Eckdaten zum heutigen Tag
Originalplanung
Die Originalplanung für unsere heutige Etappe bestand aus einer Etappe:
- Elm – Linthal
- Distanz: 25 km
- Aufstieg: 1650 m
- Abstieg: 2000 m
- Laufzeit: 09.15 h
Unsere Ergebnisse
Anhand unserer Tracker haben wir folgende Durchschnittswerte erzielt (während der grossen Pause haben wir den Tracker gestoppt):
- Elm – Linthal
- Startzeit: 07.15 Uhr
- Ankunftszeit: 15.30 Uhr
- Distanz: 28 km
- Aufstieg: 1700 m
- Abstieg: 2050 m
- Laufzeit: 08.00 h
- Anzahl Schritte: 39’400
- Tempo: 17.42 min/km
- Kalorien: 4340 kcal
Tagesbericht
Wie gestern geplant ging der Wecker um 06.15 Uhr los und um 06.30 erschienen wir pünktlich im Frühstücksraum. Und jetzt mal ganz ehrlich, das war wie wenn du die Tür öffnest und was du siehst, haut dich einfach total von den Socken. An einem Tisch war für Haude und Fourchi gedeckt und ein komplettes Frühstück stand nur für uns bereit, mit Brot, Fleisch, Käse, Kaffee, Müsli, Joghurt und Orangensaft. Wirklich ein Traum und deshalb ein riesiges Dankeschön ans Hotel Bergführer für diesen ausgezeichneten Service.
Frisch gestärkt begaben wir uns wieder aufs Zimmer, packten unsere Rucksäcke und legten erneut eine kurze Medical Session ein. Haude deckte seine Hüfte mit einer magischen Salbe ein und Fourchi bediente sich erneut dem Compeed-Blasenpflastervorrat. Wir haben heute nochmals durchgezählt und durch die drei zusätzlichen Pflaster von heute Morgen konnte Fourchi seine Führung gegenüber Haude auf 9-4 ausbauen.
Um 07.15 Uhr starteten wir dann unsere Tracker und legten mal den Weg zurück, welcher uns gestern so wahnsinnig geärgert hat. Dabei begegneten wir wieder den Turnfreunden aus dem Rheintal und es blieb Zeit für einen kurzen Schwatz. Wir fanden es komisch, dass sie uns entgegengelaufen kamen, da sie die Abzweigung für die Via Alpina bereits verpasst hatten. Sie erklärten uns, dass sie sich heute für eine andere Route auf den Richetlipass entschieden hatten, weil ein Teilstück der Via Alpina gesperrt war und es dazu eine Umleitung gab. Sie bewegten sich also in Richtung unseres Hotels (und noch etwas weiter) und wir begaben uns in Richtung ihres Hotels Sonne, wo wir dann nach den ersten 1.5 km auch tatsächlich wieder den Weg erreichten und somit in die heutige Etappe einsteigen konnten.
Es gab heute gar keine Aufwärmphase, sondern es ging hinein in den Wald und wunderbar im Zick-Zack erklimmten wir die ersten Höhenmeter. Das war mal ein toller Einstieg. Das Wetter war zu diesem Zeitpunkt noch sehr schön, fast ein wenig zu heiss auf den Passagen, wo wir dann aus dem Wald hinauskamen. Entsprechend kamen wir schon mal schweissgebadet auf dem Unter Ampächli an und betrachteten die Bahn, welche mittlerweile auch ihren Betrieb aufgenommen hatte. Diese Bahn hätten wir nehmen können, um uns diesen ersten Aufstieg zu sparen. Aber das wäre ja nicht in unserem Sinn gewesen (aber darüber nachgedacht haben wir schon).

Nach einer kurzen Pause liefen wir weiter kontinuierlich aufwärts, aber nicht mehr ganz so steil. Wir merkten beide unsere Blessuren und hatten während der ganzen Etappe Schmerzen, aber wir versuchten das irgendwie auszublenden und immer weiterzulaufen. Also nur um das klarzustellen: Niemand von uns hat dem anderen gesagt, wie weh es ihm tut. Aber wir konnten die Mimik des anderen gut einschätzen und deshalb bedurfte es keiner Worte.
Irgendwann kamen wir dann an die Stelle, wo tatsächlich der Weg gesperrt war und eine mehr oder weniger verständliche Umleitung signalisiert war. Diese Umleitung bescherte uns dann doch den einen oder anderen zusätzlichen Kilometer, einige Höhenmeter (dummerweise war es eben noch ein Höhenweg) und natürlich auch einen nicht unwesentlichen Zeitverlust. Wir schätzen den Zeitverlust auf ca. 1 Stunde ein, aber das ist nur eine Annahme, weil wir ja den anderen Weg nicht begehen durften. In der Karte unten ist in Gelb unser zusätzlicher Effort der heutigen Etappe eingezeichnet (der Weg vom Hotel bis zum Startpunkt und dann die Umleitung).

Sagen wir es mal so: Der Umweg war rein aussichtstechnisch wirklich sehenswert und an anderen Tagen hätten wir das auch genossen. Aber heute war für uns einfach nicht der Tag, an dem wir den machen wollten. Naja, sei es drum, machen mussten wir es trotzdem. Haude nahm das ein wenig gelassener und lief weiter, während Fourchi auch zeigen wollte, wie er das fand (da befanden wir uns am Wendepunkt des Umwegs).


Nachdem wir wieder zurück auf der Originaletappe waren, suchten wir nach dem Richetlipass. Und irgendwann begann dann auch tatsächlich der Aufstieg da hinauf, wobei wir doch immer wieder kleine Pausen einlegten, um uns mit Flüssigkeit zu verpflegen und unseren Füssen eine kurze Entspannungsphase zu gönnen.

Meter für Meter kämpften wir uns den Berg empor, aber die Schritte waren schwer und der Schweiss tropfte uns von der Stirn. Wir bissen uns durch und dann endlich, Ankunft auf dem Richetlipass nach 04.15 Stunden. Aber irgendwie konnte das gar nicht sein, da wir auch noch viele Umwege in Kauf nehmen mussten und die Richtzeit gemäss Wanderwegweiser bei 5 Stunden lag. Und dann offenbarte sich uns auf dem vermeintlichen Gipfel die Wichlenmatt. Wir hatten also den Erbserstock erreicht und sahen von da aus nun definitiv den Richetlipass, leider war der aber noch ziemlich weit weg und wir mussten zuerst wieder absteigen, um danach wieder aufsteigen zu können. Nun denn, wir nahmen den Abstieg in Angriff und gönnten uns vor dem Aufstieg unsere Mittagspause. Diese fiel heute mit 15 Minuten relativ kurz auf, weil wir bezüglich des Wetters nicht ganz sicher waren.
Was nun also folgte, war der Aufstieg auf den Richetlipass (das war jetzt wirklich der Richtige), und es tat schon ziemlich weh. Mit Ach und Krach haben wir uns irgendwie da hinauf gehievt und uns kurz abgeklatscht (Haude war auch hier wieder als Erster oben, wie schon auf dem Foopass). Das erste Tagesziel war somit nach rund 5 Stunden doch noch erreicht.

Wir gönnten uns wiederum nur eine sehr kurze Pause und begaben uns dann auf den Abstieg. Der Nebel stieg zu dieser Zeit bis zu uns empor und so begaben wir uns in die Nebelsauce hinein. Da war es ein grosser Vorteil, dass Haudes Rucksack ausgesprochen lecker nach Shampoo roch. Während der gestrigen Etappe ist ihm da irgendetwas passiert und so roch der Rucksack wirklich ausgezeichnet. Schon bei der ersten Etappe hörten wir plötzlich ein Geräusch bei einer Pause. Es war Haudes Deo, welches sich verselbständigt hatte und im Rucksack für einen angenehmen Duft sorgte.
Zurück zum Abstieg: Wir wussten ja schon, dass er happig und lange werden würde. Und zu Beginn war es wirklich ein sehr steiler Abstieg, welcher eine sehr grosse Trittsicherheit forderte. Das hiess für uns: Konzentration hochhalten, auch wenn die Beine sehr müde sind. Irgendwie war es spätestens ab diesem Zeitpunkt eine reine Kopfsache. Der Körper sagte schon lange „Stopp“, aber unser Kopf wollte das nicht eingestehen und so stiegen wir ab… und wie. Beim Abstieg überholten wir diverse andere Wanderer und unsere Pace war ausgezeichnet. Im Nebel überquerten wir auch noch das Gelände von Schafen und mussten gut Acht geben, um nicht in ihre braunen Hinterlassenschaften (ja, damit meinen wir Kacke) hineinzutreten und dann noch dumm auszurutschen. Es war schon wahnsinnig, wie viele braune Flecken auf dem Wanderweg zu sehen waren bzw. wie wenig saubere Fläche zum Ausweichen zur Verfügung stand.
Trotzdem sind wir irgendwie relativ sauber durch den ersten steilen Abstieg durchgekommen und dann folgte für uns eine längere flache Strecke zur Erholung. Haude nutzte diese Gelegenheit für den ersten Einsatz seines Ear-Pods (tatsächlich nur ein Ear-Pod, auf dem anderen Ohr konnte er weiterhin hören). Wir haben noch nicht geklärt, ob ihm Fourchis Stille auf den Geist gegangen ist, oder ob er einfach abschalten wollte. Jedenfalls hat er auf seine Hochzeits-Playlist von Noelle und Markus Brun zurückgegriffen und offenbar hat das irgendwie geholfen (Keine Sorge, Fourchi ist deshalb nicht verletzt).
Zudem haben wir eine kurze Pause dafür genutzt, um unsere Wasservorräte aufzufrischen. Erstmals taten wir dies mit Bachwasser, welches wir für sauber hielten. Es wird sich hoffentlich bestätigen, dass wir damit keinen Fehler gemacht haben. Jedenfalls war Haude auch nach ein paar Schlücken noch glücklich.

Danach ging es noch ein letztes Mal steil in den Wald hinab. Da kamen Erinnerungen hoch: Der erste Abstieg von Gaflei zu Beginn unserer Wanderung… Oh wie war das schön und sorgenfrei, und ohne Wanderstöcke. Alles ging locker flockig wie von alleine und wir flogen quasi hinunter. Heute aber war es ein purer Kampf, welchen wir aber mit einem super Tempo gewinnen konnten. Und wir wurden für unseren Effort sogar noch belohnt, indem wir unsere Turnfreunde aus dem Rheintal tatsächlich kurz vor dem Dorfeingang noch einholen konnten. Und dann sahen wir Linthal: Wow, was für ein Gefühl nach diesem harten Tag.

Es folgte noch ein kurzer Marsch Richtung Hotel Raben, wo wir heute nächtigen werden. Die aufmerksame Leserin bzw. der aufmerksame Leser ist jetzt sicher verwirrt. Eigentlich hatten wir ja das Hotel Tödi in Linthal gebucht. Was ist passiert? Gestern Abend nach dem Malheur mit dem etwas abseits gelegenen Hotel Bergführer hat Fourchi kurzerhand kontrolliert, wo denn das heutige Hotel Tödi liegt. Oh man, wie gut dass er das getan hat… Das Hotel liegt satte 4 km ausserhalb von Linthal und hätte somit einen zusätzlichen Marsch von ca. 1 Stunde bedeutet, um diesen dann am Folgetag wieder zurückzulegen… Autsch.
Jedenfalls konnte Fourchi dann noch ganz spontan eine Übernachtung im Hotel Raben buchen, halt in Einzelzimmern und mit einem Gemeinschaftsbad. Aber die Position des Hotels ist dermassen viel besser und einmal separiert zu schlafen ist auch okay. Bevor wir aber die Zimmer bezogen, legten wir auf dem Weg zum Hotel noch einen Zwischenhalt bei Volg ein, um uns ein paar Sachen einzukaufen. Haude gönnte sich ein Coci, eine Apfelschorle, eine frische Packung Lachgummi und eine weitere magische Salbe. Fourchi kaufte sich auch ein Coci, dazu noch ein Well-Awake Getränk, einen Ovo-Shake – welchen er kurzerhand vor dem Volg hinunterleerte – und auch noch eine Packung Lachgummis. Das wird uns sicher helfen in den schwierigen Zeiten, die uns noch bevorstehen.
Im Hotel Raben angekommen haben wir unsere Einzelzimmer bezogen und selbständig die Erholungsphase eingeleitet, irgendwann mal auch noch geduscht, um dann in gewohnter Manier (Fourchi mit Flip-Flops und Haude in den Socken) beim Nachtessen zu erscheinen. Es ist schon verrückt, wie sehr wir auf dieser Wanderung mit gutem Essen verwöhnt werden. Da gibt es überhaupt rein gar nichts auszusetzen und wir konnten das Essen schön geniessen.
Fazit
Nun haben wir also schon drei Tage hinter uns gebracht und uns dabei stets an unsere Grundsätze gehalten. Heute haben wir unfreiwillig noch einige Extrameilen absolviert und das merken wir langsam aber sicher auch im ganzen Körper.
Es ist noch schwierig, das irgendwie zu erklären. Aber wenn wir jeweils im Hotel ankommen, ändert sich unser Laufstil dermassen schnell und abrupt. Aus den geschmeidigen Bewegungen von zufriedenen Jungspunden werden sehr langsame und komische Entlastungsbewegungen. Das sieht dann alles andere als elegant aus und zieht sich auch so weiter bei den Bewegungen im Zimmer, runter zum Abendessen und dann auch am nächsten Morgen beim Weg zum Frühstück. Also wenn wir uns sehen würden und jemand würde uns sagen, dass diese heute eine Etappe der Via Alpina absolvieren, würden wir vermutlich vor lauter Lachen am Boden wälzen. Es sieht dermassen absurd aus.
Aber sobald wir dann unsere Medical Session absolviert haben, die Schuhe anziehen und den Rucksack fassen, dann sieht das schon mal etwas vernünftiger aus. Und wenn wir dann mal die ersten Schritte losmarschiert sind, könnte man wirklich meinen, dass da zwei Wanderer unterwegs sind.
Wie bereits beschrieben, plagen uns beide weiterhin körperliche Beschwerden. Aber wir beissen uns da irgendwie durch und versuchen unsere Tagesziele zu erreichen. Dabei haben sich einmal mehr die Wanderstöcke bewährt und wir konnten uns damit die notwendige Entlastung verschaffen.
Ansonsten blicken wir jetzt auf drei aufregende und strenge Tage zurück. Wir sind schon mal stolz, dass das bis hierher mehr oder weniger reibungslos geklappt hat und wir es irgendwie geschafft haben. Und natürlich hoffen wir, dass auch noch die weiteren Etappen zu unserer Beute werden.
Ausblick
Morgen werden wir um 07.00 Uhr zum Frühstück antreten. Wir möchten gerne um 07.30 Uhr vom Hotel losmarschieren in Richtung Urnerboden und von da aus erklimmen wir dann den Klausenpass. Unser morgiger Zielort ist dann Altdorf. Aufgrund unserer derzeitigen Beschwerden haben wir schon mal geprüft, ob wir ab dem Klausenpass oder auch etwas später den Bus nehmen könnten, um dann nach Altdorf zu gelangen. Das werden wir dann morgen abhängig von unserem Wohlbefinden auf dem Klausenpass entscheiden.
Uns ist es wichtig, dass wir auch die weiteren Etappen irgendwie bewältigen können und dafür sind wir – entgegen unserer Grundsätze – auch bereit, auf eine Bahn oder eine Postauto/Bus zurückzugreifen. Das übergeordnete Ziel bleibt nämlich, dass wir irgendwie in Montreux ankommen wollen. Und der Terminplan ist ja bekanntlich vorgegeben.
Wettertechnisch könnte es nach den heutigen Regenfällen sein, dass es auch morgen den einen oder anderen Sprutz gibt. Dann könnten wir erstmals von unserer mühsam mitgetragenen Regenausrüstung das erste Mal Gebrauch machen. Aber wir hoffen natürlich, dass es trocken bleibt.

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