Tag 4: Linthal – Altdorf


Eckdaten zum heutigen Tag

Originalplanung

Die Originalplanung für unsere heutige Etappe bestand aus zwei Etappen:

  • Linthal – Urnerboden
  • Distanz: 16 km
  • Aufstieg: 1100 m
  • Abstieg: 400 m
  • Laufzeit: 05.25 h
  • Urnerboden – Altdorf
  • Distanz: 27 km
  • Aufstieg: 1050 m
  • Abstieg: 1900 m
  • Laufzeit: 08.20 h
Unsere Ergebnisse

Anhand unserer Tracker haben wir folgende Durchschnittswerte erzielt (während der grossen Pause haben wir den Tracker gestoppt):

  • Linthal – Urnerboden
  • Startzeit: 07.45 Uhr
  • Ankunftszeit: 12.45 Uhr
  • Distanz: 18 km
  • Aufstieg: 1020 m
  • Abstieg: 350 m
  • Laufzeit: 05.00 h
  • Anzahl Schritte: 21’800
  • Tempo: 16.58 min/km
  • Urnerboden – Klausenpass
  • Startzeit: 13.15 Uhr
  • Ankunftszeit: 15.00 Uhr
  • Distanz: 7 km
  • Aufstieg: 550 m
  • Abstieg: 20 m
  • Laufzeit: 01.45 h
  • Anzahl Schritte: 9’200
  • Tempo: 17.21 min/km

Tagesbericht

Bevor wir mit dem heutigen Tagesbericht beginnen, möchten wir noch ein paar Worte über die obigen Daten verlieren. Irgendwie liefern die Tracker aus unserer Sicht teilweise komische Ergebnisse, welche für uns nicht nachvollziehbar sind. Einzig bei der Distanz, Laufzeit und somit auch beim Tempo sind die Angaben zuverlässig. Aber was die Höhenmeter, Anzahl Schritte und Kalorien angeht, da wären wir vorsichtig mit der Interpretation. Aber jetzt zum Tagesbericht…

Tag 4 stand auf dem Programm und wir sollten auch heute wieder so einige Dinge erleben… Wie geplant sind wir um 07.00 Uhr trotz getrennten Zimmern pünktlich zum Frühstück erschienen. Und auch heute liess das Buffet wirklich überhaupt nichts zu wünschen übrig. Das Hotel Raben hat uns vollumfänglich überzeugt und wir konnten gestärkt unsere letzten Sachen zusammenpacken und dann um ca. 07.45 Uhr losmarschieren.

An dieser Stelle ein kleiner Einschub: Gestern haben wir geschrieben, dass wir ursprünglich im Hotel Tödi gebucht hatten, welches aber ziemlich fernab unserer Route lag. Gemäss Vereinbarungen hätten wir es nicht mehr kostenfrei stornieren können, aber wir schrieben ein Mail ans Hotel und schilderten unsere Situation. Heute haben wir dann die Antwort erhalten, dass sie uns den Betrag für die Übernachtung nicht in Rechnung stellen und dafür sind wir sehr dankbar. Für diese grosszügige Geste werden wir dem Hotel Tödi eine Postkarte schicken.

Wir begaben uns also bei ziemlich bedecktem und nebligem Wetter Richtung Braunwaldbahn, wo uns dann auch gleich der erste Aufstieg des Tages bevorstand. Bei diesem Aufstieg trafen wir dann auch wieder unseren israelischen Freund Gabriel an, welcher es mit seinem Zelt also auch schon gleich weit geschafft hat. Nach einem kurzen Gespräch (natürlich auf Englisch) haben wir uns verabschiedet und sind weiter aufgestiegen. Gabriel war dann auch tatsächlich der letzte Wanderer, welchen wir an diesem Tag sehen sollten. Wir waren mutterseelenallein unterwegs.

Der Aufstieg war happig und Fourchi hatte grosse Mühe der hohen Pace von Haude zu folgen. Obwohl es während des Aufstiegs nicht geregnet hat, waren wir beide pflotschnass. Aber nach ungefähr 01.15 Stunden haben wir die Braunwaldbahn erreicht und feierten dies mit einem tollen Selfie.

Nun hatten wir also ungefähr die Höhe der eigentlichen Etappe bis zum Urnerboden erreicht und wanderten auf mehr oder weniger ebenem Gelände weiter. Da überraschte Fourchi Haude plötzlich mit einer Hiobsbotschaft. Fourchi hatte extrem starke Schmerzen im rechten Fuss und wusste nicht, wie weit es heute reichen würde. Die magische Salbe hat leider nicht die gewünschte Besserung herbeigeführt. Ganz anders bei Haude: Er fühlte sich heute pudelwohl und das sah man seinen geschmeidigen Bewegungen auch sehr gut an.

Nach dieser Botschaft war die Stimmung natürlich zuerst mal am Tiefpunkt und Haude war an dieser Stelle wirklich ein hervorragender Wegbegleiter. Fourchi möchte sich hier für Haudes tolle Art bedanken, wie er darauf reagiert hat. Wir besprachen mögliche Szenarien, aber Fourchi bestand darauf, mindestens bis zum Urnerboden durchzuziehen und da allenfalls ins Postauto einzusteigen. So ging die Wanderung also weiter, das Tempo war dann aber eher gemächlich. Wettertechnisch konnten wir eine sehr idyllische Stimmung geniessen und es war sehr angenehm, bei diesen Temperaturen zu wandern. Einzig bei den Pausen wurde es jeweils rasch wieder kühl und so machten wir uns normalerweise wieder rasch auf den Weg.

Aber da gab es eine Pause, die etwas länger dauerte. Und zwar hat sich Schaggi (unser frisch verheirateter Freund, dessen Hochzeit wir am Weekend nach unserer Ankunft in Montreux dick feiern werden) per Videoanruf gemeldet. Das Timing war so perfekt, dass wir uns ein wenig unterhalten konnten. Es sah schon ganz gemütlich aus bei ihm zuhause im Homeoffice. Auf der anderen Seite Haude und Fourchi im Wald auf dem nassen Boden sitzend. Irgendwie hätten wir gerne mit Schaggi getauscht, aber wir gönnten ihm natürlich, dass er heute aus dem gemütlichen Zuhause arbeiten durfte. Und über seinen Anruf haben wir uns wirklich auch sehr gefreut, danke Schaggi!

Es ging also immer weiter Richtung Urnerboden, und da ereigneten sich dann doch noch zwei Sachen, welche wir euch nicht vorenthalten möchten. Zuerst versucht Fourchi elegant und kontrolliert ein grösseres Schlammfeld zu überqueren, doch dann passiert es aus dem Nichts. Sein Fuss versinkt komplett im Schlamm und mit viel Kraftaufwand kann er ihn wieder rausziehen (und der Schuh war glücklicherweise noch dran). Was für ein Schoggistich. Haude hingegen wählte eine andere Route, was sich im Nachhinein als die bessere Wahl herausstellte.

Naja, wir haben ja von zwei Sachen gesprochen. Ein wenig später hat es Haude dann auch noch erwischt und er landete mit seinem Bein in einem „Wasserloch“ und war nochmals pflotschnass. Das ist Karma…

Okay, irgendwann sind wir – man glaubt es kaum – dann doch noch im Urnerboden angekommen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir etwas mehr als 5 Stunden unterwegs und hatten anstelle der beschilderten 15.2 Kilometer deren 18 zurückgelegt. Wir haben uns heute ganz sicher nicht verlaufen und auch keine Extraschlaufe gedreht. Trotzdem sind wir die Kilometer abgestrampelt, hat wohl so sein sollen…

Die Mittagspause legten wir dann an einer kleinen Grillstelle ein, welche auf unserem Weg lag. Wir haben uns kurz verpflegt und unseren Beinen eine kurze Pause gegönnt, bevor wir nach ungefähr 30 Minuten wieder losmarschiert sind.

Und der Weg führte nicht etwa zum Bus (da hätten wir 3 Stunden warten müssen), sondern in Richtung Klausenpass, welchen wir uns dann heute trotz den schlechten Vorzeichen doch noch geben wollten. Bis zu diesem Zeitpunkt hat es nur einmal ein bisschen geregnet, ansonsten war es kühl und trocken. Bei Haude haben diese ersten Tropfen aber schon ausgereicht, dass er sich in seine Regenjacke stürzte (er war bis dahin im Kurzarm-Tenü unterwegs) und auch seinen Rucksack eine wunderbare grüne Hülle überzog. Fourchi packte sich nach der Pause dann auch in die Regenjacke ein, weil es kühler wurde. Der Rucksack durfte weiterhin an der freien Luft schnuppern.

Es begann also der Aufstieg auf den Klausenpass und dabei passierten wir – wie auch schon in den vorherigen Etappen – zahlreiche Weidezäune. Leider haben wir nicht mitgezählt, aber das waren bis dahin sicher schon über 100 Stück. Und jedes Mal beim Heranlaufen hat der „Vorreiter“ den Zaun geöffnet, das Gspändli passieren lassen und den Zaun wieder geschlossen, bevor es weiterging. Haude hat dies hier nochmals zum Besten gegeben.

Beim Aufstieg zum Klausenpass hatten wir auch wieder zahlreiche Male das Vergnügen Kühen auf dem Wanderweg zu begegnen. Da sind wir dann in den meisten Fällen ausgewichen und haben uns einen alternativen (gewöhnlich auch anspruchsvolleren) Weg gesucht. Aber ansonsten sind wir nochmals ziemlich zackig gestiegen und konnten schon bald erahnen, wo sich die heutige Passhöhe verbergen könnte. Haude nahm dies zum Anlass für eine unqualifizierte Aussage, nachdem wir den letzten Anstieg vor uns sahen: „Ein angenehmer Anstieg…“. Fourchi bleibt es bis jetzt ein Rätsel, wie sich Haude zu dieser Kombination der beiden Wörter „angenehm“ und „Anstieg“ hinreissen lassen konnte. Fourchi hätte sich aus seinem Wortschatz für „noch so ein Sauhund“ entschieden.

Halb so wild, wir haben uns weiterhin lieb und nahmen den angenehmen letzten Anstieg in Angriff. Dann noch ein kurzer Blick zurück auf den Urnerboden und noch weiter nach hinten nach Linthal, bevor wir auf die letzten Meter einbogen (da sieht man übrigens auch noch Haudes hübschen grünen Überzug für seinen Rucksack).

Nach gut 01.30 Stunden war es dann geschafft und wir haben den Klausenpass tatsächlich erreicht. Das war ein wirklich sehr schneller Anstieg und Fourchi war gottenfroh, dass die heutige Etappe endlich beendet war.

Es war mittlerweile kurz vor 15.00 Uhr und unser nächstes Postauto würde erst um 16.10 Uhr losfahren. Da alle Restaurants geschlossen hatten, bewegten wir uns schweren Herzens noch weiter abwärts, wo wir dann nach einem Kilometer auf das offene Hotel Klausenpass stiessen. Dort genehmigten wir uns ein Getränk und warteten auf das Postauto, welches pünktlich um 16.20 Uhr vor dem Hotel erschien.

Ja okay, das war jetzt das erste Mal, dass wir die Kilometer der Originaletappe nicht zu Fuss zurückgelegt haben. In der jetzigen Situation war es aber für uns die einzig richtige Entscheidung und die Fahrt mit dem Postauto war dann auch wirklich phänomenal. Also wir konnten ganze 6-Mal dem Klang des Martinshorns lauschen, während das Postauto die kurvigen Strassen vom Klausenpass herunterfuhr. Wir konnten wunderbar beobachten, welchen Weg wir noch vor uns gehabt hätten und da waren wir doch beide froh, dass wir auf diese zusätzlichen Kilometer verzichtet haben. Kleine Notiz noch zu dieser Fahrt mit dem Postauto: Wir haben uns vorbildlich dort hingesetzt, wo ein Bild von einer Person mit einem Gehstock zu sehen ist.

Um 17.15 Uhr hatten wir dann Altdorf erreicht, konnten aus dem Postauto aussteigen und einige Meter weiter unser heutiges Hotel Schwarzer Löwen beziehen. Während sich Fourchi schon mal unter die Dusche begab und den Schoggistich säuberte, suchte Haude die Apotheke in der Nähe auf und suchte nach einem Wunderheilmittel für Fourchis Fuss. Er kam dann zurück mit einer weiteren magischen Salbe und Schmerzmitteln. Die magische Salbe hat Dr. Haude dann sehr gewissenhaft auf Fourchis schmerzenden Fuss aufgetragen und dann gings im fast gewohnten Outfit (Fourchi mit Flip-Flops, Haude mit seinen Wanderschuhen) ins drei Minuten entfernte Restaurant Wilhelm Tell. Das Hotel Schwarzer Löwen hatte heute nämlich Ruhetag und deshalb gab es auch kein Essen im Restaurant. Es war ein mühseliger Gang zum Restaurant, aber auch das hat irgendwie geklappt. Und nachdem wir beide einen Salat und eine Pizza verdrückt hatten, ging es auch schon zurück ins Zimmer, wo wir die Medical Session noch weiter fortführten.

Fazit

Zuerst das Positive: Heute haben wir die 100 km geknackt und blicken somit bereits auf vier intensive Wandertage mit drei Passüberquerungen zurück. Auch wenn wir heute das Postauto genommen haben, schätzen wir unsere bisherigen Leistungen doch sehr hoch ein und sind stolz darauf, was wir bisher erreicht haben.

Ebenfalls äusserst positiv gestaltet sich das Wetter. Wir profitieren von idealen Bedingungen und werden beim Wandern davon in keiner Weise beeinträchtigt.

Etwas bedenklich ist Fourchis Gesundheitszustand. Trotz extrem starken Schmerzen im rechten Fuss zu Beginn der Etappe hat Fourchi nie ans Aufgeben gedacht und sich getreu seinem Sternzeichen in Löwen-Manier durchgebissen (was gesellschaftlich gesehen von einem Fussballer typischerweise nicht erwartet wird – Fourchi ist wie Haude Fussballer). Fourchi ist zwar bei seinem elitären Kollegenkreis (zu welchem offenkundig auch Haude gehört) für seine Comebacks bekannt. Mit dieser unglaublichen Leistung hat er jedoch all seine bisherigen Comebacks in den Schatten gestellt. Haude ist verblüfft, beeindruckt und zieht seinen Hut für dieses unmenschliche Laufkunststück.

Einen solchen Effort wie heute kann man wohl morgen von Fourchi kaum wieder erwarten. Deshalb bleibt zu hoffen, dass die neue magische Salbe und die behutsame Vorgehensweise von Dr. Haude Wunder wirken. Nur so ist es realistisch, dass es morgen in irgendeiner Art und Weise weitergehen kann.

Haude übrigens erfreut sich bester Gesundheit und könnte die weiteren Tage sicherlich problemlos absolvieren. Aber er richtet sich nach Fourchis Möglichkeiten und das zeugt wirklich von Grösse.

Ausblick

Morgen steht die Originaletappe von Altdorf nach Engelberg an, wo wir auch ein erstes Mal unsere Schmutzwäsche waschen können und nicht mehr benötigtes Material abgeben werden. Aber bevor es so weit ist, müssen wir noch den Surenenpass überwinden. Mit einer Länge von 29 km, einen Aufstieg von 2100 m und einer geschätzten Wanderzeit von knapp 11 Stunden stellt das wahrlich ein grosses Hindernis dar.

Entsprechend werden wir erst morgen nach einer hoffentlich ruhigen Nacht schauen, wie es um Fourchis Fuss steht und ob eine Wanderung überhaupt möglich ist. Dann würde sich noch die Möglichkeit bieten, den ersten heftigen Aufstieg von Attinghausen nach Brüsti mit der Bahn zu überwinden, um dann doch aus eigener Kraft den Surenenpass zu erklimmen und nach einem langen Abstieg in Engelberg anzukommen.

Wir werden sehen, was der morgige Tag bringt. Und natürlich seid ihr die Ersten, die das erfahrt.


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