingen, welche wir in dieser Unterkunft in Engelberg noch brauchen könnten:

  • Milch
  • Zopf
  • Kleine Müsli
  • Konfi, Honig oder sonst etwas
  • Packung Lachgummi
  • 2 Vollkornbrötli
  • Grosse Flasche Coca Cola
  • Spaghetti mit Tomatensauce
  • 2 Ovo Drinks
  • Blasenpflaster

Und all das haben wir hier auch angetroffen und ebenfalls mit einem Brief begleitet vorgefunden. Fourchis Schwester arbeitet in Engelberg und sie hat das am Dienstag für uns vorbereitet, weil sie mittwochs jeweils frei hat. Auch hier können wir nur sagen: VIELEN DANK FOURCHIS SCHWESTER!

Wow, ziemlich viel los hier in der Unterkunft in Engelberg. Nachdem Haude und Fourchi auch noch frisch geduscht waren, begab sich Haude nochmals ins Dorf, um für Fourchi noch Verbandsmaterial zu besorgen, welches aufgrund der letzten Versorgungen rasch aufgebraucht war. Und zusätzlich hat Haude auch noch die ganze Wäsche aufgehängt und Fourchi die nötige Erholungszeit gegönnt. Hier möchte halt jetzt Fourchi nochmals einen zusätzlichen Dank für diesen Einsatz aussprechen: VIELEN DANK HAUDE!

Okay, um 15.15 Uhr sind wir also angekommen und mittlerweile war ja einiges passiert… Aber dann passierte noch mehr. Um 18.00 Uhr trafen Schaggi und Dübi (von der Studenten Elite) bei uns ein und überraschten uns mit einem Abendessen. Sie haben grosse Geschütze aufgefahren und so konnten wir mit ihnen gemeinsam einen sehr gemütlichen Abend geniessen und uns mit ihnen austauschen. Zu Beginn gab es Chips und ein paar asiatische Snacks aus dem Backofen. Für den Hauptgang konnten wir dann Spaghetti mit einer leckeren Sauce und Poulet – begleitet von einem gemischten Salat – geniessen. Abgerundet wurde das heutige Menü mit einer leckeren Crèmeschnitte und dann wirklich abgeschlossen mit dem obligatorischen Whisky, welcher mittlerweile zur Hälfte geleert ist.

Das war wirklich eine super Überraschung und wir haben diese Abwechslung sehr genossen (auch wenn wir uns gegenseitig erstaunlicherweise noch immer nicht auf die Nerven gehen). Wir freuen uns darauf, euch bei der Hochzeit von Schaggi wiederzusehen. VIELEN DANK DÜBI UND SCHAGGI!

Und so geht der Tag auch langsam aber sicher zu Ende. So gegen 21.00 Uhr waren wir wieder alleine und deshalb liess heute der Beitrag auch ein wenig länger auf sich warten. Hoffentlich seid ihr etwas nachsichtig, weil für uns war das wirklich sehr toll und wir konnten uns auch wunderbar erholen.

Fazit

Mittlerweile sind wir schon 5 Tage am Stück gewandert und haben jeden Tag viele Kilometer und Höhenmeter zurückgelegt. Trotz Schmerzen und somit stark erschwerten Bedingungen halten wir weiterhin an unserem Ziel fest. Aber wir sind bereit, Kompromisse einzugehen. So haben wir heute einen steilen Ausstieg ausgelassen, konnten aber die übrige Etappe gemäss Originalroute in einer tollen Zeit zurücklegen und somit wiederum frühzeitig in die Erholungsphase übergehen.

Die heutige Etappe war aus unserer Sicht die bisher schönste Etappe der Via Alpina. Sie bietet ungemein vielseitige Aussichten und irgendwie ist sie auch vom Streckenprofil nicht allzu anspruchsvoll, obschon wir eine Höhe von fast 2300 m erreichten.

Für die weiteren Etappen sind wir somit ganz vorsichtig wieder etwas optimistischer, dass wir das irgendwie auch noch schaffen können, indem wir Kompromisse eingehen. Aber wir planen von Tag zu Tag weiter.

Faktoren, welche uns aktuell nur wenig beschäftigen, sind der Rucksack und das Wetter. An den Rucksack haben wir uns mittlerweile wirklich gut gewohnt und es sieht schon eleganter aus, wenn wir uns diesen nach einer Pause wieder frisch umschnallen. Bezüglich Wetter sind wir bisher wirklich hervorragend bedient und wir sind natürlich glücklich, wenn dies auch die nächsten Tage noch so bleibt (und so sieht es auch aus).

Ausblick

Morgen steht vermutlich eine ganz ähnliche Etappe wie heute auf dem Plan. Um nach Meiringen zu gelangen, müssen wir den Jochpass überqueren und dann wiederum einen längeren Abstieg bewältigen. Da unsere Unterkunft quasi vis-à-vis vom Bähnli zum Trübsee liegt, werden wir uns morgen diesen ersten Aufstieg wiederum schenken. Dann aber vom Trübsee werden wir die gesamte Etappe in Angriff nehmen und hoffentlich zu früher Zeit in Meiringen ankommen.

Zuvor heisst es aber nochmals: Fleissig und grosszügig magische Salbe auftragen, schonen und gut erholen. Dann schauen wir, wie die Welt morgen aussieht.


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